Schlagwort: Steven Spielberg

Die besten Kriegsfilme der 90er Jahre – Warum Saving Private Ryan da nicht rein gehört

Was wir auf der Leinwand sehen, könnte der bis dato  heftigste Antikriegsfilm aller Zeiten, zumindest aber der extremste Kriegsfilm der 90er sein. Ein blutiges – phasenweise kaum zu ertragendes – Gemetzel ohne Vergleichsmöglichkeit: Der Sturm auf den Strand in der Normandie, ohne Musik, ohne unnötige Effekte, stattdessen mit verwackelter Handkamera, aus der Sicht einfacher Soldaten und direkt im Geschehen, nah, unter die Haut fahrend und gewalttätig. Das Licht im Kinosaal ist gerade ausgegangen, da geht es auch schon los. Die amerikanischen Soldaten sitzen in ihren Landebooten, blass, übermüdet verängstigt, die ersten von ihnen übergeben sich bereits und dann wird die Klappe geöffnet, die erste Reihe von Kämpfern wird von Maschinengewehrsalven niedergemäht und die restlichen stürzen in die Fluten des Meeres. Ein Feuerhagel, unbeschreiblicher Lärm, plötzliche Stille in dem Chaos, da einer der Soldaten fast komplett taub ist durch dieses Maschinengewehrgewitter; und dann sehen wir den Krieg in all seinen Schrecken: Weiterlesen

Virtueller Zauber – Rezension zu Steven Spielbergs Ready Player One

Es ist ein beliebtes Narrativ der Nerdkultur, in irgendeiner Form zur kulturellen Avantgarde zu gehören: Die dummen Mainstreamschafe sind halt doch die anderen. Wir dagegen, die wir unseren Campbell gelesen, unser klingonisch studiert und unseren Stan Lee gesammelt haben, haben in den letzten Jahrzehnten unseren ganz eigenen, distinguierten Geschmack entwickelt: Wir kennen diverse Marvel-Multiversen, wir wissen, wie Star Wars verkümmern konnte und wie es gerettet werden sollte, wir haben alles gespielt, von Space Invaders bis Uncharted und können es uns daher auch erlauben, mit gewisser Verachtung auf all die Blockbustergänger, Michael-Bay-Fans und Fifa-Zocker herabzublicken. Dabei übersieht man doch allzu gerne, dass die Nerdkultur nicht nur einfach Teil des Mainstreams geworden ist, sondern schon immer Teil der Mainstreamkultur war. Bei Back to the Future, der Figur des Supermans und dem Nintendo Entertainment System handelt es sich eben nicht um besonders avantgardistische Nischenkunstwerke, sondern seit jeher um Unterhaltung für die breiten Massen mit beträchtlichem Erfolg (was sie freilich nicht weniger wertvoll macht). Auftritt: Steven Spielberg. Dieser tritt nämlich mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ernest Cline – Ready Player One (2011) – den endgültigen Beweis an, dass sich Nerd- und Popkultur nicht nur perfekt vertragen, sondern auch eine wundervolle Ehe ohne Wenn und Aber eingehen können.

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