Schlagwort: Fantasy

Der Super Mario Bros. Film – Die perfekte Videospielverfilmung

Oh, ihr leidgeplagten Videospiel-Enthusiasten da draußen, ich verstehe euren Schmerz. Ich verstehe euer Leid. Und ich leide mit. Da liegen sie vor uns, seit einem halben Jahrhundert. Großartige, fantastische Videospiellandschaften, völlig neue Welten, völlig neue Ideen und Konzepte der Interaktion von Mensch und Medium. Weltraumschlachten gegen fiese Space Invaders, Metroid-Kreaturen und die Flood aus Halo. Abenteuer im Dschungel mit Pitfall Harry, Lara Croft und Nathan Drake. Fantastische Kämpfe gegen das Böse mit Link, Cloud und Kratos. Und absurde, bunte Hindernisläufe mit Mario, Sonic und Crash Bandicoot. So viel Potential für crossmediale Erlebnisse, so viele Möglichkeiten für Filme, Serien und Comicreihen! Und was kriegen wir ständig vor den Latz geknallt? Schrott! Man kann es nicht anders sagen: Die Welt der Videospielverfilmungen ist ein Moloch. Da ist man schon dankbar für einen durchschnittliche Tomb Raider Actioneer, für ein zumindest trashig spaßiges Resident Evil, denn man weiß einfach wie die breite Masse zu diesen Alternativen aussieht: Grausame Uwe Boll Schundware, sterbenslangweilige Street Fighter Adaptionen und alberne Kinderfilme mit wütenden Vögeln. Nein, jeder weiß, dass Videospielverfilmungen ein Garant für Mist sind. Umso überraschender, dass die letzten zwölf Monate sich mit großem Erfolg an zwei wahren Schwergewichten probiert haben. Mit The Last of us eine hochgelobte Serie zu dem wohl beeindruckendsten cinematischen Spiel der letzten Jahre, und mit Der Super Mario Bros. Film (2023) tatsächlich eine filmische Verarbeitung der berühmtesten Videospielikone überhaupt, dem beliebten Klempner aus Brooklyn, der mit Latzhose und Pilzen seit den 80er Jahren das Genre des Jump N Runs dominiert. Also dann, das Leid hat ein Ende, das glorreiche Zeitalter der Videospielverfilmungen ist eingeleitet!

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Everything Everywhere All At Once (2022) – Und das Kino explodiert…

Auf die Frage „Wie viel Inhalt lässt sich in einen nicht ganz fünfzehnminütigen Kurzfilm packen?“ haben die beiden Daniels – Das amerikanische Regieduo Daniel Kwan & Daniel Scheinert – einfach mit „Ja“ geantwortet und mit Interesting Ball (2014) einen der wohl irrsten, bizarrsten, überambitioniertesten und grandiosesten Shorts der Filmgeschichte abgeliefert. Den kann man sich auch auf Youtube reinziehen, und es macht durchaus Sinn dies zu tun, bevor man sich Everything Everywhere All At Once (2022) gibt, allein schon, um eine gewisse Vorstellung davon zu haben, was auf einen zukommt. Auch im zweiten Langfilm der Daniels nach Swiss Army Man (2016) geht es um ein ähnliches Thema wie in Interesting Ball: Um die Verknüpfung von Lebensrealitäten und Geschichten, um die Macht des Unvorhergesehenen, um die Macht des Schicksals: „It’s inevitable“, „Es ist unvermeidlich“, wie eine der Hauptfiguren in Interesting Ball zu unmöglichen Geschehen anmerkt. Aber es sind nicht nur die Themen und Motive, in denen sich die beiden Filme gleichen wie Geschwister: Es ist auch die Haltung, mit der die Daniels diese Motive auf die Leinwand bringen. Denn auf die Frage „Wie viele verschiedene Stimmungen kann man in einem Film unter einen Hut bringen?“ antworten die beiden auch mit Ja und machen munteres Genre- und Atmosphären-Hopping: Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt, aber auch von absurd surreal bis hin zu elegisch pathetisch. Von albern, infantil, bis monumental actionreich… von …. naja, von allem über alles eben… überall… und das gleichzeitig… all at once…

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Was muss Kino alles? – Dune (2021) von Denis Villeneuve

Ignorieren wir mal Corona. Bitte zumindest kurz, wenn auch nur für die 1000 Zeichen einer Filmrezension. Seit Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, befindet sich Kino in einer Rechtfertigungskrise. Woran es liegt, darüber kann man lange diskutieren: Der Videomarkt und vor allem Videoverleihmarkt, der seine Ursprünge in den 80er Jahren des letzten Jahrtausends hatte und in dessen 90er Jahren so richtig zur Blüte kam. Die „große“ Raubkopie-Ära, in der Filme teilweise vor dem Kinostart schon geleaked online zu finden waren. Und zuletzt die Streamingepoche, in der gerade in den letzten Jahren immer öfter große Filme praktisch zum Kinostart von Netflix und Co. auch gleich online bereitgestellt wurden, inklusive der damit ebenfalls zusammenhängenden starken Serienkonkurrenz. Und das sind nur die externen Faktoren. Hinzu kommt die Qualitätskrise des Blockbusterfilms in den 90ern, die steigenden Ticketpreise und ein neues Selbstbewusstsein beim Publikum, eben nicht mehr für jeden Hype in die Lichtspielhäuser rennen zu wollen. Um dem vermeintlichen Kinotod entgegenzuwirken, haben die großen Produktionsstudios so manches versucht, mal mehr mal weniger erfolgreich. Aber nach wie vor kann man sich sicher sein, dass eben doch alle paar Jahre ein Film ins Kino kommt, der dessen schiere Größe (sowohl auditiv als auch visuell) rechtfertigt. Die erfolgreichsten Blockbuster waren das in den letzten Jahre eher selten (ja, ich blicke zu dir Disney!), sondern eher die etwas daneben laufenden ton- und bildgewaltigen Filme: Dann schon eher die visuellen Experimente eines Lighthouse, die realistisch poetischen Bilder eines Moonlight der rauschhafte Wahn eines Mother! oder die philosophische Pracht eines Science Fictioneers wie Gravity, Arrival oder dem Blade Runner Remake. Gerade Regisseur Denis Villeneuve, der für die letztgenannten Kinomagnete verantwortlich ist, schafft es verzauberndes, mitreißendes Kino inszenieren ohne dabei in die gefällige Popcornfalle zu tappen. Kein Wunder, dass das Feuilleton Luftsprünge machte, als es hieß, er sei für Dune (2021) verantwortlich, dessen literarische Vorlage von Frank Herbert aus dem Jahr 1965 zu den einflussreichsten Science Fiction Epen des 20. Jahrhunderts zählt. Und das immerhin in der dritten Variante nach einer David Lynch Verfilmung, einem leider gescheiterten Versuch von Alejandro Jodorowsky und einer TV-Serie zur Jahrtausendwende. Also dann, ist der Hype gerechtfertigt? Haben wir hier eine neue Kinorechtefertigung vor uns?

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Die besten Filme der 70er Jahre: Wo packe ich dich denn hin, Morgiana?

