Schlagwort: Drama

A Prayer Before Dawn (2017) – Gefängnisdrama, Post-Actioneer, Anti-Sportfilm

Der Gefängnisfilm hat viele Gesichter. Exploitation und Sexploitation mal beiseite gelassen (Ja, ich schaue auf euch 70er) ist in dem Genre – wenn es denn überhaupt ein genuines Genre ist – so einiges möglich: Heist-Thriller, Survival-Action, pathetisches Drama, Realistisches und Dokumentarisches, ja sogar spitzbübische Comedy lässt sich hinter Gittern inszenieren. Die Schnittmengen zwischen den einzelnen Genre-Interpretationen halten sich dabei meistens in Grenzen. Wenn ein Film hinter Gittern den rauen Knastalltag realistisch darstellen soll, kommt es meistens einfach nicht gut, wenn er plumpe Actionsequenzen dazwischen wirft. Wenn ein Film mit großem Pathos das menschliche Drama in der Gefangenschaft sezieren will, wirkt es einfach unangemessen, wenn dieser plötzlich mit Humor aufgebrochen wird. Von einigen wenigen Genre-Querhüpfern wie der Serie Orange Is The New Black abgesehen, sind Gefängnisfilme meistens straight forward, entweder in dem einen oder dem anderen Bereich zu Hause. A Prayer Before Dawn (2017) versucht sich wie so viele seiner Kollegen ebenfalls nicht an einem Genrespagat, und dennoch ist er in seiner Gesamtheit deutlich holistischer als viele andere Filme seiner Art, und das obwohl sein Hintergrund, die realen Erlebnisse des Briten Billy Moore in einem thailändischen Gefängnis, dies keineswegs zwingend hergibt.

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Zwei Seelen – Rezension zum SciFi-Drama Jonathan (2018)

Es gibt wenige Tropes, die im Mystery-Kino des frühen 21. Jahrhunderts derart überholt und übernutzt wirken wie das der gespaltenen Persönlichkeit. Fernab der Realität der tatsächlichen Erkrankung der dissoziativen Identitätsstörung haben sich zahllose Filmemacher seit Ende der 90er bei diesem Sujet bedient und es viel zu oft für plumpe Plottwists oder an den Haaren herbeigezogene Narrative benutzt. Was bereits in Fight Club leidlich originell war – bei diesem Film aber Dank der Abstraktheit in der Umsetzung noch als Gesellschaftskritik gut funktioniert -, ist bei all den geheimen Fenstern, Identitäten, High Tensions und Maschinisten da draußen einfach nur noch lahm. Vor allem als Plottwist mag man diesen Schmuh heutzutage nicht mehr sehen, einfach weil man ihn schon viel zu oft gesehen hat. Da kommt es doch sehr erfrischend, wenn sich ein Film nicht daran versucht, die breitgetretenen Mysterypfade dieses Topois erneut zu durchqueren und sich sowohl von dessen Funktionalisierung als bloßes Plottwist-Vehikel als auch dem Versuch, in der realen Psychiatrie und Psychologie dieser Erkrankung zu wildern, distanziert. So geschehen im Science Fiction Drama Jonathan (2018), in dessen Zentrum zwar eine gespaltene Persönlichkeit steht, der diese aber nicht für plumpen Mystery-Hokuspokus missbraucht, und auch gar nicht erst versucht an die tatsächliche Krankheit Dissociative Identity Disorder anzuknüpfen.

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Die besten Dramen der 80er Jahre III

Mensch, jetzt muss ich ja doch drüber nachdenken, ob ich so einiges in den 80er Jahren verpasst habe. Gerade mal drei lausige Artikel zu dem Genre, das ich wahrscheinlich als mein Liebelingsgenre bezeichnen würde. Möglichkeit 1: Als in den frühen 80er Jahren Geborener hatte ich einfach noch nicht genug Zeit, die ganzen verborgenen Perlen des dramatischen Kinos dieser Zeit nachzuholen. Möglichkeit 2: Die 80er Jahre waren einfach kein so dolles Jahrzehnt für diese Art von Film. Für die zweite Erklärung spricht die Tatsache, dass ich gerade die 70er Listen zusammenstelle und es dort definitiv mehr starke Dramen zu finden gibt als in der folgenden Dekade. Anyway, ich habe bestimmt das ein oder andere Meisterwerk vergessen und freue mich sehr darüber, wenn es mir in den Kommentaren nahegelegt wird. Bis dahin folgt hier die letzte größere Mussmansehen-Liste der Epoche. Dieses Mal mit Steven Spielberg in Die Farbe Lila auf (zumindest damals) ungewohnt ernsten Pfaden und Rainer Werner Fassbinder mit seinem Spätwerk Lola. Außerdem eine faszinierende Umsetzung von Klaus Manns Roman Mephisto, Ann Huis kontrovers rezipiertes Meisterwerk des Hong Kong Kinos Boat People und Ingmar Bergmanns letzter großer Kinofilm Fanny und Alexander.

