Kategorie: Bestenliste

Die besten Thriller der 70er Jahre für Hitchcock-Fans

Ja, ich weiß… so langsam wird es absurd mit den Subkategorien. Nennt es meinetwegen Schubladenwahn, aber so kommen wir dem Ziel nahe bei unseren Thrillerretrospektiven (fast) komplett ohne Nummerierung auszukommen. Also dann, ohne weitere große Rechtfertigung, die besten 70er Thriller für alle Liebhaber und Liebhaberinnen des Master of Suspense, Alfred Hitchcock. Dazu gehören natürlich logischerweise zwei herausragende Filme des Altmeisters, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Zum einen, Frenzy, eine sehr klassische Hitchcock-Mördergschichte mit einem Protagonisten, der ohne eigene Schuld zum Gesuchten und Gejagten wird. Zum zweiten eine angenehm schwarzhumorige Mischung aus Noir Detektivgeschichte und Mysterythriller, Familiengrab, der möglicherweise zu den witzigsten Hitchcock-Filmen überhaupt gehört. Und dann gab es natürlich noch die großen Epigonen des großen britischen Regisseurs, allen voran Brian de Palma, der mit Schwarzer Engel wohl eine der dreistesten Vertigo-Kopien ever vorgelegt hat. Aber wenn die Originale rar sind, kann auch ein Plagiat äußerst glücklich machen. Anders verhält es sich mit dem Paranoiathriller Der Dialog, der aus traditionellen Hitchcockmotiven etwas völlig eigenständiges kreiert. Und wenn es noch ein bisschen mehr Paranoia sein darf, empfiehlt sich der düstere Politthriller Zeuge einer Verschwörung, der all jenen gefallen dürfte, die die klassischen Suspensethriller Hitchcocks schätzen, in denen Unschuldige von einem Ort zum anderen jagen und gejagt werden, während sie einem riesigen Komplott auf die Schliche kommen. Gemeinsamkeiten bei diesen Filmen zu finden, ist gar nicht so einfach; aber das fällt ja sogar bei Hitchcockfilmen selbst schwer. Also lassen wir noch einmal den Meister zu Wort kommen, der seine Prinzipien doch besser auf den Punkt bringen kann als jeder andere: „There is no terror in the bang, only in the anticipation of it.“ In diesem Sinne…

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Die besten Psychothriller der 70er Jahre

Vollkommen zurecht dürfte jetzt so mancher Leser, so manche Leserin anmerken, dass das Subgenre Psychothriller ein extrem schwammiges Subgenre ist. Immerhin verhandeln fast alle Thriller ohnehin Ticks und Neurosen, Menschen, die sich geistig am Limit bewegen und psychische Grenzen überschreiten. Seien es die wahnsinnigen Mörder im italienischen Giallo, die neurotischen Gestalten in Hitchcocks Dioramen oder die lebensmüden Killer und Verbrecher diverser Detektivgeschichten, Cop- und Gangsterthriller: Psychische Extreme finden sich im Genre überall. Und daher sei an dieser Stelle angemerkt, dass so mancher Film aus einer vorherigen oder kommenden Bestenliste gut und gerne auch hier stehen könnte. Der Unterschied besteht größtenteils im Fokus. Und dieser liegt bei all den gleich genannten Thrillern auf der Psyche der Protagonisten und Protagonistinnen. In Der Mieter erzählt Roman Polanski vom Abgleiten eines einfachen Menschen in den Wahnsinn, induziert von außen und innen, wobei die Grenzen zwischen beidem verschwimmen. In Images inspiziert Robert Altman eine Frau, die sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit verliert, und in der Hitchcock-Hommage Die Schwestern des Bösen weiß die Protagonistin überhaupt nicht mehr, wer oder was sie ist. Magic – Eine unheimliche Liebesgeschichte treibt gar einen spielerischen Schabernack mit dem Geist des Protagonisten und wandelt dabei gerne auch auf ironischen Gruselpfaden. Etwas anders funktionieren Martin Scorseses Taxi Driver und der australische Genrebeitrag Ferien in der Hölle, in der die kaputten Seelen, die im Mittelpunkt stehen, Folgen und Ausdruck eines gesamtgesellschaftlichen Traumas sind. Egal wie oder warum, der menschliche Geist wird in allen kommenden Filmen auf eine harte Probe gestellt…

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Die besten Agentenfilme und Spionagethriller der 70er Jahre

Filme, die sich mit Geheimdiensten und dem Thema Spionage auseinandersetzen, sind immer mit einer Frage konfrontiert: Wie realistisch beziehungsweise wie unterhaltsam soll es denn sein? Das Spektrum ist groß: Auf der einen Seite haben wir die Filme der James Bond Reihe, die sich komplett vom realistischen Blick auf das Agentenleben entfernen und pure Actionflicks für ein sensationslustiges Publikum sind. Auf der anderen Seite haben wir Themen, die eine breite Öffentlichkeit interessieren: Gerade in den 1970er Jahren war der kalte Krieg noch voll im Gange, und neueste technische Entwicklungen sorgten für ein Klima der ständigen Angst und Paranoia zwischen den Blöcken. Einfache Menschen schienen immer wieder zwischen die Fronten dieses schwelenden Konflikts zu geraten, bestes Material also für paranoide, autoritätskritische Suspense-Thriller. Und dann gab es natürlich noch darüber hinausgehende Spionage-Thematiken, die mitunter losgelöst von der „großen“ globalen Politik scheinen: Vom Terrorismus über die Überwachung des einfachen Bürgers bis zu der allgemeinen Frage, wie viel sich ein Staat hinter den Kulissen der Macht erlauben darf, bevor Völker- und Menschenrechte brutal gebrochen werden. Die in dieser Liste vorkommenden Filme bewegen sich alle in diesem Spannungsfeld, tendieren allerdings zu mehr Düsternis, zu mehr Realismus und zu weniger Eskapismus (Ausnahme, die bereits im letzten Artikel gewürdigten James-Bond-Streifen). So haben wir es bei Der Brief an den Kreml mit einem komplexen, sehr traditionellen Spionageschinken von Altmeister John Huston zu tun, der eine Menge Zynismus im Gepäck hat. Scorpio erzählt auf der Oberfläche einer Spionagegeschichte eine Actionballade von einsamen, lebensmüden Killern, während Der Schakal mit einem fast schon dokumentarischen Habitus an das Thema Geheimdienstarbeit herangeht. Und die Genredekonstruktion Die drei Tage des Condor lenkt ihren Blickpunkt auf die einfachen Geheimdienstmitarbeiter, die weder Superhelden noch Superschurken sind, mitunter aber auch in den Mühlen von Misstrauen, Verrat und Gewalt verlorengehen können. Vielleicht waren die 70er Jahre das letzte große Jahrzehnt des Agentenfilms. Gerade im Bruch mit den romantischen, romantisierenden Tropes des Genres haben sie einige Meisterwerke für die Filmgeschichte hervorgebracht.

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Alle James-Bond-Filme der 70er Jahre – Wie sehenswert sind sie?

Sein Name ist Bond, James Bond. Eigentlich sollte an dieser Stelle eine Top-Liste der besten Agentenfilme und Spionagethriller der 70er Jahre folgen. Diese sei noch einmal kurz hinten angestellt, weil ich bei der entsprechenden Recherche festgestellt habe, dass ich die James Bond Filme des Jahrzehnts überhaupt nicht mehr sortiert und qualitativ zugeordnet kriege. Was macht man in so einem Fall und Lockdown-geschädigt also? Natürlich Binge Watching. Ich habe mir nochmal alle Verfilmungen der Agentensaga von Ian Fleming angeschaut, dabei festgestellt, dass ich einige Bond-Movies der 70er Jahre noch gar nicht kannte, und versuche nun im Folgenden diese einzuordnen. Dabei stehen die Fragen im Raum: Worum geht es im jeweiligen Film? Wie ist er? Und für wen ist er sehenswert beziehungsweise nicht sehenswert? Insgesamt fünf 007-Filme (hauptsächlich mit Roger Moore in der Rolle des Geheimagenten) gibt es auf diese Fragen abzuklopfen. Und da diese ohnehin ihr eigenes Genre bilden (Nicht so wirklich Thriller, nicht so wirklich Action, nicht so wirklich Spionagefilm) wollen wir keine weitere Sekunde verschwenden und uns gleich ins Agentengetümmel stürzen.

