Schlagwort: Groteske

Die besten Tragikomödien der 80er Jahre IV

So. Ein Lächeln mit einer Träne gibt es noch, bevor wir zu den Dramen-Schwergewichten weiterziehen. Im letzten Teil der tragikomischen 80er Retrospektive blicken wir auf ein Frühwerk Jim Jarmuschs mit Down by Law und auf viele Werke von Regisseuren in ihrer mittleren Schaffensphase: Peter Greenaway hatte sich bereits vor Der Koch der Dieb seine Frau und ihr Liebhaber in der unabhängigen Filmszene einen Namen gemacht, diesem exzentrischen Glanzstück sollten jedoch noch viele weitere folgen, auch Jonathan Demme war bereits vor Gefährliche Freundin ein Regieveteran, sollte jedoch erst in den 90ern mit Das Schweigen der Lämmer größeren Ruhm ernten. Mike Nichols‘ Karriere reicht gar bis in die 60er Jahre zurück, aber auch diese Filmikone war mit Sodbrennen noch lange nicht an ihrem Ende angelangt. Und Barry Levinson changierte schon damals zwischen Kritikerdarling und Kritikerspotttölpel, und schuf mit Rain Man wohl einen Film, der beide Seiten der Medaille recht gut hervorblitzen ließ. Die besten Tragikomödien der 80er Jahre, auf zur letzten Runde.

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Die besten Tragikomödien der 80er Jahre II

Haben wir uns in der letzten tragikomischen Retrospektive noch sehr stark auf das amerikanische Kino, vor allem die Erben New Hollywoods, gestürzt, wird es dieses Mal deutlich internationaler. Mit Wish you were here begegnen wir dem stärksten britischen Dramedy-Beitrag der Dekade, mit Pauline am Strand holen wir ein bisschen französisch nostalgische Romantik in diese schwere Zeiten. Wir leiden und lachen mit der australischen Naturgewalt Sweetie, erleben in Spanien Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs und blicken in russischitalienische Schwarze Augen. Dabei sind die Filme dieser Auswahl nicht nur internationaler, sie sind auch deutlich mutiger und kurioser als ihre amerikanischen Wegbegleiter. Und bei fast allen von ihnen ist die Perspektive eine dezidiert weibliche; auch alles andere als selbstverständlich in diesem doch sehr testosterongesteuerten Jahrzehnt.

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Die besten Tragikomödien der 80er Jahre I

„Mit einem Lächeln und vielleicht mit einer Träne“ …Mit seinem Eingangszitat zu The Kid (1921) hat es Charlie Chaplin auf den Punkt gebracht und im Grunde genommen alles gesagt, was zum Genre der Tragikomödie gesagt werden muss. Dass sich die 80er Jahre nicht 100% daran halten würden, konnte er ja nicht voraussehen. Der tragikomische Film sollte in dieser Dekade nämlich in vielen Fällen ein besonderer Film sein, einer der Grenzen sprengte und Genres vermischte. Seine besten Auswüchse waren gut 60 Jahre nach Chaplins Genreverortung nicht einfach nur Kombinationen von Lächeln und Tränen, sondern ebenso Vermischungen mit dem Thriller (King of Comedy), dem magischen Realismus (Arizona Junior), dem Surrealismus (Stardust Memories) dem Biopic (Garp wie er die Welt sah) oder dem anekdotisch Literarischen (Hotel New Hampshire). Vielleicht waren sie in ihrer amerikanischen Iteration sogar die letzten würdigen Erben des New Hollywood, gepflegt von Altmeistern wie Martin Scorsese und Woody Allen und bereits unterwandert von jungen aufstrebenden Talenten wie den Coen Brüdern, die dem lahmenden Mainstream- und Blockbusterkino den Kampf ansagten. Genau diesen Genresprengern soll in dieser ersten Retrospektive gedacht werden …with a smile — and perhaps, a tear.