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Die besten Dramen der 80er Jahre II

In der letzten 80er Dramen-Retrospektive habe ich es bereits erwähnt: Die Gefühle, die in Dramen vermittelt werden, können ebenso vielfältig sein wie die Motive, mit denen sich die Filme beschäftigen. Das Genre – wenn es denn überhaupt ein eigenständige Genre ist und sich zu anderen Filmgenres nicht viel eher verhält wie schwarz und weiß zu bunten Farben – erlaubt vieles und ist daher nie so ganz zu greifen. Daher darf auch in dieser Liste ein nostalgischer Feel Good Movie wie Cinema Paradiso neben einer depressiven fast schon dystopischen Tragödie wie Verdammnis auftauchen. Deshalb kann ein Thema wie eine ungewöhnliche, erschreckende äußere Erscheinung warmherzig und farbenfroh behandelt werden wie in Die Maske oder eben auch elegisch und melodramatisch wie in Der Elefantenmensch. Deshalb darf ein Loblied auf das Leben und den Genuss – Babettes Fest – neben einer Auseinandersetzung mit der Trostlosigkeit des Lebens am Rande der Gesellschaft stehen. Vielleicht ist es auch das, was das Genre des Dramas so auszeichnet: Nirgendwo sonst zeigt sich, innerhalb eines einzelnen Films und über dessen Grenzen hinweg im Zusammenspiel mit anderen Filmen, die Ambivalenz des Lebens und der Welt so gut wie in diesem Nicht-Genre. Begrüßen wir sie mit offenen Augen:

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Die besten Dramen der 80er Jahre I

Wir nähern uns dem Ende der 80er Jahre Retrospektive. Und wie auch bei den zuvor untersuchten Jahrzehnten werfen wir einen Blick auf das Schwergewichtsgenre, und zugleich das Genre, in das alles gepackt werden kann, was sonst kein so richtiges Zuhause findet. Im ersten Teil werfen wir einen Blick auf Die Unzertrennlichen und David Cronenberg in ungewohnten Gefilden, aber dann doch mit seinen klassischen Trademarks. Wir untersuchen Den Zufall möglicherweise, schauen im Club der toten Dichter vorbei, signieren Das letzte Testament, erleben einen letzten unschuldigen Sommer in Stand by me und blicken mit Ariel auf den Kampf der untersten Klassen ums Überleben. Wie immer in diesem Genre sind die Themen vielfältig wie die Erzählhaltung: Von düster über tragisch, von nostalgisch über akademisch, vom großen Optimismus bis zum verzweifelten Pessimismus ist alles drin.

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Die besten Tragikomödien der 80er Jahre IV

So. Ein Lächeln mit einer Träne gibt es noch, bevor wir zu den Dramen-Schwergewichten weiterziehen. Im letzten Teil der tragikomischen 80er Retrospektive blicken wir auf ein Frühwerk Jim Jarmuschs mit Down by Law und auf viele Werke von Regisseuren in ihrer mittleren Schaffensphase: Peter Greenaway hatte sich bereits vor Der Koch der Dieb seine Frau und ihr Liebhaber in der unabhängigen Filmszene einen Namen gemacht, diesem exzentrischen Glanzstück sollten jedoch noch viele weitere folgen, auch Jonathan Demme war bereits vor Gefährliche Freundin ein Regieveteran, sollte jedoch erst in den 90ern mit Das Schweigen der Lämmer größeren Ruhm ernten. Mike Nichols‘ Karriere reicht gar bis in die 60er Jahre zurück, aber auch diese Filmikone war mit Sodbrennen noch lange nicht an ihrem Ende angelangt. Und Barry Levinson changierte schon damals zwischen Kritikerdarling und Kritikerspotttölpel, und schuf mit Rain Man wohl einen Film, der beide Seiten der Medaille recht gut hervorblitzen ließ. Die besten Tragikomödien der 80er Jahre, auf zur letzten Runde.