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Die besten Gangsterthriller und Mafiafilme der 70er Jahre

In dieser Retrospektive wollen wir uns dem organisierten (und auch weniger gut organisierten) Verbrechen widmen. Obwohl das Genre des Mafiafilms in den 1970er Jahren mit Francis Ford Coppolas Der Pate den Prototypen, den Klassiker, die Blaupause schlechthin vorzuweisen hat, sollte die Glanzzeit dieser Thrillervariation doch erst deutlich später kommen. Mit dem Original und seiner Fortsetzung Der Pate – Teil II ist zur Mafia zumindest in dieser Dekade alles gesagt, was gesagt werden musste. Daneben gibt es viele laue europäische Mafia-Actioneers, ein paar amerikanische Godfather-Klone… und das wars auch schon. Mehr Masse als Klasse. Spannender sind in den 70ern die Filme, die sich mit dem kriminellen Prekariat befassen. Mit Martin Scorseses Hexenkessel gibt es auch in diesem Subgenre ein wegweisendes Meisterwerk zu finden. Außerdem gibt es da noch den dritten großen Thriller-Regisseure dieser Ära: Sam Peckinpah. Dieser hat mit Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia einen der räudigsten Gangsterthriller des Jahrzehnts geschaffen, der vor allem retrospektiv schlicht als Meisterwerk des postmodernen Kriminalfilms gelten kann. Mit Get Carter darf auch ein britischer Knochenbrecher zwischen Noir und Revengethriller in dieser Bestenliste verewigt werden. Und um zumindest einen kleinen Blick über den Tellerrand des westlichen Kinos hinauszuwagen, muss der düstere Yakuzathriller Graveyard of Honor hier erwähnt werden. Nicht zuletzt auch, weil er noch einmal gut auf den Punkt bringt, wie dreckig, brutal und schwindelerregend Gangsterfilme in den 70er Jahren sein konnten.

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Die besten Detektivkrimis und Noir-Thriller der 70er Jahre

Nachdem wir uns in den letzten beiden Retrospektiven mit den offiziellen, staatlich legitimierten Ermittlern und Verbrechensbekämpfern im Kino der 70er Jahre auseinandergesetzt haben, kommen wir in dieser Bestenliste zu den Privatermittlern. Tatsächlich haben privat ermittelnde Detektive deutlich mehr Filmgeschichte auf dem Buckel als Polizisten, waren sie doch vor allem im Film Noir der 30er, 40er und 50er Jahre DIE beliebten Thriller- und Krimihelden schlechthin. Natürlich lässt sich zweifellos an dieser Stelle argumentieren, dass nicht jeder Detektivfilm automatisch ein Streifen der schwarzen Serie ist; und ebenso müssen Noir Thriller nicht grundsätzlich Detektivgeschichten sein. Beliebten Themen und Motiven des Noir-Films werden wir auch in Thrillern auf den kommenden Bestenlisten antreffen, und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sich der ein oder andere Ermittlerkrimi, der eigentlich hier stehen könnte, in eine andere Liste verirrt hat. In diesem Sinne, mit der Brüchigkeit und Unvollständigkeit, die eine Kategorisierung wie Film Noir mit sich bringt, folgen die besten Detektivkrimis und Noir-Thriller der 70er Jahre. In Der Tod kennt keine Wiederkehr zerstört Robert Altman den klassischsten aller Noir-Detektive Philip Marlowe, während Dick Richards ihm in Fahr zur Hölle, Liebling ordentlich Tribut zollt. The Late Show spinnt aus den schwarzen Zutaten einen überraschend vergnüglichen Seniorenkrimi und Die heiße Spur geht psychologisch äußerst feinfühlig dabei vor, das stereotype Bild des einsamen Wolfes als Ermittler neu zu justieren. Etwas klassischer, düsterer und zynischer kommt da schon Chinatown daher. Dieser radikalisiert aber mit Mitteln des New Hollywood die Konzepte der schwarzen Serie, dass er auch mehr als bitterer Abgesang denn traditioneller Krimi daherkommt. Bringen wir es auf den Punkt: Die besten Noir Filme der 70er Jahre haben das Genre destruiert, dekonstruiert und auf komplett neue Pfade gelenkt. Ohne Übertreibung kann die Dekade auch als die Geburtsstunde des Neo Noir bezeichnet werden, der in den darauffolgenden Jahrzehnten noch einige große Thriller zustande bringen sollte.

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Die besten Copthriller und Polizeifilme der 70er Jahre II

Dass die Masse an Polizeifilmen der 70er Jahre vor allem aus Europa, ganz konkret aus Italien, kommt, durften wir in der letzten Retrospektive über die Poliziottesco-Filme erfahren. Die Klasse indes ist dann doch auf der anderen Seite des atlantischen Ozeans anzutreffen. Dabei unterscheiden sich die meisten amerikanischen Copthriller gar nicht so sehr von ihren italienischen Konterparts. Auch hier finden wir die klassischen Tropes des Genres: Raubeinige Cops, die es mit den Regeln ihres Berufs nicht so genau nehmen, die einer scheinbaren Übermacht des organisierten Verbrechens gegenüberstehen, es aber schaffen, sich durch ihre konventionelle Art durchzubeißen. Auch hier hin und wieder die fragwürdige Moral, die dieses Narrativ mit sich bringt, auch hier die Glorifizierung von Gewalt und die Darstellung fragwürdiger Ermittlungsmethoden. Als Musterbeispiel gelten dabei ohne Frage Dirty Harry und die French Connection Filme. Aber es gibt auch im amerikanischen Kino reflektiertere und vor allem intelligentere Beiträge zu dem Sujet. So wird in dem bis zum heutigen Tag etwas verkannten Dirty Harry 2 Selbstjustiz von Polizeibeamten kritisch reflektiert. In French Connection II wird der Polizist durch eine erzwungene Abhängigkeit zu seinem eigenen, ärgsten Widersacher, und dem Biopic-Drama Serpico gelingt es sogar, Korruption und Verkommenheit im polizeilichen Alltag ohne aufgedrückte Action- oder Thrillmomente zu erzählen. Und wenn es dann doch zwischendurch einfach nur ruppig und rasant zugehen soll, kann man immer noch zum rohen Actioneer The Seven-Ups greifen, der, was raue und enervierende Action betrifft, den italienischen Genrekollegen in nichts nachsteht.

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Die besten Copthriller und Polizeifilme der 70er Jahre I – Poliziotteschi aus Italien

Ich habe schon in der letzten Liebesfilm-Retrospektive darauf hingewiesen, dass es für mich in den 70ern etliche Filmlücken gibt, die ich gerade dabei bin peu à peu zu füllen. Eine dieser Lücken betrifft das Genre des Polizeithrillers, insbesondere das des Poliziottesco. Vor einem Jahr noch hatte ich praktisch keine Ahnung davon, dass dieses Genre überhaupt existiert, und umso spannender war es, für diese erste Bestenliste in diesen kurzlebigen cineastischen Trend hinabzutauchen. Was sind also Poliziotteschi? Im Grunde genommen handelt es sich dabei erst einmal um alle Polizeifilme, die in den 70ern in Italien gedreht wurden und deren Handlung auch im Italien dieser Zeit spielt. Es sind zumeist raue, rohe und ungefilterte Actionthriller, in denen ermittelnde Polizisten ihrem Tagesgeschäft nachgehen, und dabei oft von einer zu humanistischen Politik, Presse und Öffentlichkeit daran gehindert werden, mit der notwendigen Härte gegen Verbrecher vorzugehen. Gerade retrospektiv fällt oft die kaum zu ignorierende rechte Schlagseite dieser Filme auf. Weil vom schwachen System mit Verbrechern zu lasch umgegangen wird, sind die aufrichtigen, bodenständigen Cops gezwungen gleichsam zu Richtern und Henkern zu werden. Gewalt und Selbstjustiz werden in den italienischen Poliziotteschi oft legitimiert, in den schlimmsten Fällen gar glorifiziert. Wie so oft in den 70ern gilt auch in diesem Genre, mehr Masse als Klasse. Zwischen Ende der 60er und Mitte der 80er Jahre entstanden unzählige brutale, oft simple und eindimensionale Polizeiballaden, die schon damals durch ihre reaktionäre Attitüde negativ aufgefallen und umso schlechter gealtert sind. Nachdem sich das Genre fast zwei Jahrzehnte ausgetobt hatte, verschwand es – ähnlich wie der Giallo – ziemlich abrupt von der cineastischen Bildfläche und wurde erst Jahrzehnte später im Rahmen breiter Retrospektiven und filmhistorischen Abhandlungen wiederentdeckt.