Die osteuropäische Kultur des 20. Jahrhunderts steckt voller tragischer Geschichten und tragischer Gestalten: Künstlerinnen und Künstler, die ihre Visionen nie so umsetzen konnten, wie sie ihnen im Kopf herumspukten, die sich mit Behörden und Zensur herumschlagen und mit zahllosen Einflüssen der real sozialistischen Politik und Gesellschaft arrangieren mussten. Der tschechische Regisseur Juraj Herz gehört zu diesen tragischen Figuren. In einem westlichen Land wäre er womöglich als großer, experimenteller Genre-Autorenfilmer in Erscheinung getreten, vielleicht auch als Meister der Durchmischung von Avantgarde und Exploitation. Er ließe sich leicht in einem italienischen Giallo-Setup vorstellen, wo er sich mit Dario Argento um die märchenhafteste Dekonstruktion des Genres geprügelt hätte. Wäre Herz in Großbritannien in Erscheinung getreten, hätte er dem Vampirfilm und Gothic Horror sicher viele originelle Akzente schenken können, und in den USA hätte er womöglich irgendwo zwischen Andy Warhol und Roger Corman agiert. Aber Juraj Herz war ein Regisseur des Ostblocks, dessen bizarren Fantasien immer den Kompromiss mit den engen kulturellen Grenzen der damaligen Tschechoslowakei suchen mussten. Und so ist er vor allem hierzulande als einer der Regisseure bekannt, die für zahllose Märchenverfilmungen osteuropäischer Prägung verantwortlich sind, von den Galoschen des Glücks über den Froschkönig bis zu des Kaisers neue Kleider. Dass er deutlich mehr kann als das, durfte er nur selten beweisen: Sein makaberes Psychovexierspiel Der Leichenverbrenner (1968) gilt als einer der besten tschechischen Filme des 20. Jahrhunderts. Und der pulpige Horrorstreifen Der Autovampir (1981) würde in einer besseren Welt in einem Atemzug mit den Exploitationklassikern eines Russ Meyer genannt werden. Jurajs faszinierendster Film indes ist ein anderer: Morgiana (1972), eine diffuse Mischung aus Historical Period Drama, Düstermärchen, Psychothriller und… ja, und was eigentlich?

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Soul (2020) – Pixar goes Jazz

In mehr als nur einer Hinsicht ist Jazz das amerikanische und vor allem afroamerikanische Pendant zur klassischen Musik Europas. Nicht nur was Variationsvielfalt und historische Bedeutung betrifft, nicht nur was das Andocken an ein bildungsbürgerliches Publikum angeht, sondern auch seine Rolle als Genre, dass sich einem Mainstreampublikum entzieht, während es die Kenner*Innen zum Schwärmen verleitet. Jazz ist eigentlich – für mich und für viele andere wahrscheinlich auch – typische „Sollte ich mal öfter hören“-Musik. Eine musikalische Gattung, die faszinieren und begeistern kann, aber eben auch eine musikalische Gattung, die sich wegen ihrer schieren Größe dem einfachen Zugang entzieht. Ein bisschen scheint seine Rezeption damit verbunden, dass man das Gefühl hat, dazu erst einmal mehrere Semester Musik studieren zu müssen, ob dieses Gefühl nun gerechtfertigt ist oder nicht. Nichtsdestotrotz haben sich seit jeher Menschen daran versucht, die Faszination am Jazz an ein größeres Publikum zu vermitteln: In Fachbüchern, in Sachbüchern, in Infotainment-Formaten, in Romanen und nicht zuletzt auch in Filmen. Gerade fiktionale Stoffe haben dabei die beste Chance, die Großartigkeit der Musik zu vermitteln, ohne dabei zu didaktisch und pädagogisch rüberzukommen. Und wenn es einen Meister im Vermitteln schwieriger Stoffe und Motive im leichten Gewand gibt, dann ist es ohne Zweifel Pixar. Immer wieder wenn sich die Disney-Tochter an komplexe Inhalte wagt, überrascht sie damit, diese leicht und dennoch mit der notwendigen Tiefe auf der Leinwand umzusetzen: Egal ob Depressionen,Trauer, Umweltverschmutzung oder der Tod an und für sich. Heiße Eisen werden in den Händen Pixars zu Butter. Gerade das letztgenannte heiße Eisen – der Tod – war in den letzten Filmen dauerpräsent und ist es auch in Soul (2020). Und dann auch noch angereichert mit dem komplexen musikalischen Genres des Jazz… Klingt schwierig, aber wie meistens bei Pixar erwartet man gerade deswegen eigentlich nur das beste.

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The Man who killed Don Quixote (2018)… Juhu, endlich. Geschafft! Oh…

Es dürfte sich um eine der schwierigsten Geburten der Filmgeschichte handeln. Und folgerichtig ist die Erleichterung erst einmal groß, dass der Film, der so lange Zeit im kreativen Fruchtwasser verbracht hat, endlich das Licht der Welt erblickt. 1989 las Monty-Python-Mitglied und Kultregisseur Terry Gilliam den Romanklassiker Don Quixote (1605) von Miguel de Cervantes, und seitdem spukte in seinem Kopf die Idee, den Stoff zu verfilmen. Es sollte insgesamt fast 30 Jahre dauern, bis das finale Werk The Man Who Killed Don Quixote (2018) einem Publikum auf der großen Leinwand präsentiert werden sollte. Zwischen der Idee und der finalen Umsetzung steht ein langer, mal quälender, mal absurd komischer, mal einfach nur tragischer Schaffensprozess, bei dem das Projekt gleich mehrmals abgebrochen werden musste. Nachdem ein ersten Versuch, das Projekt mit Phoenix Pictures umzusetzen, in den frühen 90er Jahren an kreativen und vor allem monetären Differenzen gescheitert war, kam es im Jahr 2000 unter neuer Produktionsgesellschaft zu einem epischen Desaster, als das Set an den ersten Drehtagen von einer Sturzflut vollständig zerstört wurde. Der Drehort konnte in der Folge nicht mehr genutzt werden, das zuvor gedrehte Material war unbrauchbar geworden und das Budget war schon in den Anfängen der Produktion überzogen. Immerhin ein hochgelobter Dokumentarfilm über die fatal gescheiterte Produktion, Lost in La Mancha (2002), konnte aus der Katastrophe gewonnen werden, aber Gilliams ganzes Projekt galt fortan als verflucht: Rechtsstreitigkeiten über den Stoff, Darsteller, die zusagten und wieder absprangen, geplatzte Deals mit Produktionsstudios, ein ausgedehnter Kampf gegen einen potentiellen Produzenten… die Geschichte des Leidenswegs dieses Films im 21. Jahrhundert ist zwar nicht ganz so spektakulär wie die in Lost in La Mancha dokumentierte Katastrophe, allerdings nicht weniger herzzerreißend. Aber Terry Gilliam ist ein Kämpfer, und so stehen wir hier. 30 Jahre nach der Idee, 20 Jahre nach dem ersten Drehversuch. Es ist vollbracht. Und eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Film des Jahrhunderts oder ein monumentales Desaster… Oder?

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Die besten Filme der 70er Jahre: Was mache ich denn jetzt mit dir, Hausu?