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Die besten Tragikomödien der 80er Jahre III

Back in the USA. War die letzte tragikomische Retrospektive vom internationalen Kino dominiert, werfen wir nun wieder einen Blick auf die amerikanische Variante der Kombination von Tragik und Komik. Nicht nur stammen alle hier genannten Filme aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, auch ihre Thematik und Motivik ist durch und durch amerikanisch. So setzt sich American Diner mit den Träumen und Hoffnungen junger Highscool-Absolventen auseinander, Magnolien aus Stahl thematisiert Prunk, Kitsch und Wirklichkeit großer amerikanischer Familienzeremonien und Miss Daisy und ihr Chauffeur wirft einen Blick auf Rassismus und Antisemitismus im Südosten der USA in den 50er Jahren. Ein Hauch Nostalgie schwingt auch immer mit, sind doch drei der vier hier vertretenen Filme deutlich vor ihrer eigentlichen Produktionszeit angesiedelt. Jepp, Sentimentalität und Nostalgie konnten die 80er Jahre ausgesprochen gut, insbesondere im Rückgriff auf vermeintlich leichtere oder zumindest harmonische Zeiten, bis hin zu den Radio Days der 30er und 40er Jahre. Vielleicht war es auch ein wenig die Schuld Ronald Reagans, dass Nostalgie und Konservatismus dabei stets Hand in Hand gingen… aber Gott, hat uns diese Sehnsucht nach der Vergangenheit großartige Filme beschert!

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Die besten Tragikomödien der 80er Jahre II

Haben wir uns in der letzten tragikomischen Retrospektive noch sehr stark auf das amerikanische Kino, vor allem die Erben New Hollywoods, gestürzt, wird es dieses Mal deutlich internationaler. Mit Wish you were here begegnen wir dem stärksten britischen Dramedy-Beitrag der Dekade, mit Pauline am Strand holen wir ein bisschen französisch nostalgische Romantik in diese schwere Zeiten. Wir leiden und lachen mit der australischen Naturgewalt Sweetie, erleben in Spanien Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs und blicken in russischitalienische Schwarze Augen. Dabei sind die Filme dieser Auswahl nicht nur internationaler, sie sind auch deutlich mutiger und kurioser als ihre amerikanischen Wegbegleiter. Und bei fast allen von ihnen ist die Perspektive eine dezidiert weibliche; auch alles andere als selbstverständlich in diesem doch sehr testosterongesteuerten Jahrzehnt.

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Die besten Tragikomödien der 80er Jahre I

„Mit einem Lächeln und vielleicht mit einer Träne“ …Mit seinem Eingangszitat zu The Kid (1921) hat es Charlie Chaplin auf den Punkt gebracht und im Grunde genommen alles gesagt, was zum Genre der Tragikomödie gesagt werden muss. Dass sich die 80er Jahre nicht 100% daran halten würden, konnte er ja nicht voraussehen. Der tragikomische Film sollte in dieser Dekade nämlich in vielen Fällen ein besonderer Film sein, einer der Grenzen sprengte und Genres vermischte. Seine besten Auswüchse waren gut 60 Jahre nach Chaplins Genreverortung nicht einfach nur Kombinationen von Lächeln und Tränen, sondern ebenso Vermischungen mit dem Thriller (King of Comedy), dem magischen Realismus (Arizona Junior), dem Surrealismus (Stardust Memories) dem Biopic (Garp wie er die Welt sah) oder dem anekdotisch Literarischen (Hotel New Hampshire). Vielleicht waren sie in ihrer amerikanischen Iteration sogar die letzten würdigen Erben des New Hollywood, gepflegt von Altmeistern wie Martin Scorsese und Woody Allen und bereits unterwandert von jungen aufstrebenden Talenten wie den Coen Brüdern, die dem lahmenden Mainstream- und Blockbusterkino den Kampf ansagten. Genau diesen Genresprengern soll in dieser ersten Retrospektive gedacht werden …with a smile — and perhaps, a tear.