Wir wollen versuchen, aus dem großen Berg an ähnlichen Filmen die Perlen herauszufiltern: Das Syndikat, alias La polizia ringrazia, muss als Prototyp dieses Genres erwähnt werden, nicht zuletzt auch, weil er im Gegensatz zu vielen anderen Poliziottesco-Filmen kritisch, reflektiert mit dem Thema Selbstjustiz umgeht. Die Viper von Umberto Lenzi und Straße ins Jenseits beziehungsweise Tote Zeugen singen nicht tuen dies nicht im geringsten, können aber als spannende actionreiche Genreblaupausen überzeugen. Und neben diesen wirklich dreckigen, geschliffenen Pulp-Filmchen finden sich auch bei den Poliziotteschi doch die leichten Genredekonstruktionen: Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger kommt als bissige Satire auf die Unantastbarkeit der Polizei daher und Suspicious Death of a Minor schließlich gelingt gar eine Kreuzung aus Giallo und Poliziottesco. Trotz seiner geschmacklosen, politisch fragwürdigen Seiten gehören die Poliziotteschi zur DNA des 70er Jahre Thriller- und Actionkinos, auch über die Grenzen Italiens hinaus.

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Die besten Liebesfilme der 70er Jahre II

Wie sich herausgestellt hat, klaffen bei mir doch größere Wissenslücken auf, was Liebesfilme der 70er Jahre betrifft. Daher sei mir verziehen, wenn nach der letzten und dieser Liebesfilmretrospektive eine etwas größere Veröffentlichungslücke entstanden ist. Der Grund ist einfach: Ich musste Romanzen schauen, reichlich. Und das wird bestimmt nicht das letzte Mal sein, dass ich meinen cineastischen Kanon neu kalibrieren musste. Je weiter es in die Vergangenheit geht, umso mehr bin ich gezwungen mir Wissen anzulesen, beziehungsweise anzuschauen. Aber das ist ja auch der Sinn dieser Bestenlisten: Nicht nur für die Leser*Innen, sondern auch für mich selbst neue Filme kennenzulernen, vergessene Perlen zu entdecken, das Durchschnittliche vom Besonderen zu trennen.

Leider sind die 70er Jahre quantitativ deutlich stärker als qualitativ. Vieles Durchschnittliche, Profane und Alberne musste ich die letzten Wochen sehen. Aber ein paar Klassiker, ein paar Perlen haben sich dann doch ergeben. Diese kommen, vielleicht nicht sonderlich überraschend, vor allem von unseren Nachbarn aus Frankreich. Dorthin hat es bereits in den 60ern Romy Schneider verschlagen, der es gelang sich in gleich mehreren Filmen von ihrem Image als putzige, unschuldige Sissi freizuspielen. In den 70ern waren dies vor allem die Arbeiten mit Claude Sautet, nicht nur aber auch die beiden Liebesfilme César und Rosalie sowie Eine einfache Geschichte. Der stärkste französische Liebesfilm der 70er Jahre kommt allerdings wahrscheinlich vom Nouvelle Vague Romantiker François Truffaut, der mit Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent eine Dreiecksbeziehung als psychologisch komplexes und nichtsdestotrotz poetisches Liebesdrama inszeniert. Aber auch Deutschland war in den 70ern zur Liebe in der Lage. West wie Ost. Erstere mit dem aufregenden Neuen Deutschen Film von Rainer Werner Fassbinder Angst essen Seele auf, Zweitere mit dem ebenso kitschigen, pittoresken wie optimistischen melodramatischen Märchen Die Legende von Paul und Paula.

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Die besten Liebesfilme der 70er Jahre I

Nun, nachdem wir den Erotikfilm der 70er Jahre hinter uns gebracht haben, wenden wir uns dem romantischen Kino zu. Irgendwie Antipode des erotischen Kinos, aber auch – insbesondere bei den Europäern – mit Schnittmengen. Diesen wollen wir uns aber erst in der nächsten Retrospektive widmen. Im Mittelpunkt dieser Bestenliste sollen erst einmal die großen Schmachtfetzen Made in USA stehen. Liebesfilme, die auf die Emotionen eines großen Publikums zugeschnitten sind, die romantische Sehnsüchte erfüllen, zugleich aber die dunklen und tragischen Seiten des Liebeslebens thematisieren. Love Story dürfte dabei der prototypischste Vertreter dieses Genres sein, der großen Einfluss auch auf die romantischen Filme der 80er und 90er Jahre haben sollte. Aber auch die Barbara Streisand Liebesgeschichte So wie wir waren zählt zu den großen Klassikern des Genres (und ist emotional deutlich packender als der einige Jahre später das Kino tyrannisierende A Star is born). Robin und Marian indes gehört eher zu den vergessenen Liebesfilmen der Dekade, obwohl er wunderbar Abenteuerfilm und Historical Period Drama mit altersweiser Romanze in Einklang bringt. Der schräge Konterpart zu diesen Publikumsmagneten ist die Hippie-Liebesgeschichte Harold und Maude, die sich nicht nur mit der Liebe, sondern ebenso selbstbewusst mit dem Tod auseinandersetzt. If you want to sing out, sing out… And if you want to be free, be free…

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Die besten Erotikfilme der 70er Jahre III

Auf zur letzten 70er Erotik-Topliste, bevor wir einen Blick auf das erotische Kinojahrzehnt generell werfen, zu dem es weitaus mehr zu schreiben gibt, als die Bestenlisten hergeben (was vor allem daran liegt, dass das Gros der 70er Erotikfilme nichts in einer Bestenliste zu suchen hat). Auf dieser Bestenliste begegnen wir mit Die Geschichte der Abe Sada wieder dem erotischen Anti-Märchen der Geisha, die sich auf eine leidenschaftliche Affäre mit ihrem Vorgesetzten einlässt. Diese wird hier ganz anders aber nicht weniger erotisch erzählt als im bereits in der vorherigen Bestenliste erwähnten und gelobten Im Reich der Sinne. The Other Cinderella hingegen wandert auf den Pfaden des Porno Chic Musical-Klassikers Alice in Wonderland, und versucht Fantasy, Märchen und Musical mit einem Softcore-Setting zu vermählen. Ganz anders wiederum sind die Frühwerke der legendären Regisseurin Catherine Breillat. Sowohl Une vraie jeune fille als auch Tapage nocturne schwanken zwischen bizarrem Blick auf sexuelle Begierden, intellektueller Diskursanalyse und verquerer Erotik; und das alles aus dezidiert weiblicher Perspektive. Deutlich traditioneller schließt die Liste mit Bleib wie du bist, der vor allem eine Bedienung von 70er Jahre Altherrenfantasien ist, dies aber deutlich zielsicherer und ironischer macht als viele Filme ähnlicher Art davor und danach.

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Die besten Erotikfilme der 70er Jahre II

Wild, bunt und divers war die erste Retrospektive des 70er Jahre Erotikkinos. Diese hier steht ihrem Vorläufer in nichts nach. Wenn dann wird es sogar eher noch diverser und noch wilder. Hier finden wir charmant trashiges Exploitationkino für kleine Jungs (Stille Tage in Clichy) eine radikale Erotisierung des Monumental- und Historienfilms der antiken Stoßrichtung (Sebastiane) und die prototypischste Verkörperung des 70er Jahre Softerotik in Eugenie de Sade. Und als ob das nicht schon alles genug Diversität wäre, kommt mit WR – Mysterien des Organismus ausgerechnet aus dem Ostblock eine der aufregendsten Sex- und Politik-Collagen der Filmgeschichte, die irgendwo zwischen Dokumentarfilm, Erotikfilm und artifiziellem Motivfilm oszilliert. Egal ob auf der Suche nach Trash, nach Dekadenz, nach Ästhetik oder nach Subversion, egal, wie man es mit dem Genre hält und was man darin präferiert, im Erotikkino der 70er Jahre wird man fündig.