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Die besten Komödien der 80er Jahre IV

Das dürfte dann wohl die letzte Komödienliste dieser 80er Retrospektive sein, und wie in den Listen davor mischen sich zeitlose Klassiker mit Filmen, die heutzutage in mehr als nur einer Hinsicht out of date sind. Aber das schöne an Komödien ist nunmal auch, dass sie, selbst wenn sie ihr Zenit lange überschritten haben, mit einem dicken Nostalgiebonus immer noch funktionieren. Ich lache heutzutage kaum noch über einen der Witze aus Police Academy oder Bill & Ted, aber dafür sind sie so etwas wie die nostalgische Aufwärmung einer Epoche, in der vieles einfacher und unschuldiger schien. Irgendwo zwischen archäologischem Fundstück, fassungslos machendem Zeitstück und alberner Kindheitserinnerung haben sie sich für immer einen Platz in unserem Herzen verdient. Andere Filmbiester sind da schon Ein Fisch namens Wanda – der auch heute noch zu den witzigsten Filmen überhaupt gehört -, und Midnight Run und Repoman, die weniger durch ihre Witzigkeit begeistern, als viel mehr durch ihre gekonnte – humoristische – Verknüpfung von gleich mehreren Genres. Und dann gibt es auch noch Ein Ticket für zwei, der nicht nur heute noch witzig ist, sondern darüber hinaus auch immer noch mehr Herzenswärme versprüht als so mancher ernsthafterer Bruder im Geiste. Auch in diesem Fall gilt wie eigentlich immer: Eine gute Komödie ist mehr als die Summe ihrer einzelnen Witze.

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Die besten Komödien der 80er Jahre II

Comedy gehört zu jenen Genres, die am schlechtesten altern. Vielleicht ist es sogar das Genre überhaupt, an dem der Zahn der Zeit am meisten nagt: Nicht Science Fiction (was naheliegend wäre), nicht Fantasy und auch nicht die großen Dramen. Nein, die Komödien sind es, die über die Jahrzehnte immer mehr an Wirk- und Strahlkraft verlieren. Was die eine Generation noch urkomisch fand, lässt womöglich bereits die kommende Generation mit der Nase rümpfen. Und selbst unser persönliches, ganz eigenes Humorverständnis ändert sich mit dem Lauf der Zeit. Bei den kontroversen Filmen der 80er Jahre habe ich bereits über die Problematik der Kontroverse und der Polarisierung a posteriori gesprochen, aber so extrem muss es gar nicht kommen. Oft reicht es, dass die Komödien vergangener Zeiten in der Retrospektive wie die schlechten Witze des einen Onkels wirken, der auf Familienfesten immer zu laut und zu angestrengt witzig war und für dessen Pointen man ein paar Jahre später nur noch ein Kopfschütteln übrig hat. Umso beeindruckender ist es, wenn eine Komödie mal zeitlos wirkt oder gar dreißig Jahre später noch zum Schmunzeln und Lachen verführen kann. Die Filme hier können das alle auf die ein oder andere Weise: Als schwarzhumorige Spiegel der damaligen Gesellschaft (Die Zeit nach Mitternacht) oder Medienlandschaft (Ginger und Fred), als Mockumentary-Klassiker (Zelig), als ohnehin aus der Zeit Gefallene (Zwei hinreißend verdorbene Schurken) oder schlicht und ergreifend als zeitlose, universelle tragikomische Parabeln (Sein oder Nichtsein). Vielleicht bleiben heute ein paar mehr Augen trocken, großartige Unterhaltung sind die hier versammelten Komödien aber immer noch.