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Die besten Filme 2017: I, Tonya und das Vexierspiel der Perspektiven

Im Jahr 1994 war ich 12 Jahre alt und habe mich – ich bin versucht „selbstverständlich“ zu sagen – nicht im geringsten für Eiskunstlauf interessiert. Aber ich erinnere mich dennoch an die Bilder der weinenden Nancy Kerrigan, nachdem dieser mit einer Eisenstange die Knie zerschlagen worden waren. Ebenso erinnere ich mich an das kollektive Aufatmen der medialen Sportöffentlichkeit, nachdem diese trotz des Anschlags bei den olympischen Spielen in Lilehammer die Silbermedaille gewann. Ich erinnere mich auch vage an den damaligen Gossip rund um ihre Rivalität mit Tonya Harding; und ohne irgendwas zu den Hintergründen zu wissen, wusste ich damals doch sehr wohl, wer die Gute – Kerrigan – und wer die Böse – Harding – in diesem Spiel war. Es war ein bisschen so wie die fast zeitgleich stattfindende Rivalität zwischen Henry Maske und Graciano Rocchigiani oder Bret Hart und Jerry Lawler. Wir waren jung und verstanden wenig von medialen Sportevents, aber die Sportfilme der 80er Jahre hatten uns gelehrt, dass es bei Rivalitäten immer einen Helden und einen Bösewicht geben musste. Zweiteres war Tonya Harding im Eiskunstlauf: Die Eishexe, die gnadenlose Attentäterin, die Unsportliche, die Verlogene; und natürlich auch die, die drehbuchreif am Ende mit ihren Intrigen nicht durchkam und bei den olympischen Spielen 1994 nur den achten Rang belegte.

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Die besten Science Fiction Filme 2018: Das Indie-SciFi-Drama Prospect

Der Mond, auf dem Cee (Sophie Thatcher) und ihr Vater (Jay Duplass) landen, ist wunderschön. Aber er steckt auch voller Gefahren. Denn der beeindruckende Wald, der die gesamte Oberfläche bedeckt, ist durch und durch von giftigen Sporen durchzogen, die ein Atmen außerhalb von Schutzanzügen unmöglich machen. Zugleich ist der Mond der Hort eines unendlich großen Schatzes. Im organischen Gewebe unter der Erde befinden sich zahllose Perlen, deren Bergung einiges Geschick erfordert, die auf dem Schwarzmarkt allerdings Ruhm und Reichtum versprechen. Genau diesen Perlen jagt Cees Vater in der lebensfeindlichen Umgebung hinterher. Cee will eigentlich nur nach Hause, ist jedoch gezwungen, ihre einzige Bezugsperson bei der gefährlichen Mission zu begleiten. Gefährlich nicht nur wegen der Umgebung, sondern auch weil sie nicht die einzigen Schatzjäger in dem dichten Wald sind. Und manche, wie Ezra (Pedro Pascal) und sein verschwiegener Begleiter, gehen über Leichen, um den Reichtum aus dem Boden zu heben.

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Besser als sein Ruf: Rocky V

Ich habe hier schon ein paar Filme verteidigt, die im Auge von Kritik und Öffentlichkeit wertlose Werke sind: Masters of the Universe, Star Trek V, Sliver… Aber bei keinem anderen Film hat es sich so schwierig angefühlt wie beim fünften Teil der epischen Boxersaga: Rocky V (1990). 29% bei Rotten Tomatoes, mehrere Nominierungen für die Goldene Himbeere, viel Spott und Häme über Sylvester Stallones Entscheidung, seinem Sohn Sage Stallone und dem Boxer Tommy Morrison zentrale Rollen in dem Film zu geben. Aber ich bleibe dabei: Rocky V ist deutlich besser als sein Ruf. Mehr noch; ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, Rocky V, dessen Veröffentlichung ihn gerade so aus den 80ern raus in die 90er hob, ist so etwas wie der Abschluss eines Actionjahrzehnts und zugleich der beste Rocky-Film seit Rocky II (1979) und bis Rocky Balboa (2006). Er hat weder den Hass noch den Spott verdient und es ist an der Zeit, seinen Ruf zu retten.