Es gibt einfach Filme, die komplett aus der Reihe tanzen. Sie lassen sich nicht richtig einem Genre zuordnen, sie scheinen selbst nicht zu wissen, ob sie nun experimentell sind, poppig oder trashig, ob sie unterhalten oder zum Nachdenken anregen wollen. Manchmal weiß man selbst nicht so genau, ob man es mit einem ausgeklügelten sinnstiftenden Werk, einem Fiebertraum oder gar einer künstlerischen Trollerei zu tun hat. Die 70er Jahre sind voll von diesen Filmen, und doch sticht einer dabei ganz besonders heraus. Hausu (1977) von Nobuhiko Obayashi: Kitschig bunter, unschuldiger Schulmädchenreigen, skurriler Fantasytrip, dazwischen immer mal wieder Experimentalfilm, der mit dem Surrealismus flirtet, oft genug alberner Trash und als Überbau eine bizarre Spukhausgeschichte mit herumfliegenden Köpfen und Zeichentrick-Gespenstern. Ich hatte diesen Film die ganze Zeit auf dem Schirm beim Zusammenstellen der 70er Jahre Bestenlisten, und bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, in welche Liste ich packen könnte. Irgendwie passt er ehrlich gesagt in keine Liste so richtig, vielleicht am ehesten in die Liste der besten Filme mit dem Titel Hausu (was wiederum eine ziemlich kurze Liste wäre). Also bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als diesem bizarren Gruselgemälde einen eigenen Artikel zu widmen. Und ohne zu viel zu spoilern: Es gibt mehr als genug zu schreiben über diesen Film, egal ob man ihn nun mag oder nicht.

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Funktioniert immer noch ganz gut: Jumanji 2 – The Next Level (2019)

Zu den größten Überraschungen des Remake-, Reboot-, und Sequelwahns des letzten Jahrzehnts gehört ohne Zweifel die Quasi-Fortsetzung und Neuinterpretation des 90er Jahre Fantasyklassikers Jumanji (1995), die unter dem adrenalingeladenen Titel Jumanji: Welcome to the Jungle (2017) im Kino lief. Eigentlich besitzt der Film alles, was nach einem kompletten Desaster schreit: Die Nostalgie des Vorläufers komplett über Bord geworfen, aus dem Brettspiel ein Videospiel gemacht, kreischende Action und kreischende Comedy, gegen die das Original fast schon subtil wirkt, und Wrestler Dwayne „The Fucking Rock“ Johnson in einer Lead Role. Umso überraschender, wie spaßig, unterhaltsam und auch selbstironisch dieser Fantasyflick zwischen Blockbusteraction und alberner Komödie geworden ist. Dank eines augenzwinkernden The Rock Auftritts, Dank eines unvergesslichen Jack Black im Genderswap, Dank zahlloser Referenzen und dekonstruktiver Momente ist Welcome to the Jungle deutlich spaßiger und mitreißender, als zu erwarten war. Und da der Film Dank eines Box Offices von über 950 Millionen Dollar verflucht erfolgreich war, ist es nur logisch, dass er mit einer Fortsetzung bedacht wird. Und da ist sie auch schon, nur zwei Jahre später unter dem verheißungsvollen Titel Jumanji: The Next Level (2019). Und wieder denkt man sich nicht nur klammheimlich: Dieses Mal müssen sie es aber verkacken. Die Fortsetzung eines Quasi-Reboots mit noch lauterem Titel? Noch mehr Edgyness? Noch mehr Action? Noch mehr The Rock? Das kann doch nur schief gehen.

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Die besten Animationsfilme der 2010er Jahre – Die „Drachenzähmen leicht gemacht“-Trilogie

Das Duell zwischen Pixar und Dreamworks um die Vorherrschaft im animierten Kinderzimmer ist einer der großen cineastischen Kämpfe der 2000er Jahre. Man kann es drehen und wenden wie man will: Dreamworks hat diesen Kampf verloren. Sowohl was Box Office als auch Kritik betrifft war Pixar im frühesten 21. Jahrhundert einfach unschlagbar. Ein Meisterwerk nach dem anderen hat die Animationsschmiede rausgehauen, während Dreamworks nach dem Überraschungserfolg Shrek (2001) ziemlich ins Hintertreffen geraten ist. In den anschließenden 2010er Jahren hat sich aber einiges geändert: Nicht nur, dass Pixar mit schwachen Fortsetzungen beliebter Franchises so manchen Misserfolg verbuchen musste, der ganze Animationsmarkt schien sich plötzlich zu öffnen, neue Studios wie Sony spielten in dem großen Spiel mit, es gab ein gewaltiges Disney-Revival, insbesondere durch den Smash-Hit Frozen (2013) und langsam aber sicher schälte sich heraus, dass Pixar nicht mehr das Nonplusultra war, was Animationskunst für Kinder betrifft. Und was machte Dreamworks mit dieser neuen Realität? Viel zu wenig: Ähnlich wie ihr großer Konkurrent verließ sich Dreamworks viel zu sehr auf Fortsetzungen beliebter Franchises und daneben auf die Konstruktion wirklich abstruser Storys (Vom epischen Kampf von Weihnachtsmann, Zahnfee und dem Osterhasen gegen das Böse bis zur Geschichte eines Boss Babys schien wirklich keine Idee zu stupide oder zu albern zu sein). Und dennoch ist das Studio für drei der beeindruckendsten Animationsfilme dieser Dekade verantwortlich: Drachenzähmen leicht gemacht (2010), sowie seine beiden Fortsetzungen (2014 und 2019) sind nicht nur tolle Animationsfilme für die ganze Familie sondern darüber hinaus beeindruckende Fantasyfilme, denen es gelingt dem Fortsetzungsrausch des Animationskinos eine runde – über drei Filme erzählte – Geschichte entgegenzuhalten, die nicht nur als Familienunterhaltung sondern auch als bombastisches Fantasyspektakel funktioniert.

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Mortal Engines: Krieg der Städte (2018) – Was für ein Spektakel!

Jetzt komme ich ganz schön in die Bredouille. Vor knapp zwei Jahren habe ich ziemlich überzeugt verkündet, dass der Preis für das größte Spektakelkino 2018 ohne jeden Zweifel an Marvels Avengers Infinity War geht. Lag ja auch nahe. So viele große Blockbuster hatte das Filmjahr nun wirklich nicht zu bieten, und abgesehen von der Superheldenwundertüte kam keiner davon bei der Kritik gut weg. Oh, was habe ich mich geirrt! Mortal Engines: Krieg der Städte (2018) hatte ich nun so überhaupt nicht auf dem Schirm. Vernichtende 27% bei Rotten Tomatoes, eine Prämisse die geradezu SciFi-Schrott schreit und alle Zutaten für einen aufgeblähten Popcorn-Langweiler. Nur der Alternativlosigkeit und dem Gedanken „Heute könnte es mal wieder ein junger Spektakelfilm sein“ ist es überhaupt zu verdanken, dass Mortal Engines den Weg in meine Watchlist gefunden hat. Und das selbstverständlich mit radikaler Voreingenommenheit, mit der sicheren Annahme einen wirklich lahmen Streifen zu sehen zu bekommen. Ich kann mich nur wiederholen: Oh, was habe ich mich geirrt! Mortal Engines ist all das, was ihm von den Kritikern vorgeworfen wurde… und gleichzeitig der wohl unterhaltsamste Blockbuster seit langem. Gerade nachdem ich mich vor kurzem von Nolans jüngstem „intelligenten“ Blockbuster furchtbar genervt gefühlt habe, tut es einfach nur gut, endlich mal wieder reine geistlose Action im eklektischen, albernen Science Fiction Gewand zu sehen. Der Krieg der Städte liefert diesbezüglich ab… und wie!