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Die besten Filme 2017: I, Tonya und das Vexierspiel der Perspektiven

Im Jahr 1994 war ich 12 Jahre alt und habe mich – ich bin versucht „selbstverständlich“ zu sagen – nicht im geringsten für Eiskunstlauf interessiert. Aber ich erinnere mich dennoch an die Bilder der weinenden Nancy Kerrigan, nachdem dieser mit einer Eisenstange die Knie zerschlagen worden waren. Ebenso erinnere ich mich an das kollektive Aufatmen der medialen Sportöffentlichkeit, nachdem diese trotz des Anschlags bei den olympischen Spielen in Lilehammer die Silbermedaille gewann. Ich erinnere mich auch vage an den damaligen Gossip rund um ihre Rivalität mit Tonya Harding; und ohne irgendwas zu den Hintergründen zu wissen, wusste ich damals doch sehr wohl, wer die Gute – Kerrigan – und wer die Böse – Harding – in diesem Spiel war. Es war ein bisschen so wie die fast zeitgleich stattfindende Rivalität zwischen Henry Maske und Graciano Rocchigiani oder Bret Hart und Jerry Lawler. Wir waren jung und verstanden wenig von medialen Sportevents, aber die Sportfilme der 80er Jahre hatten uns gelehrt, dass es bei Rivalitäten immer einen Helden und einen Bösewicht geben musste. Zweiteres war Tonya Harding im Eiskunstlauf: Die Eishexe, die gnadenlose Attentäterin, die Unsportliche, die Verlogene; und natürlich auch die, die drehbuchreif am Ende mit ihren Intrigen nicht durchkam und bei den olympischen Spielen 1994 nur den achten Rang belegte.

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Die besten Trash-Filme der 80er Jahre II

In den 80ern gab es wirklich genügend gediegenen Müll, um einen zweiten Best-of-Trash Artikel zu rechtfertigen. Wie schon in Teil Eins ist auch dieses mal wieder Troma vertreten. in diesem Fall mit der Class of Nuke ‚Em High. Während die Troma-Machwerke wie auch der Melt-Film Klassiker Street Trash ohne größeren Widerspruch hier rein gehören, – ebenso wie das türkische Rambo-Rip-off Rampage – darf zumindest vorsichtig die Frage gestellt werden, was die bissige Satire Sie leben hier verloren hat. Einerseits ist dieser SciFi-Verschwörungstheorie-Bastard viel zu politisch, zu subversiv und auch irgendwie zu clever, um einfach als Trash abgetan zu werden. Andererseits besitzt er eine (gefühlt) 5-Stunden lange Kampfszene die nirgendwo hinführt, Sonnenbrillenfetischismus und Roddy Fucking Rowdy Piper. Insofern…

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Die besten Trash-Filme der 80er Jahre I

So… die Zeichentrickfilme haben wir endlich hinter uns gebracht. Zeit, wieder zu etwas Handfesterem überzugehen… TRASHHHHH! Und zwar solcher der feinsinnigen, unterhaltsamen Sorte. Alle hier geposteten Filme sind mal mehr mal weniger unfreiwilliger Ramsch. Aber irgendwie doch zu gut, um als schlechte Filme abgetan zu werden. Natürlich zählen dazu, SciFi-Klassiker wie der wunderbar cheesige Flash Gordon, aber eben auch der meiner Meinung nach komplett unterschätzte, epische Masters of the Universe. Für den richtig schlechten Geschmack gibt es Bad Taste, von einem Regisseur, der sich später komplett aus der Trash-Ecke rausinszenieren sollte. Und Troma darf natürlich auch nicht fehlen. Hier erst einmal vertreten mit dem Kultklassiker Toxic Avenger. Und wem das alles noch zu stilsicher ist, der dürfte mit dem vollkommen überdrehten Machwerk Buckaroo Banzai seine Freude haben.