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Die besten Erotikfilme der 70er Jahre I

Nachdem wir uns ausführlich den pornografischen Seiten der Dekade gewidmet haben, bleibt die Frage, wie es denn mit dem erotischen Kino in den 70er Jahren aussieht. Und wie schon beim Hardcore gilt auch beim Softcore: Licht und Schatten. Gerade in den 70er Jahren bedeutet dies, sehr viel Licht und sehr viel Schatten. Im Grunde genommen war dies ein großartiges Jahrzehnt für das erotische Kino. Viele wegweisende Genrebeiträge haben das Licht der Welt erblickt, und neben der Mainstreamisierung des Pornofilms gab es auch eine Pornografisierung des erotischen Films. Am deutlichsten wird dies wohl an Nagisa Ōshimas Meisterwerk Im Reich der Sinne, das ohne Übertreibung das Konzept „Unsimulierter Sex im Kinofilm“ auf ein ganz neues Level hebt. Aber auch dessen Nachfolger im Geiste, Im Reich der Leidenschaft, gelingt es, obwohl er auf die explizite Darstellung verzichtet, dem Genre zu neuen Höhen zu verhelfen. Obwohl nicht so grafisch in der Darstellung ist Bernardo Bertoluccis Der letzte Tango in Paris ebenfalls ein extremer Film, der wegen seiner drastischen Thematisierung von ungezügelter Leidenschaft in den 70ern und darüber hinaus für so manche Kontroverse gut war. Und trotzdem sind diese breit rezipierten Erotikfilme nichts gegen die Extreme, die der erotische Nischenfilm der damaligen Zeit zu bieten hat: Der japanische Anime Tragödie der Belladonna ist ein wilder Ritt zwischen Psychedelic, sexueller Gewalt und erotischer Lust, und der ungezügelte Porno Chic Film Bacchanale ist eine surreale Fiebervision zwischen Exploitation, Tiefenpsychologie und Pornografie.

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Die besten „Golden Age of Porn“-Filme der 70er Jahre

Na dann, wie ich bereits im Überblicksartikel geschrieben habe: Wenn man vom erotischen Kino der 70er Jahre sprechen möchte, kann man nicht vom Pornofilm schweigen. Aber in der Tat gibt es in diesem Jahrzehnt genug gute Pornofilme, um aus diesen eine Bestenliste zu kreieren. Mit allen Disclaimern, die dazu gehören: Wir haben es hier trotz aller offenen oder verborgenen Qualitäten immer noch mit dem Pornogenre zu tun. Also du, der diesen Artikel gerade liest; ich gehe fest davon aus, dass du volljährig bist, dass du weißt, worauf du dich einlässt, wenn du hier weiterliest oder der ein oder anderen Filmempfehlung folgst. Pornos sind Filme mit unsimulierten Sexszenen, Filme, die wenig bis nichts verbergen, die alles zeigen und deren Darstellerinnen und Darsteller vieles mitmachen, was man in einem regulären (Erotik-)Film nie und nimmer zu sehen bekommen würde. Aber, dem Golden Age of Porn sei Dank, Pornofilme in den 70ern konnten auch mehr sein als bloße Nummernrevuen, sie durften und wollten Erotik auf andere Arten vermitteln als Filme vor und nach ihrer Zeit: Sie erzählen bizarre Geschichten mit philosophischem Subtext wie The Devil in Miss Jones, sie kommen als groteske protofeministische Komödien daher wie Le sexe qui parle oder als naive, bunte Märchenmusicals wie Alice in Wonderland. Sie trauen sich an ungewöhnliche Themen wie Sadomasochismus (The Image) oder toben sich ästhetisch mit psychedelischen und surrealen Bildern und Szenerien aus (Behind the Green Door). Das Pornokino der 70er Jahre ist besonders, anders als alle Jahrzehnte davor und danach und hat es voll und ganz verdient, in einer eigenen Bestenliste geehrt zu werden.

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre XII

Was soll ich sagen…? Die 70er Jahre waren wirklich eine großartige Dekade für den Horrorfilm, vor allem für all jene Zuschauer, die auf schräge, trashige und absonderliche Horrorkost stehen. Aber eben nicht nur. Neben all den blutigen, dreckigen, Low Budget Exploitation- und Gorefesten, bei denen man nicht immer weiß, wie ernst man sie nehmen soll oder wie ernst sie sich selbst nehmen, gab es so manchen nachdenklichen, intelligenten, subtilen, dramaturgisch ausgefeilten Genrefilm. In diesem Artikel kommen diese noch einmal exponiert zur Geltung: Da wäre das ausgetüftelte, makabere Sektendrama The Wicker Man, da wäre die Verquickung von realer Mordserie mit vampirischen Motiven in der Zärtlichkeit der Wölfe, da wäre die Aufarbeitung von Verlust und Tod innerhalb der Kernfamilie in Wenn die Gondeln Trauer tragen und da wäre der Aufschrei gegen politische Unterdrückung im wütend anarchischen Anti-Zombie-Zombiefilm The Crazies. Immerhin ein wüster Hybrid aus Gaga-Exploitation, infantilem Abenteuer und hysterischem Horrorschinken hat sich dann doch noch in die letzte Retrospektive verirrt. Phantasm aka Das Böse nimmt sich irgendwie ernst und irgendwie auch wieder nicht und markiert die Geburt eines der markantesten Monster in der jüngeren Horrorfilmgeschichte.

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre XI

Zwei Horrorfilm-Bestenlisten hätte ich noch, bevor wir zu anderen Genres weitergehen können. In dieser hier geht es nun wirklich bunt und durcheinander zu, sowohl was Subgenres als auch Stil und Atmosphäre betrifft. Symptoms pendelt irgendwo zwischen Psychothriller, Giallo und Geisterhorror, ob Rabid nun ein Vampirfilm, SciFi-Horror oder Bodyhorror ist, lässt sich ebenfalls nicht so einfach beantworten. Equinox dagegen scheint auf den ersten und auch den zweiten Blick Trash zu sein, antizipiert aber eine Menge wilder Horroraction, wie wir ihr deutlich später in den 80ern wiederbegegnen werden. Die Wiege des Bösen dagegen ist deutlich weniger trashig als sein Titel und das groteske Filmmonster, das in seinem Zentrum steht, erahnen lassen. Bei so viel Wildheit tut es dann doch ganz gut, am Schluss noch eine straighte Geistergeschichte vorgesetzt zu bekommen: The Amityville Horror mag nicht ganz so originell wie die anderen hier vertretenen Filme sein, dafür liefert er aber grundsoliden Grusel ab und transferiert das traditionelle Spukhausthema sehr gekonnt in ein modernes Setting.

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre X

Ach ja, die lieben Kleinen. Sie sind es, die im Mittelpunkt unserer zehnten 70er Jahre Horror-Bestenliste stehen. Es gab nicht wenige von ihnen im unheimlichen Kino der Dekade, und das auch in allen Altersstufen und allen Schattierungen: Von mordlustigen Kinderbanden (Ein Kind zu töten…) über degenerierte kleine Monster (Die Brut) bis zu unsicheren Teenagern, die in ihrer Pubertät mehr entdecken als sexuelles Verlangen und Akne (Carrie). Dabei schälen sich gerade in dieser Zeit zwei sehr spezifische Varianten des infantilen Schreckens heraus. Zum einen der Blick auf Kinder als das pure Böse, so zum Beispiel im satanischen Klassiker Das Omen, zum anderen Kinder und Jugendliche als Opfer äußerer Einflüsse, die ihnen die Unschuld rauben und sie zu Monstern machen, am prominentesten vertreten durch den Besessenheitsklassiker Der Exorzist. In Variante Nummer Eins sind es die Erwachsenen, die ihre Haut gegen den blutrünstigen Nachwuchs verteidigen müssen, in der zweiten Variante ist der Nachwuchs sowohl Opfer als auch Täter und befindet sich schließlich im Kampf gegen seine Umwelt und sich selbst. Auf die ein oder andere Weise, die lieben Kleinen konnten uns im Horrorkino der 70er Jahre eine verfluchte Angst einjagen.