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Spider-Man: A new universe (2018) – Mehr als der beste Animationsfilm aus dem Marvel-Kosmos…

Jeder Fan von Comicverfilmungen und Superheldenfilmen kennt die merkwürdige Geschichte rund um die Spider-Man-Filme: Ende der 90er Jahre – als Superheldenfilme Dank diverser Machwerke wie Batman und Robin einen alles andere als guten Ruf hatten – kaufte Sony eine Lizenz für die Verfilmung des berühmten Spinnensuperhelden von Marvel. Die Japaner hatten sogar die Chance, das gesamte MCU für das Kino zu lizenzieren, aber wie gesagt, damals gab niemand viel auf Superheldengeschichten für die große Leinwand und so verzichtete das Studio auf den Deal. Jedenfalls gelang es Sony mit der Spider-Man-Only-Lizenz praktisch im Alleingang, dem Genre neues Leben einzuhauchen. Sam Raimis Spider-Man-Trilogie (2002, 2004, 2007) war eine Sensation in der damaligen Zeit und neben den X-Men-Filmen DER Grundstein für den unfassbaren Erfolg der cineastischen Superhelden der letzten beiden Jahrzehnte. Alle Filmstudios leckten sich die Finger nach den Marvel- und DC-Stoffen. Und es kam, wie es kommen musste: 2009 kaufte Disney kurzerhand Marvel und läutete mit diversen Verfilmungen das berühmt berüchtigte Marvel Cinematic Universe ein, das letztes Jahr mit Avengers: Endgame (2019) einen vorläufigen Höhepunkt und ein vorläufiges Ende fand. Die Filmrechte für Spider-Man indes blieben im Hause Sony, und nachdem die Verfilmung eines vierten Teils von Raimis Spider-Man scheiterte, schlachtete Sony die Lizenz weiter ordentlich aus (allein schon, um die Rechte nicht zu verlieren) und produzierte kurzerhand mit The Amazing Spider-Man (2012) und dessen Fortsetzung ein Reboot der Franchise. Und damit war noch lange nicht Schluss, was Neuinterpretationen der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft betrifft. Nur fünf Jahre später gab es mit der Einführung Spider-Mans in das MCU schon das nächste Reboot. Und auch wenn Spider-Man: Homecoming (2017) ein solider Film war, stellte sich so langsam doch die Frage, wie viele Iterationen der Spinne man in kurzer Zeit erleben darf, beziehungsweise erleben muss, bevor einem der Stoff über ist. Offensichtlich einige, denn mit dem Animationsfilm Spider-Man: A New Universe (2018) kommt nur ein Jahr später schon die nächste. Diese ist aber in mehr als einer Hinsicht bemerkenswert: Denn zum ersten Mal erleben wir hier mit Miles Morales einen Spider-Man dessen Alter Ego nicht Peter Parker ist; darüber hinaus schleudert uns Into the Spider-Verse (so der Originaltitel) gleich mehrere Variationen des Spinnenmenschen in nur einem Film entgegen. Und das wiederum macht er überraschend gekonnt und mitreißend…

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Die besten Vampirfilme der 70er Jahre II

Und weiter geht es mit den besten Vampirfilmen der 70er Jahre. Auch dieses Mal mit eher traditionellen Variationen des Dracula-Stoffes, vertreten durch den sehr klassischen Universal-Monster-Film Dracula und Werner Herzogs Hommage an den Murnau-Klassiker Nosferatu – Phantom der Nacht. Auch dieses Mal wieder mit schwülstigen Gruselmärchen an der Schwelle zwischen Horror und Erotik, vertreten durch den heißblütigen Erotik-Horrorfilm Vampyres und den Softcore Mysterystreifen Lèvres de Sang, sowie den deutschspanischen Fiebertraum Vampyros Lesbos. Und last but not least auch dieses Mal mit einer eiskalten Dekonstruktion des Genres, vertreten durch Martin vom Zombiefilm-Virtuosen George A. Romero.

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Die besten Science Fiction Filme der 70er Jahre III

Wir sind endlich in der Mitte der Dekade angekommen und damit auch beim Genre-definierenden Schwergewicht, der Space Opera Star Wars, nach der Science Fiction im Kino nie wieder das sein sollte, was es zuvor war. Und gleich daneben finden wir dann auch Disneys Versuch einen Star Wars Konkurrenten zu schaffen: Das schwarze Loch, ein Film, der immer noch viel zu wenig Beachtung erhält und deutlich besser als sein Ruf ist. Davor werfen wir aber noch einmal einen kurzen Blick in dystopische Welten: Einmal als raues und rohes Actionspektakel in Rollerball, einmal als klinische Schreckensvision mit der Flucht ins 23. Jahrhundert. Achja, und ein wenig Zeitreisesspaß gab es in dem Jahrzehnt auch, hier vertreten mit H.G. Wells und einer Flucht in die Zukunft.

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Die besten Filme 2017: The Wild Boys von Bertrand Mandico

Also gut, reden wir über den Experimentalfilm. Ein Genre das, zumindest wenn es nach der deutschen Wikipedia geht, gar nicht existiert (dort wird der englische Artikel zum Experimentalfilm immer noch ziemlich schnodderig mit Avantgardefilm übersetzt). Experimentelle Filme gehen über das hinaus, was übliche Sehgewohnheiten betrifft, sie transzendieren das Medium, zerreißen es, und stellen so eine Herausforderung für ihr Publikum dar. Wen oder was man zum Experimentalfilm zählen könnte, darüber lässt sich vermutlich lang und breit diskutieren. Genügt es schon, eine surreale Handlung aufzubauen, wie dies zum Beispiel David Lynch tut? Oder ist dieser mit seinen düsteren Mysterythrillern doch zu konventionell, um hier einen Spot zu verdienen? Muss es gleich die komplette Zertrümmerung des Mediums sein, wie zum Beispiel in den Kurzfilmen des 80er Jahre Transgressive Movies, oder gibt es doch irgendwas dazwischen? Ist Tarkowski ein Experimentalfilmregisseur, ist Bergman einer? Was ist mit den Nouvelle Vague Autorenfilmern oder den Ikonen des Neuen Deutschen Films? Ist gleich alles experimentell, was neu und ungewohnt ist? Dann könnten ja sogar Filme wie Blairwitch Project in der Kategorie landen. Nee, irgendwie kann es das nicht sein, und vielleicht ist eine Stärke der Schublade Experimentalfilm, dass sie ebenso wie die ihr zugehörigen Filme vage und abstrakt bleibt, dass sich vieles und gar nichts in sie hineindeuten lässt. Fest steht jedenfalls, dass experimentelle Filme nur selten ein größeres Publikum erreichen, sind sie doch einfach zu anstrengend, zu konfus, zu unorthodox, um über die Nische hinaus Eindruck zu hinterlassen. Dieses Schicksal blüht wohl auch Bertrand Mandicos Langfilmdebüt The Wild Boys (2017), der so ziemlich alle Zutaten für einen abgehobenen Film zwischen Experiment und Avantgarde besitzt. Ihn in dieser Nische zu lassen, täte diesem mitreißenden Meisterwerk allerdings Unrecht…

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Die besten Science Fiction Filme der 70er Jahre I

Über das fantastische Kino der 70er Jahre zu reden, bedeutet über den Science Fiction Film zu reden. Punkt. Nach dem Wettlauf ins All der beiden vergangenen Jahrzehnte und der ersten Mondlandung des Menschen 1969 war die Menschheit West wie Ost beseelt von dem Gedanken, neue Welten zu erobern, ins Unbekannte aufzubrechen und den Weltraum zu kolonialisieren. Mit den Schattenseiten dieses Enthusiasmus setzen sich unter anderem der Pandemie-Film Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All und das philosophische SciFi-Drama Solaris auseinander. Ein zweites großes Faszinosum des 70er Jahre Science Fiction war der gesellschaftliche Status Quo, vor allem die potentielle Festzementierung von diesem in autoritären Staaten. Die Dystopien der 70er Jahre hatten weniger Angst vor einem möglichen Ende der Menschheit, als viel mehr vor einer Gefangenschaft in einem festgefahrenen Utopia/Dystopia. Der wütendste, diversifizierteste Aufschrei gegen eine solche Stagnation ist wohl Stanley Kubricks Uhrwerk Orange, während George Lucas‘ Filmdebüt THX 1138 einen deutlich fokussierteren Umgang mit dem Thema politische Dystopie an den Tag legt. Im Flucht vom Planet der Affen schließlich wird beides vermählt: Die Faszination vom Weltall und die Angst vor einer faschistoiden Gesellschaft, das ganze allerdings – ungewöhnlich für diese Zeit – mit einer Menge Ironie und erstaunlich selbstreflektierter Medienkritik.