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Die besten Filme 2019 – Der Oscar-Abräumer Parasite von Bong Joon-ho

Endlich! Über fünf Jahre nach dem großen Erfolg beim westlichen Publikum mit der Dystopie Snowpiercer und zwei Jahre nach dem Netflix-Achtungserfolg Okja ist Bong Joon-ho endlich da angekommen, wo er schon immer hin gehörte. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Erstens, ziemlich offensichtlich, bei der höchsten Mainstreamehrung, die sich ein Regisseur überhaupt vorstellen kann. Auch wenn es sich immer noch ein wenig surreal anfühlt, ist es doch Wirklichkeit: Bong Joon-hos neuester Streich, Parasite (2019) hat 2020 bei den Oscars abgeräumt. Aber so richtig: Nicht nur als bester fremdsprachiger Film, sondern als bester Film, als erster fremdsprachiger Film in der Geschichte der Oscars überhaupt. Darüber hinaus bestes Originaldrehbuch und beste Regie. Vier Academy Awards für eine rabenschwarze südkoreanische Komödie. Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb: Die Oscars waren in den letzten Jahren doch für so manche positive Überraschung gut. Positiv ist die Überraschung nicht zuletzt auch deswegen, weil Parasite ein Film ist, der jedes Lob und jeden Hype um ihn im letzten Jahr mehr als verdient hat. Zweitens ist Bong Joon-ho nämlich nach diversen Genreabstechern auch endlich in dem Rahmen angekommen, der ihm am besten liegt: Der schelmische, makabere, parabolische und grotesk ironische Rahmen. Entfesselt von jeglichen Genrevorgaben erzählt er in diesem Rahmen eine bittersüße, urkomische Geschichte über Auf- und Abstieg, über starre Gesellschaftsstrukturen und darüber wie diese aus den Angeln gehoben werden.

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Die besten Filme 2017: Dave Made a Maze (Splatter/Horror/Fantasy/Comedy-Hybrid)

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mir Gedanken über die Folgen des Videothekensterbens für die „Direct to DVD“ oder „Best Performance on DVD“- oder noch allgemeiner Indie-Filmkategorie mache. Und es wird mit Sicherheit nicht das letzte Mal sein. Ich glaube auch nach wie vor, dass die langfristigen Folgen dieses Prozesses noch nicht vollkommen zu überblicken sind, und dass ebenso noch nicht ausgemacht ist, ob es sich um positive oder negative Folgen (oder von beidem ein bisschen was) für diese Nische der Filmwelt handelt. Streaming ist die neue Realität, mit der sich alle „Direct to DVD“-Produzenten und darüber hinaus alle Filmproduzenten überhaupt auseinandersetzen müssen. Insbesondere, weil durch den Wegfall der Videotheken nicht einfach ein Verbreitungskanal wegfällt, sondern vor allem einer, der ganz bestimmten Gesetzen zu gehorchen schien, von denen viele Filme profitieren konnten. Manche, zum Beispiel die deren Hauptvermarktungsstrategie der „Fehlgriff“ im Videothekenregal zu sein schien (* Hust Asylum), etwas mehr, andere etwas weniger. Leid tun kann es einem vor allem um jene engagierten unabhängigen Werke, die – selbst wenn sie einen Kinorelease hatten – schon immer davon lebten, im Videothekenregal (wieder-)entdeckt zu werden und dort durch Mund-zu-Mund-Propaganda von der unbekannten Indie-Perle zum Kultfilm aufzusteigen: Filme wie Evil Dead oder Donnie Darko (wahrscheinlich einer der letzten dieser Art), die offene Videothekenbesucher brauchen, die auch mal neben die üblichen Verdächtigen greifen. Und genau ein solcher Film, dem ein Videothekenrelease mit Sicherheit extrem gut getan hätte, der nun aber in einer Streamingwelt um die Aufmerksamkeit des Publikums kämpfen muss, ist Dave made a maze (2017), der gut zwei Jahre brauchte, um überhaupt in Deutschland anzukommen.