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre IX

Bei einem groben Blick auf die besten Horrorfilme der 70er Jahre könnte einen der Verdacht erschleichen, dass in dieser Dekade alles Genrerevolution, Genreevolution und Genresubversion war. Das ist natürlich nicht der Fall: Auch wenn damals mit dem Slasherfilm, dem Terrorkino, den spirituellen übernatürlichen Gruslern und den Zombieendzeitfilmen viele neue Subgenres das Licht der Welt erblickten, auch wenn viele traditionelle Horrortropes so langsam Filmgeschichte wurden, so gab es in den 70er Jahren doch einige Traditionslinien die fortgeführt wurden. Viele der daraus entstandenen Horrorfilme sind einfach zu schnarchig, zu sehr Schema F, um einen Platz in den Bestenlisten zu finden, aber ein paar der alten Säcke sind doch überraschend stark ausgefallen. Diesen soll in der aktuellen Retrospektive ein kleines Denkmal gesetzt werden. Zu den filmischen Traditionalisten gehören natürlich ohne Frage die Hammerstudios, die mit Dr. Jekyll und Sister Hyde ein unerwartetes Highlight abliefern. Ebenfalls sehr klassisch fällt Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes aus, der Gothic Horror und Killerfabel zu wunderbar altmodischem Murder Mystery Grusel verbindet. Geschichten aus der Gruft wiederum greift weit zurück auf die gleichnamigen EC Comics der 50er Jahre. Und Landhaus der toten Seelen schließlich erzählt mit einer Spukhausgeschichte einen Topos, der damals auch eher zum alten Eisen zu gehören schien. Alle zusammen beweisen, dass der Zeitgeist nicht immer überholt werden muss, um große Kunst zu schaffen…

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre VIII

Und weiter geht es mit den besten Horrorfilmen der 70er Jahre, im Gegensatz zu den vorangegangenen Bestenlisten dieses Mal nun wirklich mit einer Zusammenstellung, der kein klares Subgenre zugewiesen werden kann. Also dann, einfach nur vier Horrorfilme aus der Dekade, die – aus unterschiedlichen Gründen – durch und durch sehenswert sind. Mit The Wizard of Gore und dem wahrscheinlich besten Film der Splatterlegende Herschell Gordon Lewis. Mit Dawn of the Dead und dem ziemlich sicher besten Zombiefilm der Dekade und einem der besten Filme von Zombielegende George A. Romero. Mit The Hills have Eyes und dem womöglich besten Terrorfilm der 70er Jahre und einem der besten Filme von Horror-Legende Wes Craven. Und last but not least mit Deathdream alias Dead of Night und dem wahrscheinlich besten vergessenen Horrorfilm der Ära und zudem dem besten Film vom kanadischen Regietausendsassa Bob Clark (der von Black Christmas bis Porky’s so ziemlich jedes Genre bedient hat, dass das Kino der 70er und 80er Jahre kennt). Blutbäder, ausgeweidete Körper, Untote und mörderische Hillbillies… Eigentlich alles, was man vom Horrorkino der 1970er erwarten kann…

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre VII

Ich weiß, ich weiß. So wirklich konsistent bin ich bei der Durchnummerierung meiner Bestenlisten nicht. Aber ich gebe mir Mühe. Wenn ich den Giallo jetzt mal pauschal zum Horrorgenre zähle (wo er nur partiell reingehört), und die vier Nischenlisten, die ich bereits gemacht habe, mitzähle, wäre das dann die siebte Liste mit den besten Horrorfilmen der Dekade. Um das nochmal kurz zusammenzufassen: 1.) SciFi-Horror2.) Tier- und Naturhorror3.) Vampirfilme I4.) Vampirfilme II5.) Giallo-Filme I6.) Giallo-Filme II … und jetzt eben Liste Nummer Sieben, die nicht so konsequent einem Subgenre verpflichtet ist wie ihre Vorgänger. Das liegt in dem Fall daran, dass das Subgenre, das hier beleuchtet werden soll, in den 70er Jahren einfach noch nicht wirklich existierte. Gemeint ist der Slasher-Film, der erst in den 80er Jahren zu voller Blüte gelangen sollte. Aber immerhin finden wir mit Jessy – Die Treppe in den Tod und Halloween – Die Nacht des Grauens schon zwei eindeutige Prototypen des Genres in der 1970er Dekade. Und auch daneben waren die 70er Jahre nicht arm an obskuren, mysteriösen und schlicht erschreckenden Killern. Einer der berühmtesten dürfte wohl Leatherface vom. Blutgericht in Texas aka The Texas Chain Saw Massacre sein. Wes Craven wiederum kombiniert Torture-Terror, Mord-Tragödie und Revengethriller im einzigartigen The Last House on the Left und Abel Ferrara lässt mit The Driller Killer den wohl dreckigsten und räudigsten Mörder der 70er Jahre auf das Horrorfilmpublikum los.

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Die besten Giallo-Filme der 70er Jahre II

Dass der Giallo in den späten 70er Jahren seinem Ende entgegenging, ist bezeichnend für die generelle Entwicklung des Horror-Nischenkinos der damaligen Zeit. Hatten sich die Gialli in ihrer Anfangszeit in den frühen 60er Jahren vor allem als klassische Murder Mystery Variante made in Italy präsentiert, entwickelten sie sich im Laufe der Zeit mehr und mehr zu einem Genrevehikel für Sex und Gewalt jenseits des Mainstreams, dem diesbezüglich damals noch enge Grenzen gesetzt waren. Genau jene Grenzen begannen sich in den 70er Jahren jedoch aufzulösen: Dank New Hollywood und einiger sehr erfolgreicher Terrorfilme amerikanischer Machart, fand die Gewalt im Kino heraus aus der Nische. Und plötzlich schien es die heimliche Gewalt-Nummernrevue nicht mehr zu brauchen (ein ähnliches Schicksal erfuhren auch die Vampirfilme Hammer’scher Prägung). Die Giallo-Filme sind im Grunde genommen an ihrem eigenen Erfolg untergegangen, inspirierten sie doch das aufkommende Slasher-Genre, Gore- und Splatterblockbuster, die Mord und Todschlag endgültig im Mainstreamkino verwurzelten und direkt zu dessen Horroreskapaden in den 80er Jahren führten. Der wichtigste Film in dieser Entwicklung ist wohl Im Blutrausch des Satans, der vollkommen zurecht als Slasher-Prototyp gilt. Im Kampf gegen die eigene Beduetungslosigkeit – und dem Genre immanente Redundanz – versuchten viele Giallo-Ikonen neue Wege einzuschlagen und produzierten dabei die faszinierendsten Filme des Subgenres: Suspiria als dämonische Hexenversion der Giallo-Topoi wurde bereits in der vorherigen Bestenliste erwähnt, Die sieben schwarzen Noten und Il profumo della signora in nero versuchten es dagegen mit spirituellen, übernatürlichen und geisterhaften Topoi. Und dann gibt es noch Pensione paura, der irgendwie komplett aus der Reihe tanzt und aus dem Giallo heraus eine dystopische fast schon feministische Parabel kreiert… alles andere als gewöhnlich für ein Genre, das sonst – leider oft zurecht – für seine Misogynie und seine derbe Exploitation angeprangert wird.

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Die besten Giallo-Filme der 70er Jahre I

Wenn man von unheimlichen Genrekino der 70er Jahre sprechen will, muss man auch vom Giallo sprechen. Das bringt mich persönlich in eine äußerst unangenehme Lage. Die Traurige Wahrheit ist nämlich, dass ich alles andere als ein großer Fan des italienischen Thriller- und Horrorkinos der 70er Jahre bin. Mein Weg zum Giallo führte, wahrscheinlich ähnlich wie bei vielen anderen nach 1970 geborenen, über Dario Argentos Suspiria. Und dieser Film ist, man kann es nicht anders sagen, ein verfluchtes Meisterwerk des damaligen Horrorkinos. Umgehauen von diesem Hexenhorrortrip erfuhr ich, wahrscheinlich ähnlich wie viele andere vor mir, voller Begeisterung, dass es ein ganzes Genre für diese Art von Film gibt. Wahrscheinlich ähnlich wie viele andere vor mir habe ich mir dann den erstbesten Giallo-Film geschnappt, um wahrscheinlich ähnlich wie viele andere vor mir äußerst enttäuscht vor einem halbgaren Murder Mystery Thriller, irgendwo zwischen Edgar Wallace und Alfred Hitchcock für Arme zu sitzen. Ja, das Giallo-Genre ist breit und facettenreich, dominiert wird es aber ohne Frage von sehr klassischen Whodunnit-Thrillern, die sich primär durch ihren verstärkten Einsatz von Blut und grenzwertiger Exploitation von den Genregeschwistern abheben. So zum Beispiel Dario Argentos Prototyp des 70er Jahre Giallo Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe. Und sorry, so leid es mir tut, diese Art von Film langweilt mich einfach. Insofern ist diese Liste – und die Folgende – mit einem großen Disclaimer versehen: Ich bin kein Giallo-Fan! Wenn ich Giallo-Filme mag, dann, weil sie vom Genre abweichen, oder in dem Genre etwas neues versuchen, was die Tradition unterwandert. In der ersten Giallo-Liste sind dies neben dem bereits erwähnten Suspiria vor allem Profondo Rosso, der schräger und artifizieller daher kommt als die traditionellen Giallos, und The Child – Die Stadt wird zum Alptraum, der den entgegengesetzten Weg geht, und anstatt beim Horror bei einer introspektiven Tragödie ankommt.