Die 70er Jahre waren ein großartiges Jahrzehnt für das Science Fiction Genre. Viel Spaß mit den herausstechendsten Werke der ersten beiden Jahre der Dekade.

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Die besten Fantasyfilme und Märchen der 70er Jahre III

Fantasyfilme der 70er Jahre, die Dritte. Dieses Mal mit einem kleinen europäischen Übergewicht: Fehlen darf hier natürlich nicht die wundervolle – zwischen Bühne und Film oszillierende – Verfilmung der Zauberflöte von Ingmar Bergman. Ebenso gibt es eine erneute Begegnung mit dem osteuropäischen Märchenfilm. Dem maritimen Hans Christian Andersen Klassiker begegnen wir dabei so gar gleich zweimal. Die kleine Meerjungfrau besucht uns aus der Tschechoslowakei, während Die traurige Nixe als russische Variante des traditionellen dänischen Märchens vorbei blickt. Die Hammer-Studios dürfen mit Als Dinosaurier die Erde beherrschten tief in die Trickkiste der damaligen Special FX Welt greifen, und ein Amerikaner hat sich dann doch noch in die Liste verirrt. King Kong war damals kein Kritikerliebling und musste sich vielfach den Vergleich mit dem Film aus den 30ern gefallen lassen. Retrospektiv entpuppt aber auch er sich als atemberaubende Mischung aus Fantasy, Horror und großem Hollywood-Leinwandspektakel.

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Die besten Fantasyfilme und Märchen der 70er Jahre II

Dass kitschige Naivität, Düsternis und gehobene Unterhaltung im Fantasykino der 1970er Jahre eng beieinander liegen, hatte ich bereits erwähnt. Das wird auch in dieser Retrospektive mehr als deutlich: Für die Naivität sorgen das Special FX Spektakel Caprona – Das vergessene Land sowie die erste Verfilmung der Superman-Comics, die als einzige wirklich sehenswerte Superheldenverfilmung in diesem Jahrzehnt etwas allein dasteht (bei den Märchen aber bestens aufgehoben ist). Für gehobene Sentimentalitäten sorgt die Astrid Lindgren Verfilmung Die Brüder Löwenherz, während Elliot das Schmunzelmonster die ebenso schöne aber deutlich bonbonsüßere Disneyunterhaltung vertritt. Und dann haben wir noch die düstere Wildcard in Form des unheimlichen Filmmonsters Jabberwocky, zusätzlich der Beweis dafür, dass Ex-Monty-Python Terry Gilliam deutlich mehr drauf hat als absurde Komödien. Viel Spaß.

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Die besten Fantasyfilme und Märchen der 70er Jahre I

Willkommen in den 70er Jahren und damit auch wieder einer mitunter vollkommen anderen Art von Film als in den letzten Fantasyretrospektiven. Die 70er sind im Fantasygenre so etwas wie das letzte unschuldige Jahrzehnt. Ja, die naiven Kitschstreifen, die einfachen Märchen, die bunten Wundertüten gab es auch noch in den 80ern, aber in den 80ern gab es auch die großen neuen Blockbuster, die epischen Düsterwerke, die dunklen Dekonstruktionen des Genres. Von diesen sind die Jahre zwischen 1970 und 1979 weit entfernt. Stattdessen darf das fantastische Kino einfach nur verträumt sein… und musikalisch, wie zum Beispiel Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett, die ein wenig auch die Marry Poppins dieser Dekade ist, oder Scrooge, der nach wie vor zu den schönsten und traditionellsten Charles Dickens Verfilmungen gehört, oder auch die Roald Dahl Verfilmung Charlie und die Schokoladenfabrik, deren deutschen Variante aber unverständlicherweise viele Gesangsnummern zum Opfer fielen. Zwei weitere große Themen des Jahrzehnts sind zum einen die Verfilmungen traditioneller Märchen aus dem osteuropäischen Raum, hier vertreten mit Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, sowie ein äußerst kreativer Umgang mit den damals logischerweise noch nicht so ausgeprägten Special FX Möglichkeiten, wahrscheinlich mit am beeindruckendsten in Sindbads gefährliche Abenteuer zu sehen. Es war eine schöne Zeit, es war eine unschuldige Zeit, eine Zeit in der im fantastischen Film noch vieles anders war als heute.

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Die besten TV-Serien der 80er Jahre IV

Einen habe ich noch, dann ist aber wirklich Schicht im Schacht. In der letzten 80er TV-Retrospektive begegnen wir einer fulminanten Fortsetzung des Serienklassikers Raumschiff Enterprise, wir dürfen mit Sledge Hammer! einmal höchst ironisch und mit Cagney & Lacey einmal höchst dramatisch Detektiv spielen. Und Der unglaubliche Hulk dürfte wohl zu den am meisten unterschätzten Superheldeninkarnationen der Bildschirmgeschichte gehören. Und dann hat sich da noch, naja, irgendwie ein faules Ei in diese Bestenliste gemogelt, bei dem ich jetzt wirklich lange überlegt habe, ob ich es stehen lassen will. Aber seht selbst…

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Die besten TV-Serien der 80er Jahre II

TV-Serien der 80er, die Zweite. Dieses Mal mit dem Beweis, dass das Jahrzehnt durchaus auch das kann, was man allgemein nicht vermutet, was allgemein eher in der jüngeren TV/Streaming-Geschichte verortet wird: Packendes serielles Erzählen in den großen Genres Fantasy, Science Fiction und Thriller. Bei Tripods – Die dreibeinigen Herrscher offenbart sich dann allerdings auch, warum sich die 80er Jahre mit High Profile Erzählungen so schwer taten, wurde die Serie doch nach nur zwei Staffeln aus Budgetgründen abgebrochen. Die tschechische Kinder- und Jugendserie Die Besucher muss sich dagegen gar nicht erst der Budgetfrage stellen und beweist, dass auch mit wenigen Mitteln großes Science Fiction Fernsehen möglich ist. An der Krimifront beeindruckt In der Hitze der Nacht als ungewöhnlich vielschichtiges Krimidrama um den polizeilichen Alltag in Mississippi, und was serielles Erzählen eines Thrillerplots betrifft mach dem Kampf gegen die Mafia niemand so schnell etwas vor. Und um diese ganzen – etwas aus der Zeit gefallen, teilweise ihrer Zeit sogar voraus seienden – Serien etwas entgegenzusetzen, begegnen wir mit Alf einer durch und durch in den 80ern verhafteten Sitcom. Die leistet aber auch deutlich mehr als viele vergleichbare Serien der Ära.