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Die schönsten Filme 2016: Swiss Army Man

Eines der schönsten sprachlichen Memes des englischsprachigen Internets (Originalherkunft leider nicht so leicht ermittelbar): „Tell someone you love them today, because life is short. But shout it at them in german, because life is also terrifying and confusing“. Das Swiss Army Knife – das Schweizer Armeemesser – stammt zwar nicht aus Deutschland, aber mit dem Herkunftsland Schweiz allemal aus (unter anderem) deutschsprachigen Gefilden. Und wer Swiss Army Man (2016), dessen Titel einen direkten Bezug zu dem mitteleuropäischen Multifunktionswerkzeug darstellt, gesehen hat, dem wird es nicht schwerfallen anzuerkennen, dass genau jener memetische Spruch zu Daniel Kwans und Daniel Scheinerts ungewöhnlichem Film perfekt passt. Das Leben ist kurz, das Leben ist schön, das Leben ist aber auch grotesk, konfus und verwirrend… Vor allem ist das Leben aber schön. Und ihr solltet jede Sekunde davon genießen! Zwei Jahre zuvor hatten die beiden Daniels bereits mit dem unfassbar großartigen Kurzfilm Interesting Ball bewiesen, dass sie es schaffen in kurzer Zeit sowohl das bizarre als auch das schöne Moment des Lebens formvollendet zu erzählen. Und Swiss Army Man wiederum ist quasi die Formvollendung dieses Konzepts. Solange man sich auf die – wirklich schräge – Prämisse einlässt, erlebt man hier einen der außergewöhnlichsten Filme des Jahres und zudem einen der schönsten Feel Good Movies der Dekade.

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Die besten Fantasyfilme und Märchen der 80er Jahre I

Die 80er waren ein Jahrzehnt der großen cineastischen Meisterwerke, aber ebenso auch ein Jahrzehnt der cineastischen Peinlichkeiten. In kaum einer anderen Dekade liegen verquaste Cheesiness und große ästhetische Reife so dich beieinander. Fast in jedem Film der Zeit findet man sie, die 80’s Ingredienzen, denen der Lauf der Zeigt nicht gut getan hat: Glitzernd, funkelnd, synthetisch albern… und retrospektiv betrachtet mitunter mehr als peinlich. Gerade das Fantasy-Genre bietet überbordernde Möglichkeiten, um all das bis zum Exzess auszuspielen, was die 80er so charmant trashig machte. Dementsprechend lautet die Frage in unserer ersten 80er Retrospektive nicht nur „Was waren die großen Meisterwerke des Fantasyfilms?“ sondern im selben Maße auch „Funktionieren diese noch in unserer Zeit?“. Und fürwahr, es gibt mehr als genug große Märchen und fantastische Filme, die man sich auch heute noch ohne Schamgefühl, mit viel Vergnügen oder gar echter Ergriffenheit geben kann… genug Meisterwerke für gleich mehrere Best-Of-Aufstellungen. In der ersten begegnen wir unorthodoxen Rotkäppchen-Interpretationen in der Zeit der Wölfe, genießen Märchen-Romantik am Tag des Falken, reisen durch die Zeit mit den Time Bandits, landen in einem alptraumhaften Paperhouse und gönnen uns größenwahnsinnige Lügenmärchen von Münchhausen persönlich.

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Really Fucked Up Super Heroes – Rezension zu „Super“ von James Gunn (2010)

Zu den Filmen, die mich zu Beginn der 2010er am meisten enttäuscht haben, gehört auf jeden Fall die halbgare, möchtegerncoole und sich dem Nerdtum anbiedernde Superheldensekonstruktion Kick-Ass (2010). Eine nette Idee, der allerdings in letzter Konsequenz die Eier fehlten, um mehr zu sein als ein lauer tarantinoesker Reißer ohne Biss. So viel Potential, so viel Mindfuck-Möglichkeiten… einfach verschenkt. Ein Glück, dass die Idee des simplen Next-Door-Superhelden nicht nur den Kick-Ass-Machern in den Sinn kam, sondern ebenso Slither-Regisseur James Gunn. Und dieser James Gunn hat Eier… und was für welche. Super (2010), der sträflicherweise immer noch keinen deutschen Kinostart-Termin hat, ist das bösartigsten und abgefuckteste Stück Nerd-Film, das mir in letzter Zeit untergekommen ist. Indie Komödie, Actionspaß, Referenzfest… Und nicht nur das: Nebenbei zertrümmert dieser infame Streifen auch die gesamte Superheldenmythologie im Vorbeigehen, tritt ordentlich rein in die Zwiespältigkeit von selbsternannten Rächern und wandelt sich mehr und mehr zur düsteren, tragischen und zutiefst pessimistischen Parabel auf Verbrechen und Strafe, auf Schicksalsgläubigkeit und Wahn.