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Die besten Vampirfilme der 70er Jahre II

Und weiter geht es mit den besten Vampirfilmen der 70er Jahre. Auch dieses Mal mit eher traditionellen Variationen des Dracula-Stoffes, vertreten durch den sehr klassischen Universal-Monster-Film Dracula und Werner Herzogs Hommage an den Murnau-Klassiker Nosferatu – Phantom der Nacht. Auch dieses Mal wieder mit schwülstigen Gruselmärchen an der Schwelle zwischen Horror und Erotik, vertreten durch den heißblütigen Erotik-Horrorfilm Vampyres und den Softcore Mysterystreifen Lèvres de Sang, sowie den deutschspanischen Fiebertraum Vampyros Lesbos. Und last but not least auch dieses Mal mit einer eiskalten Dekonstruktion des Genres, vertreten durch Martin vom Zombiefilm-Virtuosen George A. Romero.

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Die besten Vampirfilme der 70er Jahre I

Na denn… ich habe mir fest vorgenommen bei den 70er Jahre Bestenlisten kleinteiliger vorzugehen als bei den vorherigen Jahrzehnten. Und so wird es im Bereich des Horrorfilms noch die ein oder andere Nische und Subkategorie geben. Der Versuchung, eine Extraliste für die besten Lesbenvampirhorrorfilme zu machen, konnte ich gerade noch widerstehen (Yes, It’s a thing), und so werden es immerhin zwei allgemeine Listen, die Dracula und seiner teuflischen Vampir-Brut gewidmet sind. Aber auch in diese haben sich die erotischen Abenteuer weiblicher Blutsauger verirrt, hier vertreten durch die Hammer-Produktion The Vampire Lovers, die ein bisschen Schund, ein bisschen nackte Haut, ein bisschen Gewalt, vor allem aber viel Gothic Horror Hammer’scher Prägung bietet, sowie das mutigere – partiell fast feministische – belgische Horrormärchen Blut an den Lippen. Deutlich traditioneller als diese Neuinterpretationen des Genres ist die Bram Stoker Verfilmung Nachts, wenn Dracula erwacht, die sich eng an die Vorlage anlehnt und mit Christopher Lee als Dracula zu den klassischsten Vampirstreifen überhaupt gehört. Ansonsten waren die Vampire der 70er Jahre ganz schön wild: Circus der Vampire (ebenfalls von Hammer) vermischt Gothic Horror mit surrealen, traumartigen Ästhetizismen. Und noch experimenteller ist dann Ganja & Hess, der den Vampirmythos mit Blaxploitation-Storytelling und einer Menge verwobener Bildsprache anreichert…

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Die besten Natur- und Tierhorrorfilme der 70er Jahre

Nachdem in der ersten 70er Jahre Horror-Retrospektive die Wissenschaft und Technik im Fokus standen, ganz konkret im Genre des SciFi-Horrors, kommen wir nun zu dessen radikalem Gegenstück, dem Horror, der in der Natur beheimatet ist. Natürliches und Kreatürliches, unabhängig vom sowie gefährlich für den Menschen; oft älter und stärker als unsere Spezies: Es geht um mordende Haie, blutdurstige Fische, schreckliche Insekten und Wurmplagen, und zumindest in einer Inkarnation auch um die Verbindung von Mensch und Tier. Jaws gehört ohne Zweifel zu den Klassikern des Genres, aber auch sein trashiger Gegenentwurf Piranha ist deutlich besser, als man von einem Low Budget Plagiat erwarten dürfte. In Phase IV bedrohen Ameisen die Menschheit und in Squirm sind es fleischfressende Regenwürmer. Die Wild Card dieser Liste kommt in Gestalt des Werwolf-Mystery-Schinkens The Beast must die. Und die Honorable Mention eines alles andere als guten – dafür aber umso unterhaltsameren – Films kann ich mir in dieser Bestenliste auch nicht verkneifen. In Night of the Lepus sind es nämlich Killerkaninchen, die das Schicksal der Menschheit bedrohen. Und allein das ist schon eine Erwähnung dieses naiven Trash-Überfliegers wert. Viel Spaß beim manchmal unheimlichen, manchmal mysteriösen, manchmal albernen Angriff der Natur auf den Menschen.

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Die besten SciFi-Horrorfilme der 70er Jahre

In der letzten Science Fiction Bestenliste der 70er Jahre habe ich noch darüber lamentiert, dass ich nicht weiß wo ich Alien einsortieren soll. Science Fiction? Horror? Slasher? Dabei ist die Antwort so simpel: In allen drei Genres. Und Ridley Scotts Horrorfilm im Weltraum ist keineswegs der einzige Genreüberflieger der Dekade. Wie sich herausstellt gibt es genug Hybriden aus Science Fiction und Horror, um damit eine eigene Liste zu füllen. Neben Weltraummonstern, die selbst auf Opferjagd gehen, gibt es auch noch die Aliens, die sich eine menschliche Fassade suchen, um ihren Blutdurst zu stillen: Dazu gehören vor allem die Bodysnatcher aus Die Körperfresser kommen. Die unheimliche transzendentale Psychose in God Told Me To dagegen lässt den Menschen selbst zum Killer im außerirdischen Auftrag werden. Ansonsten ist vor allem die medizinische Forschung, ist der medizinische Fortschritt eine Ursache für visionären Schrecken. In Embryo – Brut des Bösen entstehen durch medizinische Experimente unheimliche Wesen, und in Shivers – Parasiten-Mörder wird der Mensch, heimgesucht von gezüchteten Parasiten, selbst zum Monster. Düstere zukünftige Aussichten…

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Die besten Science Fiction Filme der 70er Jahre IV

Man könnte meinen, mit Star Wars wäre der Science Fiction der 70er Jahre zu einem Höhepunkt und vorläufigen Ende gekommen. Dem ist keineswegs so. Auch wenn die Space Opera einen tiefen Schnitt im Genrekino hinterlassen hat, so gab es auch nach ihm Traditionelles sowie Neues, das von Geoorge Lucas‘ Sternenepos so weit entfernt ist, wie es nur sein kann. In unserer letzten SciFi-Retrospektive der 70er Jahre finden wir dementsprechend auch nur einen Star Wars Epigonen, den ebenso fidelen wie naiven Versuch der japanischen Toho-Studios ein fantastisches Weltraumepos zu erschaffen, Der große Krieg der Planeten. Als Vertreter des traditionellen SciFi-Kinos kann man wohl Futureworld interpretieren, das den dystopischen Klassiker der frühen 70er Jahre Westworld raffiniert weiterdenkt. Alles andere als traditionell sind die beiden großen SciFi-Horror-Entwürfe: Alien, dessen Einfluss auf das zukünftige Science Fiction Kino mindestens ebenso groß war wie der von Star Wars, und Des Teufels Saat, der die Beziehung zwischen Mensch und Maschine auf ein ganz neues Level hebt. Und auch dieses Mal haben sich zwei Wildcards eingeschlichen: Aus der Sowjetunion kommt mit Stalker einer der faszinierendsten philosophischen Zukunftsentwürfe aller Zeiten, in Der Mann, der vom Himmel fiel darf David Bowie unter Beweis stellen, dass in seinem Starman-Image deutlich mehr Substanz steckt, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.

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Die besten Science Fiction Filme der 70er Jahre III

Wir sind endlich in der Mitte der Dekade angekommen und damit auch beim Genre-definierenden Schwergewicht, der Space Opera Star Wars, nach der Science Fiction im Kino nie wieder das sein sollte, was es zuvor war. Und gleich daneben finden wir dann auch Disneys Versuch einen Star Wars Konkurrenten zu schaffen: Das schwarze Loch, ein Film, der immer noch viel zu wenig Beachtung erhält und deutlich besser als sein Ruf ist. Davor werfen wir aber noch einmal einen kurzen Blick in dystopische Welten: Einmal als raues und rohes Actionspektakel in Rollerball, einmal als klinische Schreckensvision mit der Flucht ins 23. Jahrhundert. Achja, und ein wenig Zeitreisesspaß gab es in dem Jahrzehnt auch, hier vertreten mit H.G. Wells und einer Flucht in die Zukunft.