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Die besten Sportfilme der 80er Jahre

Sportfilme sind ein merkwürdiges Genre; in erster Linie natürlich für alle – wie mich – die kein sonderliches mediales Interesse an Sport haben. Aber Sportfilme können trotzdem funktionieren. Auch wenn man keine Ahnung von den Baseballregeln hat, auch wenn man sich nie im Leben freiwillig die Übertragung des Super Bowls im Fernsehen ansehen würde, auch wenn man an der sozialen Dynamik innerhalb eines Fußballteams maximal ethnologisch interessiert ist, kann man dennoch in große Verzückung geraten, wenn dem Held oder der Heldin einer Geschichte der entscheidende Homerum gelingt, kann mitfiebern, wenn ein Footballteam, das von ganz unten kommt, ein alles entscheidendes Spiel vor sich hat, oder kann sich einfach an den Träumen, der Komik und der Tragik auf und neben den Spielfeldern erfreuen. Sport ist auch ein offenes Genre, kann sowohl albern (Caddyshack), komisch (Die Indianer von Cleveland) verträumt eskapistisch (Feld der Träume), rau und realistisch (Wie ein wilder Stier) oder spannend, dramatisch (Die Stunde des Siegers, Der Unbeugsame) erzählt werden. Und es ist darüber hinaus auch gar nicht so leicht zu sagen, wann ein vermeintlicher Sportfilm überhaupt ein Sportfilm ist. Insofern mögen in diesem Artikel Filme fehlen, die man auch irgendwie hier reinpacken könnte (zum Beispiel Karate Kid, den ich trotz Trainingsmontagen und finalem Turnier bei den besten Teenagerfilmen eingeordnet habe). Und es mögen in diesem Artikel Filme vorkommen, die vielleicht bei den besten Komödien, Dramen oder Tragikomödien besser aufgehoben wären. Details, Details… Wer Freude am Wettkampf, an epischen Trainingsmontagen, an der Schönheit des Sports und an Sport als zentrales Handlungsmoment hat, der sollte mit allen Filmen, die folgen, sehr glücklich werden. Viel Spaß.

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Die besten Kriegsfilme der 80er Jahre

Nachdem wir im letzten Artikel einen Blick auf die zivilen Kriegsfilme der Dekade geworfen haben, geht es nun direkt hinein ins Kampfgeschehen. Der Vietnamkrieg war damals noch ein großes Thema, auch und insbesondere in den 80ern und wurde in gleich zwei Meisterwerken, Kubricks Full Metal Jacket und Stones Platoon auf eindringliche Art aufgearbeitet. Auch das posttraumatische Drama Birdy lieferte wesentliche Impulse für die kulturelle Auseinandersetzung mit dem Sujet in der Reagan-Ära. Weitaus „historischer“ ist da das deutsche Kriegsfilmepos Das Boot, in dem Antikriegsfilm und Kriegsfilm auf fragwürdige und dennoch beeindruckende Art zusammenwirken. Und dass sich nicht nur der Westen mit seinen kriegerischen Konflikten auseinandersetzen kann, beweist der artifizielle mitreißende russische Film Komm und sieh. Trotz nur weniger überragender Beiträge; die 80er sind ein ungemein wichtiges Jahrzehnt für die filmische Aufbereitung militärischer Geschehnisse.

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Die besten zivilen Kriegsfilme der 80er Jahre

Gute (Anti-)Kriegsfilme müssen nicht zwingend aktive Soldaten im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit haben. Das beweisen gleich alle fünf hier vertretenen Meisterwerke, die man mit Fug und Recht auch als „zivile Kriegsfilme“ bezeichnen könnte. Ihre Protagonisten sind einfache Bürger (The Day after), ums Überleben kämpfende Kinder (Reich der Sonne), Radiomoderatoren (Good Morning Vietnam), Reporter (The Killing Fields) und traumatisierte Kriegsheimkehrer (Rambo). In der ein oder anderen Form finden aber alle auf Schlachtfeldern statt, seien es die Postmilitärischen oder die Ungesehenen an der Peripherie. Und ebenso wie die Protagonisten sind in diesem Fall auch die Genres vielfältig: Von der Tragikomödie über das große Melodram, über den Action-Flick bis zum annähernd dokumentarischen Kriegspanoptikum ist alles dabei.