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Die besten Kinderserien der 80er Jahre III

Einen haben wir noch: In der letzten Kinderserien-Retrospektive begegnen wir mainstreamtauglichem ebenso wie Schrägem und sogar Surrealem. Aus Deutschland überrennt uns eine auf Kinderaugen perfekt zugeschnittene Bizarrerie mit Hals über Kopf, anschließend lassen wir uns von eigentlich so gar nicht ins Kinderprogramm passendem Symbolismus im Anderland verzaubern. Etwas traditioneller und bunter geht es bei den Amerikanern mit Inspector Gadget und den Muppet Babies zu. Und irgendwo dazwischen (und zugleich komplett ab vom Schuss) bewegt sich das herrlich naive Fantasypanorama Doctor Snuggles. Und wenn wir damit durch sind, können wir uns endlich der erwachsenen TV-Unterhaltung der 80er Jahre widmen. Und diese ist ebenfalls – wie das Kinderprogramm – deutlich abwechslungsreicher und qualitativ hochwertiger als gemeinhin erinnert wird.

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Die besten Kinderserien der 80er Jahre II

Im Gegensatz zur ersten 80er Kinderserien-Retrospektive wird es dieses Mal deutlich weniger pädagogisch und deutlich stärker auf Unterhaltung ausgerichtet. Außerdem – was ich in der ersten Retrospektive vergessen habe – sei noch angemerkt, dass einige der hier genannten Serien zumindest in Deutschland erst in den 90er Jahren groß rezipiert wurden. Für eine Einordnung in der 80er Dekade soll in dieser wie auch in anderen Listen der Produktionszeitraum entscheidend sein: Und dabei gilt, je zentraler dieser in den 80er Jahren liegt, um so mehr ist die entsprechende Serie prädestiniert dort eingeordnet zu werden. Daher werden hier auch manche Serien fehlen, die bereits in den 70er Jahren mehr als relevant waren (z.B. die Sesamstraße), ebenso wie Serien, die zwar in den späten 80ern zum ersten Mal auf die Öffentlichkeit losgelassen wurden, aber erst in den 90ern zu voller Blüte kamen (z.B. die Simpsons). Und damit genug der allgemeinen Vorworte. In diesem Teil begegnen wir tollen japanischen Fußballstars rund um Captain Tsubasa, Zeitreisenden, Gummibären, zwei wilden Knetfiguren und einem aufgeweckten Radiomoderatoren in Runddorf.

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Smallfoot (2018) – Ein eisigartiges Abenteuer (…und ein kleiner Rohdiamant)

Die Demokratisierung des Animationsfilms hat wenig damit zu tun, dass die Konkurrenz zu den jahrelangen Monopolisten – Pixar und Dreamworks – im Laufe der 2010er Jahre besser geworden wäre. Eher das Gegenteil ist der Fall: Die großen Studios sind immer belangloser geworden, während sie gleichzeitig mit einer Masse an durchschnittlichen Konkurrenzprodukten überschwemmt wurden. Erinnern wir uns kurz an die Frühzeit des CGI-Animationsfilms zurück. In den glorreichen Tagen Ende der 90er und Anfang bis Mitte der 2000er Jahre war jeder neue Animationsfilm für die ganze Familie noch ein richtiges Ereignis. Und das auch zurecht: Filme wie Toy Story (1995), Die Monster AG (2001) oder Findet Nemo (2003) auf der Pixar-Seite und Filme wie Antz (1998) oder Shrek (2001) auf der Dreamworks-Seite waren Hit-Garanten und Publikumslieblinge. Man freute sich auf sie, fieberte ihnen entgegen und durfte sich sicher sein, in den meisten Fällen nicht enttäuscht zu werden. In einer Zeit, in der die großen Sommerblockbuster schwächelten (und meistens nicht mehr als langweilige Desasterflicks waren) hielt der animierte Familienfilm das Popcornkino am Leben.

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Die Eiskönigin II (2019) – Warum die Fortsetzung von Frozen scheitert und dennoch sehenswert ist

Niemand wird bestreiten, dass Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (2013) einer der größten Disney- und Animationsüberraschungshits der 2010er Jahre war. Hinter einem scheinbar einfach nur weiteren Fantasyschinken der Disney Animation Studios verbarg sich zum einen ein Musical, das traditionell wie nie auf die klassischen Disney-Prinzessinnen-Geschichten rekurrierte, und zum zweiten ein Fantasyepos, das an genau den richtigen Stellen den Traditionalismus aufbrach und fast so was wie Disneys Version eines feministischen Märchens darstellte. Ein Sequel war im Grunde genommen eine ausgemachte Sache, nachdem in den Folgejahren „Let it go!“ durch allerlei Kindermünder wanderte. Und doch hat es über fünf Jahre gedauert, bis Die Eiskönigin II (2019) das Licht der Leinwand erblickte. Ja, Leinwand. Gott sei Dank kein dahingeschnoddertes Direct to DVD Sequel (was vor 20 Jahren noch selbst bei den absoluten Blockbustern wie Lion King oder Die Schöne und Das Biest Standard war). Nein, eine würdige Fortsetzung, von den gleichen Machern mit den gleichen Stimmen und sogar exakt dem gleichen Budget. Und doch haftet Frozen II ein wenig der Geruch des Hinterhergeschobenen an. Denn obwohl der erste Teil so manche losen Enden bereithält, die eine Fortsetzung fast schon zwingend erscheinen lassen, so gelingt es der Fortsetzung doch nicht so richtig, diese zu einer harmonischen Gesamtnarration zusammenzuführen.

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Ist „Miraculous – Geschichten von Ladybug und Cat Noir“ die beste animierte Kinderserie, die es aktuell da draußen gibt?

Ja, mein Gott, wie soll ich – wenn ich schon so eine steile These aufstelle – diesen Text anders betiteln als mit einer Suggestivfrage? Um es nicht allzu clickbaity zu machen, folgt die Antwort auf den Fuß: Ja, ja, ja, verdammt nochmal, und nochmal ja. Die französische, italienische, koreanische und japanische Koproduktion Miraculous – den meisten Eltern wahrscheinlich eher unter dem schlichten Titel Ladybug bekannt – ist großartige Kinder- und Familienunterhaltung; und darüber hinaus wahrscheinlich das beste, was man aktuell an kindgerechten TV-Animation geboten bekommt. Und das ist keineswegs selbstverständlich, wenn man einen Blick auf das Gesamtkonzept der Superheldinnenserie wirft. Denn ganz ernsthaft, für wen ist Miraculous gemacht? Für Kinder unter 5 Jahren, die harmlose Comic- und Superheldenunterhaltung brauchen? Für Kids kurz vor der Pubertät, die schon ein wenig in Highschool-Klischees reinschnuppern und gleichzeitig unbekümmerte Action erleben wollen? Für Teenager, die sich die kindliche Freude an albernen Kämpfen gut gegen böse bewahrt haben? Oder gar für Erwachsene, die nach einem expanded universe und vielen Cosplay-Möglichkeiten gieren? Irgendwie für alle und damit zugleich für keine Zielgruppe so richtig. Die Geschichten von Ladybug und Cat Noir sind all over the place, widersetzen sich ziemlich widerspenstig einer klaren Zielgruppenfokussierung und funktionieren gerade deshalb perfekt als Unterhaltung für die ganze – in diesem Fall wirklich ganze – Familie. Aber was macht ihr Zauber aus, warum gehen sie seit fünf Jahren so durch die Decke, und wie schaffen sie es Kita-Pyjamas ebenso zu verkaufen wie Actionfiguren wie überteuerte Sammlerstücke? Zeit dem ungewöhnlichen Mashup aus Fantasy/Action/Romantik/Comedy auf den Grund zu gehen.