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Die besten Science Fiction Filme der 70er Jahre II

Wir nähern uns weiter in Trippelschritten dem Epizentrum des 70er Jahre Science Fiction Kinos mit der großen Space Opera Star Wars und ihren Epigonen. Jetzt wird es aber erst einmal dreckig und dystopisch: Soylent Green wirft einen Blick auf eine überfüllte, verarmte Gesellschaft in einem fiktiven Jahr 2022. In Mad Max sind die Straßen Australiens von Anarchie und Gewalt heimgesucht und in Der Junge und sein Hund und The Noah ist die Erde Dank eines nuklearen Krieges gleich komplett out of order. Etwas ambivalenter ist die Zukunftsvision Westworld, in der die Eskalation eines technischen Fortschritts, der sich gegen die Menschen richtet, in den Mittelpunkt gerückt wird. Und Dark Star gelingt mit einer ähnlichen Thematik eine ganz und gar verzückende Parodie auf 2001 – Odyssee im Weltraum, die allerdings nicht zum albernen Spoof-Fest verkommt, sondern spannend und düster genug ist, um auch als grotesker Science Fiction Trip zu funktionieren. Die fiktive Zukunft der 70er Jahre ist rau und erbarmungslos, sie zu erleben ist auch heute in der realen Zukunft noch fesselnd und mitreißend.

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Die besten Science Fiction Filme der 70er Jahre I

Über das fantastische Kino der 70er Jahre zu reden, bedeutet über den Science Fiction Film zu reden. Punkt. Nach dem Wettlauf ins All der beiden vergangenen Jahrzehnte und der ersten Mondlandung des Menschen 1969 war die Menschheit West wie Ost beseelt von dem Gedanken, neue Welten zu erobern, ins Unbekannte aufzubrechen und den Weltraum zu kolonialisieren. Mit den Schattenseiten dieses Enthusiasmus setzen sich unter anderem der Pandemie-Film Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All und das philosophische SciFi-Drama Solaris auseinander. Ein zweites großes Faszinosum des 70er Jahre Science Fiction war der gesellschaftliche Status Quo, vor allem die potentielle Festzementierung von diesem in autoritären Staaten. Die Dystopien der 70er Jahre hatten weniger Angst vor einem möglichen Ende der Menschheit, als viel mehr vor einer Gefangenschaft in einem festgefahrenen Utopia/Dystopia. Der wütendste, diversifizierteste Aufschrei gegen eine solche Stagnation ist wohl Stanley Kubricks Uhrwerk Orange, während George Lucas‘ Filmdebüt THX 1138 einen deutlich fokussierteren Umgang mit dem Thema politische Dystopie an den Tag legt. Im Flucht vom Planet der Affen schließlich wird beides vermählt: Die Faszination vom Weltall und die Angst vor einer faschistoiden Gesellschaft, das ganze allerdings – ungewöhnlich für diese Zeit – mit einer Menge Ironie und erstaunlich selbstreflektierter Medienkritik.

Die 70er Jahre waren ein großartiges Jahrzehnt für das Science Fiction Genre. Viel Spaß mit den herausstechendsten Werke der ersten beiden Jahre der Dekade.

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Die besten Fantasyfilme und Märchen der 70er Jahre III

Fantasyfilme der 70er Jahre, die Dritte. Dieses Mal mit einem kleinen europäischen Übergewicht: Fehlen darf hier natürlich nicht die wundervolle – zwischen Bühne und Film oszillierende – Verfilmung der Zauberflöte von Ingmar Bergman. Ebenso gibt es eine erneute Begegnung mit dem osteuropäischen Märchenfilm. Dem maritimen Hans Christian Andersen Klassiker begegnen wir dabei so gar gleich zweimal. Die kleine Meerjungfrau besucht uns aus der Tschechoslowakei, während Die traurige Nixe als russische Variante des traditionellen dänischen Märchens vorbei blickt. Die Hammer-Studios dürfen mit Als Dinosaurier die Erde beherrschten tief in die Trickkiste der damaligen Special FX Welt greifen, und ein Amerikaner hat sich dann doch noch in die Liste verirrt. King Kong war damals kein Kritikerliebling und musste sich vielfach den Vergleich mit dem Film aus den 30ern gefallen lassen. Retrospektiv entpuppt aber auch er sich als atemberaubende Mischung aus Fantasy, Horror und großem Hollywood-Leinwandspektakel.

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Die besten Fantasyfilme und Märchen der 70er Jahre II

Dass kitschige Naivität, Düsternis und gehobene Unterhaltung im Fantasykino der 1970er Jahre eng beieinander liegen, hatte ich bereits erwähnt. Das wird auch in dieser Retrospektive mehr als deutlich: Für die Naivität sorgen das Special FX Spektakel Caprona – Das vergessene Land sowie die erste Verfilmung der Superman-Comics, die als einzige wirklich sehenswerte Superheldenverfilmung in diesem Jahrzehnt etwas allein dasteht (bei den Märchen aber bestens aufgehoben ist). Für gehobene Sentimentalitäten sorgt die Astrid Lindgren Verfilmung Die Brüder Löwenherz, während Elliot das Schmunzelmonster die ebenso schöne aber deutlich bonbonsüßere Disneyunterhaltung vertritt. Und dann haben wir noch die düstere Wildcard in Form des unheimlichen Filmmonsters Jabberwocky, zusätzlich der Beweis dafür, dass Ex-Monty-Python Terry Gilliam deutlich mehr drauf hat als absurde Komödien. Viel Spaß.

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Die besten Fantasyfilme und Märchen der 70er Jahre I

Willkommen in den 70er Jahren und damit auch wieder einer mitunter vollkommen anderen Art von Film als in den letzten Fantasyretrospektiven. Die 70er sind im Fantasygenre so etwas wie das letzte unschuldige Jahrzehnt. Ja, die naiven Kitschstreifen, die einfachen Märchen, die bunten Wundertüten gab es auch noch in den 80ern, aber in den 80ern gab es auch die großen neuen Blockbuster, die epischen Düsterwerke, die dunklen Dekonstruktionen des Genres. Von diesen sind die Jahre zwischen 1970 und 1979 weit entfernt. Stattdessen darf das fantastische Kino einfach nur verträumt sein… und musikalisch, wie zum Beispiel Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett, die ein wenig auch die Marry Poppins dieser Dekade ist, oder Scrooge, der nach wie vor zu den schönsten und traditionellsten Charles Dickens Verfilmungen gehört, oder auch die Roald Dahl Verfilmung Charlie und die Schokoladenfabrik, deren deutschen Variante aber unverständlicherweise viele Gesangsnummern zum Opfer fielen. Zwei weitere große Themen des Jahrzehnts sind zum einen die Verfilmungen traditioneller Märchen aus dem osteuropäischen Raum, hier vertreten mit Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, sowie ein äußerst kreativer Umgang mit den damals logischerweise noch nicht so ausgeprägten Special FX Möglichkeiten, wahrscheinlich mit am beeindruckendsten in Sindbads gefährliche Abenteuer zu sehen. Es war eine schöne Zeit, es war eine unschuldige Zeit, eine Zeit in der im fantastischen Film noch vieles anders war als heute.

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Die besten TV-Serien der 80er Jahre IV

Einen habe ich noch, dann ist aber wirklich Schicht im Schacht. In der letzten 80er TV-Retrospektive begegnen wir einer fulminanten Fortsetzung des Serienklassikers Raumschiff Enterprise, wir dürfen mit Sledge Hammer! einmal höchst ironisch und mit Cagney & Lacey einmal höchst dramatisch Detektiv spielen. Und Der unglaubliche Hulk dürfte wohl zu den am meisten unterschätzten Superheldeninkarnationen der Bildschirmgeschichte gehören. Und dann hat sich da noch, naja, irgendwie ein faules Ei in diese Bestenliste gemogelt, bei dem ich jetzt wirklich lange überlegt habe, ob ich es stehen lassen will. Aber seht selbst…

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Die besten TV-Serien der 80er Jahre III

Und weiter geht es mit den besten Fernsehserien der 80er Jahre. In die dritte Retrospektive haben sich mit der deutschen Comedyserie Kir Royal und der pulpigen Detektivgeschichte Magnum gleich zwei Guilty Pleasures eingeschlichen. Auch bei der Nominierung der Kultserie MacGyver spielt Nostalgie eine nicht zu unterschätzende Rolle. Deutlich extravaganter, origineller und hochwertiger, als beim Blick auf die bloße Prämisse vermutet werden kann, ist dagegen Das Model und der Schnüffler. Und mit Die nackte Pistole gibt es dann auch noch eine äußerst kurzlebige, damals kaum beachtete, retrospektiv betrachtet aber umso stärkere Spoofserie. Wie auch in den letzten Retrospektiven gilt: Zeitgemäßes, Zeitloses, kaum Gealtertes und stark Gealtertes liegen hier dicht beisammen. Viel Spaß!