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Die besten Zeichentrickfilme der 80er Jahre I

Zeichentrickfilme sind nicht nur für Kinder… das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Neben den 70ern mit ihren wilden, anarchischen Comicverfilmungen von Ralph Bakshi  gehören die 80er wohl zu dem Trickfilm-Jahrzehnt, das diese simple Tatsache am besten unter Beweis stellt. Nicht jedoch wie die Dekade zuvor mit lauten, rüpelhaften Hippiealpträumen, sondern mit nachdenklichen, düsteren und auch komplexen Stoffen, die in Pastell getaucht werden. So wie das Antikriegsdrama Wenn der Wind weht, dessen Zielpublikum sogar jenseits der 30 oder 40 liegen könnte, oder auch das symbolistische Mär Das letzte Einhorn, in dem der Fantasybackground für eine sehr komplexe, psychologisch feinfühlige Erzählung dient. Selbst Kinder- und Familienfilme wie Herrscher der Zeit, Feivel der Mauswanderer und In einem Land vor unserer Zeit dürfen – Don Bluth und Moebius sei Dank – in diesem Jahrzehnt ihre dunklen, tragischen und spannenden Momente, jenseits des Disney-Wohlfühlkinos besitzen und voll auskosten. Es gibt also eine Menge großartiger Trickfilme aufzuarbeiten. Viel Spaß mit Teil 1:

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Corona-Soforthilfe? – Der Schacht von Galder Gaztelu-Urrutia

Menschen brauchen in Krisenzeiten Kunst, die ihnen dabei hilft, die Dinge einzuordnen. Sie brauchen Kunst, um zu verstehen, warum die Gesellschaft, warum der Mensch in der Krise funktioniert, wie er funktioniert. Zumindest scheint dies eine einleuchtende Erklärung dafür zu sein, dass ausgerechnet eine spanische Dystopie – El Hoyo (2019) – derzeit so sehr im deutschen/europäischen Netflix trendet. Ohne Corona und all seine Folgen wäre der Schacht womöglich auf dem Streamingservice untergegangen, oder wäre zumindest dazu verdammt gewesen, in der Nische des SciFi-Symbolismus für Freunde von Cube zu verharren. So hat er es aber einmal auf die große Bühne geschafft und es wird fleißig über ihn geredet. Um das gleich vorweg zu nehmen: Um die Gesellschaft in Zeiten von Covid-19 zu verstehen, taugt dieses kleine abstrakte Thrillerdrama nicht. Aber er wirft Fragen auf. Und das sollte jedem Zuschauer auch bewusst sein: Fragen, keine Antworten. Sein Setup ist viel zu abstrakt und zugleich viel zu holistisch um als soziologischer Leitfaden durch das herrschende Chaos, beziehungsweise die herrschende Ordnung zu leiten. Seine Prämisse stürzt sich viel zu dezidiert eben gerade nicht auf die Krise sondern den Normalzustand, um die gesellschaftlichen Folgen von Corona begreifbar zu machen. Und seine Machart ist viel zu offen, viel zu ungestüm, um mehr zu liefern als Gedankensprünge. Aber in dem, was er ist, gelingt es ihm zeitlose Thesen zu entwerfen und diese in einem apltraumhaften Setting auszuloten.

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Why 4 Blocks sucks… a little bit