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Die besten Filme 2018: Blackkklansman

Über 30 Jahre dauerte es, bis der ehemalige Undercover-Polizist Ron Stallworth mit den Erinnerungen an seine Arbeit an die Öffentlichkeit gehen sollte. Und was waren das für Erinnerungen! Nicht nur, dass er seit 1972 der erste schwarze Polizeibeamte in Colorado Springs war, er infiltrierte 1978 auch erfolgreich den Ku-Klux-Klan und schaffte es dabei sogar den Grand Wizard David Duke am Telefon von seiner 100% rein weißen Abstammung zu überzeugen. Kein Wunder, dass seine Autobiografie Black Klansman (2014) für Legendenbildung taugt. Und wer wäre besser dafür geeignet, diese weiterzutragen, als die Ikone des New Black Cinema, Spike Lee. Entsprechend hoch dürfen die Erwartungen an den Film Blackkklansman (2018) sein, zumal dieser im Jahr zwei der Präsidentschaft Trump, in Zeiten von rassistischen Charlottesville-Aufmärschen und Alt-Right-Allmachtfantasien wie Arsch auf US-Eimer passt.

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Die besten Trash-Filme der 90er Jahre II

Und weiter gehts im Kino der niedersten Niederungen, der obskuren Ideen und kostengünstigen Antipoden zum Big Business. Dieses Mal haben sich gleich ein paar qualitativ hochwertige Filmversatzstücke in unserer Trash-Schau eingefunden. Neben Christoph Schlingensiefs Trash-Blaupause United Trash – die wie alle seine Filme heftig mit Avantgarde und Hochkultur kokettiert – kümmern wir uns um das deutsche Trashurgestein Helge Schneider und seinen Anti-Western Texas, freuen uns noch einmal auf Troma-Ware bei Sgt. Kabukiman und packen mit dem Geballer von Rutger Hauer in Split Second und den Nippeln von Demi Moore in Striptease zumindest noch zwei Filme dazu, über deren Qualitäten man vorzüglich streiten kann.

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Die besten Tragikomödien der 90er Jahre IV

Ein letztes Mal: Lachen, weinen, auf ein versöhnliches Ende hoffen… Im letzten Teil unserer Tragikomödienretrospektive werden wir noch einmal international und historisch. Wir wandern von Amerika nach Europa, streifen französischen Lebenschic, werden mit den dunklen Seiten der italienischen Geschichte auf tragikomische Weise konfrontiert und finden komplexe gesellschaftliche Strukturen im Spanien des 20. Jahrhunderts. Ein nostalgischer Blick zurück in die 60er Jahre der USA und eine schrille Konfrontation mit Neurosen und Ängsten… aber eben auch das Überwinden der selben. Et voilà. Alles wird gut!

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Die besten Tragikomödien der 90er Jahre III

Ja… wir haben noch ein paar Tragikomödien, die das cineastische Jahrzehnt der 90er entscheidend mitgeprägt haben und auch heute noch unbedingt sehenswert sind. Wie schon die letzten Male aufgefallen sein dürfte, ist in diesem Genre vieles möglich: mal kippt es fast komplett zur Tragödie um, mal obsiegt das Lachen eindeutig, mal hält es die Waage und ein anderes Mal flirtet es mit surrealen, grotesken Momenten. So jedenfalls in der australischen Farce Bad Boy Bubby und Woody Allens sarkastischem Biopic Harry außer sich. Friedvoller, traditioneller geht es dagegen in den humanistischen Tragikomödien Grüne Tomaten und EDtv zu, auch wenn diese beiden ebenso eine ordentlich gesellschaftskritische Komponente besitzen. Diese spielt ohnehin in fast allen Filmen dieses Artikels eine Rolle. Egal ob als sarkastische Vorstadtsatire wie in Happiness oder als schillernde Auseinandersetzung mit Transgender-Topoi wie bei Priscilla – Königin der Wüste. Die besten Tragikomödien sind eben auch oft politisch oder zumindest gesellschaftskritisch motiviert, jedoch ohne, dass sie von ihren Themen inhaltlich erschlagen werden…