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Die besten TV-Serien der 80er Jahre II

TV-Serien der 80er, die Zweite. Dieses Mal mit dem Beweis, dass das Jahrzehnt durchaus auch das kann, was man allgemein nicht vermutet, was allgemein eher in der jüngeren TV/Streaming-Geschichte verortet wird: Packendes serielles Erzählen in den großen Genres Fantasy, Science Fiction und Thriller. Bei Tripods – Die dreibeinigen Herrscher offenbart sich dann allerdings auch, warum sich die 80er Jahre mit High Profile Erzählungen so schwer taten, wurde die Serie doch nach nur zwei Staffeln aus Budgetgründen abgebrochen. Die tschechische Kinder- und Jugendserie Die Besucher muss sich dagegen gar nicht erst der Budgetfrage stellen und beweist, dass auch mit wenigen Mitteln großes Science Fiction Fernsehen möglich ist. An der Krimifront beeindruckt In der Hitze der Nacht als ungewöhnlich vielschichtiges Krimidrama um den polizeilichen Alltag in Mississippi, und was serielles Erzählen eines Thrillerplots betrifft mach dem Kampf gegen die Mafia niemand so schnell etwas vor. Und um diese ganzen – etwas aus der Zeit gefallen, teilweise ihrer Zeit sogar voraus seienden – Serien etwas entgegenzusetzen, begegnen wir mit Alf einer durch und durch in den 80ern verhafteten Sitcom. Die leistet aber auch deutlich mehr als viele vergleichbare Serien der Ära.

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Die besten TV-Serien der 80er Jahre I

Die 80er Jahre waren ein merkwürdiges TV-Jahrzehnt. Die Serienlandschaft war noch weit entfernt von den erstklassigen seriellen Produktionen unserer Zeit (die ja selbst in den 90ern nicht einmal in den Kinderschuhen steckten). Gleichzeitig wäre es komplett verfehlt von einer wilden, experimentellen Fernsehzeit zu sprechen. Viel mehr sind die 80er Jahre ambivalent, was Progress, Stilstand und sogar Regress betrifft: Ja, es gab das Experimentelle, das Wilde, den Versuch, mit Traditionellem aufzuräumen. Aber es gab mindestens genau so stark das Traditionelle, das Konservative, ja, wenn man es böse meint, könnte man sagen „Das Feige“. Wirklich experimentell ist in dieser ersten 80er Serienretrospektive eigentlich nur ein Format, das bizarre Historienstück Blackadder von und mit Rowan Atkinson. Dass aber auch im Konservativen eine Menge Qualität und Zeitlosigkeit möglich ist, beweist Das A-Team mit seinem charismatischen, ironischen Actionschauspiel. 21 Jump Street dagegen ist komplett auf den Zeitgeist der späten 80er Jahre zugeschrieben und funktioniert dennoch hervorragend als Hybrid aus Coming of Age und Krimiserie. Und dann sind da natürlich noch die beiden Senioren, Angela Lansbury in Mord ist ihr Hobby und Andy Griffith als Ben Matlock. Die sind so traditionell wie man es sich nur vorstellen kann und dennoch und gerade deswegen höchst charmant und qualitativ deutlich hochwertiger als viele Jungspunde der damaligen Ära.

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Die besten Kinderserien der 80er Jahre III

Einen haben wir noch: In der letzten Kinderserien-Retrospektive begegnen wir mainstreamtauglichem ebenso wie Schrägem und sogar Surrealem. Aus Deutschland überrennt uns eine auf Kinderaugen perfekt zugeschnittene Bizarrerie mit Hals über Kopf, anschließend lassen wir uns von eigentlich so gar nicht ins Kinderprogramm passendem Symbolismus im Anderland verzaubern. Etwas traditioneller und bunter geht es bei den Amerikanern mit Inspector Gadget und den Muppet Babies zu. Und irgendwo dazwischen (und zugleich komplett ab vom Schuss) bewegt sich das herrlich naive Fantasypanorama Doctor Snuggles. Und wenn wir damit durch sind, können wir uns endlich der erwachsenen TV-Unterhaltung der 80er Jahre widmen. Und diese ist ebenfalls – wie das Kinderprogramm – deutlich abwechslungsreicher und qualitativ hochwertiger als gemeinhin erinnert wird.

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Die besten Kinderserien der 80er Jahre II

Im Gegensatz zur ersten 80er Kinderserien-Retrospektive wird es dieses Mal deutlich weniger pädagogisch und deutlich stärker auf Unterhaltung ausgerichtet. Außerdem – was ich in der ersten Retrospektive vergessen habe – sei noch angemerkt, dass einige der hier genannten Serien zumindest in Deutschland erst in den 90er Jahren groß rezipiert wurden. Für eine Einordnung in der 80er Dekade soll in dieser wie auch in anderen Listen der Produktionszeitraum entscheidend sein: Und dabei gilt, je zentraler dieser in den 80er Jahren liegt, um so mehr ist die entsprechende Serie prädestiniert dort eingeordnet zu werden. Daher werden hier auch manche Serien fehlen, die bereits in den 70er Jahren mehr als relevant waren (z.B. die Sesamstraße), ebenso wie Serien, die zwar in den späten 80ern zum ersten Mal auf die Öffentlichkeit losgelassen wurden, aber erst in den 90ern zu voller Blüte kamen (z.B. die Simpsons). Und damit genug der allgemeinen Vorworte. In diesem Teil begegnen wir tollen japanischen Fußballstars rund um Captain Tsubasa, Zeitreisenden, Gummibären, zwei wilden Knetfiguren und einem aufgeweckten Radiomoderatoren in Runddorf.

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Die besten Kinderserien der 80er Jahre I

Zu Beginn der 80er-Zusammenstellung bin ich noch fest davon ausgegangen, dass ich spätestens im TV-Bereich an meine Grenzen stoßen würde. Schlicht und ergreifend, weil die TV-Landschaft der 80er Jahre so antiquiert wirkt im Vergleich zu den großen TV- und Streamingserien unserer Zeit. Braucht man wirklich noch Dallas, wenn man House of Cards haben kann, das A-Team in Zeiten von Breaking Bad oder Fantasy Island in einer Welt, in der Game of Thrones existiert? Oh, wie sehr habe ich mich geirrt! Ich bin nunmal ein Kind der frühen 80er Jahre und dementsprechend wurde ich als Kind vor allem in den 80ern TV-sozialisiert. Und was gibt es in dieser Zeit an großartigen Serien für ein jüngeres Publikum zu entdecken! Wie gesagt, diese Zeit hat mich fernsehtechnisch stark geprägt, aber es ist nicht nur die Nostalgie, die die folgenden Serien auszeichnet: Gerade für Kinder- und Familienunterhaltung waren die TV-80er eine glorreiche Epoche. Eine Zeit in der Kinderserien noch nicht reine Cash Cows waren, eine Zeit, in der sich Produzent*innen noch wirklich Gedanken um gute Fernsehunterhaltung für Kinder machten, eine Zeit, in der das Fernsehen für die ganze Familie experimentierfreudig, mutig und magisch war. Daher sollen die ersten 80er Serienretrospektiven auch einem jüngeren Publikum gewidmet sein. Zweifellos, die Nostalgie spielt hier mit rein, ich habe aber bewusst Serien ausgewählt, die auch heute noch funktionieren, die ich auch heute noch meinem Kind zeigen würde: Sprich, keine He-Man, Lone-Star, Ninja Turtles, kein plumpes Actionprogramm zur Ankurbelung des Spielzeugverkaufs. Aber auch nicht bloße pädagogische Fingerübungen. Stattdessen eine gute Mischung aus Wertvollem und Unterhaltsamem, aus Albernem und Mitreißendem. Hier ist der erste Teil einer längeren Serienretrospektive mit dem Schwerpunkt auf Kinder- und Familienunterhaltung. Let’s go.

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