Es ist mal wieder Zeit, eine – in diesem Fall von den Deutschen – heiß geliebte Serie ein wenig zu zerreißen. 4 Blocks (seit 2017), mittlerweile drei Staffeln mächtig, ist seit seiner ersten Staffel 2017 die große Serienhoffnung der deutschen TV-Landschaft. Staffel drei des von TNT Serie produzierten Clan-Thrillerdramas befindet sich derzeit noch hinter Bezahlschranken und nach der doch etwas dahingeschludert wirkenden zweiten Staffel ist meine Motivation Geld in weitere Folgen zu investieren eher gering ausgeprägt. Tatsächlich hat ja die zweite Staffel ganz generell bei Kritik und Publikum bei weitem nicht den den Anklang gefunden wie Staffel Nummer eins, der eine Zeit lang nachgesagt wurde, das beste zu sein, was die deutsche TV-Landschaft in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Aber auch Staffel 1 ist alles andere als flawless, und bei all der Begeisterung scheint mir die Kritik doch einige ihrer Schwächen übersehen – oder wohlmeinend ignoriert – zu haben. Auch wenn ich sehe, wo die Liebhaber der deutschen Sopranos herkommen, meiner Meinung nach war die ganze Produktion von Anfang an overhyped. Vielleicht lag es daran, dass das Feuilleton glücklich darüber war, mal andere Crime Serienkost als den überspielten Tatort zu sehen zu bekommen, vielleicht lag es daran, dass das Thema Clankriminalität für viele Deutsche der Inbegriff von unterhaltsamem Thrillerporno darstellt, vielleicht lag es auch daran, dass endlich mal wieder eher das Tätermilieu denn das Ermittlermilieu im Fokus einer Produktion stand… egal, dieser Serie wurde auf jeden Fall viel zu viel unkritische Liebe geschenkt. Und der muss hier was entgegengestellt werden. Aber ich bleibe den Konzept meiner Reihe treu: 4 Blocks rockt auch irgendwie, hat viel Gutes zu bieten und hat mich prächtig unterhalten. Warum es trotzdem – auch jenseits von Nitpicking – an dieser Serie ne Menge auszusetzen gibt, folgt jetzt.

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Die besten Filme 2017: The Disaster Artist von James Franco

Schlechte Filme kommen und gehen. Und manche bleiben für die Ewigkeit. Was in den 50er Jahren Ed Wood und was in den 90ern Troll 2 und Showgirls war, dürfte zu Beginn des neuen Jahrtausends ohne Zweifel Tommy Wiseaus The Room (2003) gewesen sein: Nicht einfach ein schlechter Film, sondern ein Film, der so schlecht ist, dass er – auf eine zweifellos bizarre Weise – als unterhaltsam, sehenswert und irgendwie auch gut wahrgenommen werden kann. In seinem Buch The Disaster Artist: My Life Inside The Room, the Greatest Bad Movie Ever Made (2013) verarbeitete der damals beste Freund von Wiseau – und Nebendarsteller in dem Film – Greg Sestero seine Beziehung zu dem Regisseur sowie die chaotischen Dreharbeiten, die schließlich in den monumentalen „So bad it’s good“-Film münden sollten. Eine solche Geschichte ist eigentlich praktisch eine Einladung zu Spott und Häme. Dass weder Buch noch die Verfilmung unter dem Titel The Disaster Artist (2017) in diesen Niedrigkeiten verloren gehen, liegt vor allem an zwei Dingen: Ihrer ehrlichen Faszination an dem in der Tat äußerst schräg agierenden Wiseau und an der Empathie, die sie für alle Protagonisten und Protagonistinnen des cineastischen Jahrhundertdesasters mitbringt.

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Aus aktuellem Anlass: Sehenswerte Pandemiefilme

Tja… wollen wir so etwas überhaupt gerade sehen? Gute Frage. Ich denke durchaus. Wenn man schon zu Hause eingeschlossen ist, sei es eine echte Quarantäne wegen einer tatsächlichen Corona-Infektion, sei es wegen der derzeit völlig angebrachten Reduzierung sämtlicher sozialen Kontakte, dann kann man die Zeit auch nutzen, ein wenig in der Filmgeschichte zu stöbern, um aus dieser etwas für die eigene aktuelle Situation zu extrahieren. Denn auch wenn Covid-19 in vielfacher Hinsicht ein absolutes Novum in der Geschichte der viralen Pandemien darstellt, so gibt es Seuchen und den Kampf gegen diese doch so lange es die Menschheit gibt. Und folgerichtig haben sich schon zahllose Kunstschaffende mit dem Thema auseinandergesetzt. Hier also eine kleine, ziemlich subjektive, ziemlich unvollständige Liste an Filmen, die dabei helfen die Zeit ohne Kino zu überbrücken. Beileibe nicht die besten Pandemiefilme aller Zeiten, aber doch eine Kollektion sehenswerter Filme. Eine Kollektion, die taugt, um Panik zu schüren, Panik abzubauen oder einfach ein bisschen tiefer in das Thema „Die Menschen und das Virus“ einzutauchen.

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