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Die besten surrealistischen Filme der 80er Jahre II

Surrealismus, Nummer zwei. Man kann durchaus die Behauptung vertreten, dass nach der goldenen Ära des surrealistischen Films der Surrealismus ziemlich tot war. Genuin surreal waren schon die Filme der ersten 80er-Liste kaum, viel eher Genrehybriden, Experimentalfilme oder vom Surrealismus inspirierte Werke. Das ist auch im zweiten Artikel kaum anders. Mit Jodorowskys Santa Sangre hat sich zumindest eine unbestreitbare Ikone des surrealen Kinos hineingemogelt, wenn auch mit einem Film, der die meiste Zeit über anderen Vorbildern huldigt. Abgesehen davon gibt es Surrealismus im Gewand des Bodyhorrors (Videodrome), Surrealismus im Gewand des Mystery (Angel Heart) und Surrealismus im Gewand des fantastischen Avantgardekinos (Alice). Ist das Genre tot? Vielleicht, aber die Frucht aus diesem Schoß ist äußerst lebendig.

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Die neue Star Wars Trilogy (2015 – 2019) – Ein abschließendes Urteil

Zwei große Serien haben das Blockbusterkino der 2010er Jahre geprägt. Dass beide Franchise-Neuinterpretationen aus dem Hause Disney kommen, ist kein Zufall. Mehr als je zuvor dominierte Disney in diesem Jahrzehnt das Blockbusterkino; allerdings nicht nur wie zuvor den Animations- und Familienfilmbereich – mit Werken wie dem in Kinderzimmern omnipräsenten Frozen (2013) – sondern auch mit bombastischem Popcornkino für die älteren Zuschauer. Die erste „erwachsene“ Blockbuster-Serie war das MCU, das mit Iron Man (2008) bereits im vorherigen Jahrzehnt seinen Grundstein gelegt bekam, aber erst in den Zehnerjahren zur vollen Blüte wuchs und mit dem Zweiteiler Avengers: Infinity War (2018) sowie Avengers: Endgame (2019) einen gigantomanischen Abschluss feiern durfte. Die zweite große Serie hatte ihren Beginn erst in der zweiten Hälfte der 2010er, schlug aber mindestens genau so große Wellen. Star Wars: Das Erwachen der Macht (2015), Star Wars: Die letzten Jedi (2017) und Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (2019) waren der – je nach Standpunkt erfolgreiche / erfolglose – Versuch, fast 20 Jahre nach der Prequel-Trilogie den Krieg der Sterne Mythos nicht nur weiterzuerzählen, sondern darüber hinaus die so genannte Skywalker-Saga zu einem würdigen Abschluss zu bringen. Für eine Retrospektive auf diesen Versuch und sein Ge- beziehungsweise Misslingen ist es ohne Zweifel noch zu früh, zeigt doch die sich erst in letzter Zeit etablierende wohlwollendere Rezeption der Prequel-Trilogie deutlich, wie sehr sich die Wahrnehmung bestimmter Nerdfilme über Dekaden hinweg verändern kann. Wir wollen es dennoch versuchen, zumindest als vorläufig abschließendes Urteil; ohne Anspruch auf Endgültigkeit und wie immer ohne Anspruch auf Objektivität.

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Die besten Trash-Filme der 80er Jahre I

So… die Zeichentrickfilme haben wir endlich hinter uns gebracht. Zeit, wieder zu etwas Handfesterem überzugehen… TRASHHHHH! Und zwar solcher der feinsinnigen, unterhaltsamen Sorte. Alle hier geposteten Filme sind mal mehr mal weniger unfreiwilliger Ramsch. Aber irgendwie doch zu gut, um als schlechte Filme abgetan zu werden. Natürlich zählen dazu, SciFi-Klassiker wie der wunderbar cheesige Flash Gordon, aber eben auch der meiner Meinung nach komplett unterschätzte, epische Masters of the Universe. Für den richtig schlechten Geschmack gibt es Bad Taste, von einem Regisseur, der sich später komplett aus der Trash-Ecke rausinszenieren sollte. Und Troma darf natürlich auch nicht fehlen. Hier erst einmal vertreten mit dem Kultklassiker Toxic Avenger. Und wem das alles noch zu stilsicher ist, der dürfte mit dem vollkommen überdrehten Machwerk Buckaroo Banzai seine Freude haben.

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Die besten Zeichentrickfilme der 80er Jahre V

Auf zu den „Last but not least…“-Titeln, die 80er Trickfilmkunst betreffend. Da hat sich doch auch gleich noch ein Puppen-Animationsfilm unter die sonst ausnahmslos am Zeichenbrett entworfenen Empfehlungen geschmuggelt. Verdient gelistet zu werden, hat es Der dunkle Kristall allemal, auch wenn er eher zur „Style over Substance“-Fraktion gehört. Andere Titel im letzten Best-of für dieses Genres sind ähnlich streitbar. Sowohl der tapfere kleine Toaster als auch Mickey’s Christmas Carol lassen sich schon als kleine guilty pleasures meinerseits bezeichnen. Anders sieht es bei Totoro aus, der gewohnt niveauvolle Anime-Kunst aus den Ghibli-Studios abliefert, dieses Mal tatsächlich in erster Linie für die jüngeren und jüngsten Zuschauer. Und mit dem sperrigen Epos Daliás idök ist sogar was für die erwachsenen Kunstgourmets am Start.

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Die besten Zeichentrickfilme der 80er Jahre IV

Die etwas obskureren, etwas erwachseneren, vielleicht auch etwas unterbewerteten Filme habe ich mir für den vorletzten Artikel der 80er Zeichentrickretrospektive aufgespart. So richtiges Familienkino bietet keiner der hier gelisteten Filme. Stattdessen viel musicaleske Weirdness (Rock & Rule), opulente Fantasy (Fire and Ice), tragische Kriegsverarbeitungen (Die letzten Glühwürmchen), und außergewöhnlichen surrealen Symbolismus (Gwen et le livre de sable). Die Familie muss heute zu Hause bleiben.

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Die besten Zeichentrickfilme der 80er Jahre III

Da sind wir wieder… Und wieder mit Don Bluth… und wieder mit Walt Disney… und wieder mit Studio Ghibli… Was soll ich sagen, die waren allesamt in den 80ern einfach mal eine Institution. Mit Taran und der Zauberkessel werfen wir heute einen Blick auf eine der vergessenen epischen Disney Zeichentrickperlen. Mrs. Brisby und das Geheimnis von Nimh dagegen dürfte wohl den meisten Don Bluth Fans noch in sehr guter – verdienter – Erinnerung sein. Nausicaä gehört mittlerweile wohl ebenfalls eher zu den unbekannten Werken der Ghibli Studios… und das hat dieses Meisterwerk beim besten Willen nicht verdient. Ebenso wenig wie der düsterste Asterix-Film Operation Hinkelstein die Verachtung verdient hat, die ihm viel zu oft entgegengebracht wird. Der bekommt in diesem Teil unserer Retrospektive weitere europäische Unterstützung durch die – sehr offene – Bibelverfilmung In der Arche ist der Wurm drin.