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Die besten Tragikomödien der 90er Jahre II

Weiter geht es mit dem lachenden und weinenden Auge sowie der Königin aller Genre-Mashups. In dieser Liste taucht gleich zweimal Jim Carrey auf; einmal als unfreiwillig Gefangener in einer dystopischen, gigantischen Reality TV Serie, einmal als Comedylegende Andy Kaufman. Darüber hinaus ein Beitrag zum American Dream der 90er Jahre, der sich nie so ganz zwischen Zynismus und Melancholie entscheiden kann, ein Wes-Anderson-Klassiker und ein gehässiger Brite, der nicht nur Tragikomödie, sondern auch Groteske, Thriller und noch vieles mehr ist.

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Die besten Satiren, Grotesken und schwarzen Komödien der 90er Jahre

Okay… Hier soll es wirklich böse, bizarr, grotesk, allerdings dennoch und gerade deswegen urkomisch werden. Und um das gleich klarzustellen: Wenn an dieser Stelle von schwarzen Komödien die Rede ist, dann ist auch wirklich schwarz gemeint. Pechschwarz! Nicht der sadistische Fäkalhumor, der sich als böse tarnt, um zu verbergen, dass er doch nur moralinsaure Teenager- und Massenunterhaltung aus Hollywood ist… nein, nein… gemeint ist das Lachen, das dir im Halse stecken bleibt und dort noch Tage später schmerzt. Das Lachen, das weh tut, weil es die eigene Amoralität, den eigenen Sadismus, die ureigenen dunkelsten Seiten des Menschen enttarnt. Böse gehässig und eben doch zum Schreien komisch, oder zum Leiden komisch, zum Erschrecken komisch, whatever. Die besten des Jahrzehnts: Ich habe euch gewarnt.

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Direct to DVD/BluRay Geheimtipp: Colossal von Nacho Vigalondo

Manchmal muss man sich doch ganz schön an den Kopf fassen, welche charmanten Filme in Deutschland keinen ordentlichen Kinorelease spendiert bekommen und stattdessen gleich in Videotheken bzw. Streamingservices landen, um dort vom Publikum viel zu oft ignoriert zu werden. Nacho Vigalondos 2016 im US-Kino – unter leider ebenfalls mäßigem Erfolg – gelaufene schwarze Fantasykomödie Colossal ist ein solcher Fall. Umso tragischer, weil bereits ein Vorgängerfilm des Regisseurs, der kleine fiese Science Fiction Thriller Timecrimes (2007), hierzulande unter dem Radar lief und auch zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung maximal als Genre-Geheimtipp hin und wieder Erwähnung findet. Es ist nicht schwer auszumalen, dass Colossal ein ähnliches Schicksal blüht, obwohl er mit Anne Hathaway recht prominent besetzt ist und Dank guter Special Effects und einer schnittigen Inszenierung auch visuell so einiges auf seiner Habenseite hat. Colossal besitzt zwar nicht ganz die Klasse von Guillermo Del Torros Meisterwerk Shape of Water, bewegt sich aber in (Pun intended) genretechnisch ähnlichen Gewässern und ist dabei wirklich ein ganz und gar bezaubernder skurriler Fantasyfilm und zudem ein Kandidat für die größte Direct to DVD/BluRay Verschwendung des Jahres 2017.

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