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Die besten Zeichentrickfilme der 80er Jahre II

Nachdem wir im ersten Teil unserer 80er Retrospektive doch einen starken Fokus auf „erwachsenen“ Zeichentrick hatten, soll es in diesem Teil etwas familientauglicher zu Sache gehen. Aber keine Sorge, wir werden uns nicht nur klassischem Disney-Blockbusterkino der Marke Arielle widmen. Neben der exzentrischen, wilden Version des Disney-Kinos mit Ghiblis Das Schloss im Himmel haben es uns hier vor allem die Europäer angetan. Mit Walhalla findet eine gekonnte Verbrüderung nordischer Mythologie und traditioneller Familienunterhaltung statt, und mit Asterix bei den Briten dürfte wohl die beste Verfilmung der berühmten Goscinny- und Uderzo-Comics vorliegen. Und wenn es dann doch etwas ernster werden soll, gibt es mit Akira immer noch einen der besten Animes und asiatischen Science Fiction Werke der Filmgeschichte. Viel Vergnügen.

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Die besten Zeichentrickfilme der 80er Jahre I

Zeichentrickfilme sind nicht nur für Kinder… das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Neben den 70ern mit ihren wilden, anarchischen Comicverfilmungen von Ralph Bakshi  gehören die 80er wohl zu dem Trickfilm-Jahrzehnt, das diese simple Tatsache am besten unter Beweis stellt. Nicht jedoch wie die Dekade zuvor mit lauten, rüpelhaften Hippiealpträumen, sondern mit nachdenklichen, düsteren und auch komplexen Stoffen, die in Pastell getaucht werden. So wie das Antikriegsdrama Wenn der Wind weht, dessen Zielpublikum sogar jenseits der 30 oder 40 liegen könnte, oder auch das symbolistische Mär Das letzte Einhorn, in dem der Fantasybackground für eine sehr komplexe, psychologisch feinfühlige Erzählung dient. Selbst Kinder- und Familienfilme wie Herrscher der Zeit, Feivel der Mauswanderer und In einem Land vor unserer Zeit dürfen – Don Bluth und Moebius sei Dank – in diesem Jahrzehnt ihre dunklen, tragischen und spannenden Momente, jenseits des Disney-Wohlfühlkinos besitzen und voll auskosten. Es gibt also eine Menge großartiger Trickfilme aufzuarbeiten. Viel Spaß mit Teil 1:

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Die besten Filme 2017: Okja vom Parasite-Regisseur Bong Joon-ho

Wie politisch didaktisch darf ein Film sein, um dennoch noch als Film zu funktionieren? Wie sehr darf ein Film seinem Publikum Werte vermitteln oder dieses gar erziehen wollen, ohne zum bloßen Manifest zu werden? Was selbst beim dezidiert politischen Kino eine Frage der Abwägung ist, wird im Bereich des Action- und Abenteuerkino zu einer riskanten Gratwanderung: Immerhin will der durchschnittliche Zuschauer oder die durchschnittliche Zuschauerin in diesem Genre unterhalten werden. Und das Gefühl zu haben, einem pädagogischen Aufbau beizuwohnen, trägt nicht unbedingt zur Unterhaltung bei. Dass sich das südkoreanische Regiewunderkind Bong Joon-ho grundsätzlich wenig um Konventionen schert, hat er bereits mit seinen Filmen The Host (2006) und Snowpiercer (2013) unter Beweis gestellt. In beiden Filmen war er ausgesprochen politisch unterwegs, in beiden Filmen nutzte er das jeweilige Genre – Horror in dem einen, Science Fiction in dem anderen Fall – als Tableau für gesellschaftskritische, satirische Spitzen und großes menschliches Melodram. Da ist es nur folgerichtig, dass er sich in der Netflix-Produktion Okja (2017) das Abenteuer- und Fantasygenre sowie das Familienkino auf die selbe Weise vorknöpft… und wie in den beiden Vorgängerwerken überraschend erfolgreich damit ist.

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Die besten Filme der 80er Jahre: Die Reise ins Ich

Beim Wühlen durch mein Text-Archiv bin ich auf eine kleine Rezension gestoßen, die noch aus Popcultures-Zeiten stammt, die sich als Abschluss der 80er Action-Retrospektive aber auf jeden Fall gut eignet. Es geht um einen meiner liebsten 80er Jahre Filme, Die Reise ins Ich, den ich tatsächlich als Kind schon geliebt habe und der mir mit der Zeit erst peu à peu offenbart hat, wie viele Skurrilitäten und makabere Anspielungen in ihm stecken. Nur logisch, dass ich ihn vor einigen Jahren ordentlich textuell abgefeiert habe. Und auch wenn die folgende Rezension keine tiefgreifende Analyse, keinen besonderen Interpretationstwist und keine kritischen Gedanken bereithält, ist sie doch ein ganz schönes Dokument dafür, wie sehr ich die klassischen Blockbuster liebe, einfach, weil sie weitaus mehr Herz, Verstand und vor allem Mut besitzen als so mancher aktueller Hollywood-Schinken: Es folgt der Text von vor ungefähr fünf Jahren, nur leicht korrigiert, ich stehe aber nach wie vor 100% hinter jedem Begeisterungsschwall, der in ihm wohnt:

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Die besten Actionfilme der 80er Jahre I

Okay… genug mit den weniger schönen Seiten des US-Actionkinos der 80er Jahre auseinandergesetzt. Jetzt geht es an die Highlights. Und die kommen zwar auch hauptsächlich – aber nicht ausschließlich – aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Mit dem asiatischen Genre-Vertreter A Better Tomorrow revolutioniert John Whoo das Hongkong-Kino und kreiert mal eben noch auf eigene Faust ein autonomes Subgenre, den Heroic Bloodshed Movie. Mit Klischees des Asiatischen Lifestyles und einer ordentlichen Eastern-Hommage erschafft John Carpenter in Big Trouble in Little China einen schrillen Fantasy/Action-Hybriden, während er in Die Klapperschlange unter Beweis stellt, dass auch dystopische, düstere, morbide Töne durchaus in das Genre passen können. Ebenfalls fantastisch geht es im furiosen Die Reise ins Ich zu, während uns Auf dem Highway ist die Hölle los uramerikanische, nostalgische Action-Unterhaltung präsentiert, die noch tief in den 70er Jahren verwurzelt ist.

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Die besten Teenager-Filme der 80er Jahre: Teenwolf? – Ach ja, Teenwolf!

Wenn es um Teenagerfilme der 80er Jahre geht, gibt es viele High-School-Komödien, an denen man praktisch nicht vorbei kommt. Rod Daniels Teenwolf (1985) gehört nicht dazu.Und trotzdem hat sich der platte Comedy-Flick in den letzten Jahrzehnten nicht nur eine treue Fanbase aufgebaut, sondern sich sogar regelrecht zum Kultfilm entwickelt, in einem derart starken Maße, das mittlerweile gar ein Quasi-Remake als Serie produziert wurde, die dem „Klassiker“ zumindest den Titel nacheifert. Die Frage, warum der Low Budget Streifen, der damals vor allem von der Popularität des Hauptdarstellers Michael J. Fox profitierte, so erfolgreich war und ist, lässt sich neben der Rolle Fox‘ vor allem auf das regelmäßige Airplay zurückführen, in Deutschland zumeist im RTL2-Nachmittagsprogramm. Wie gesagt, den besten Ruf genießt der Film dabei nicht, über ihn lässt sich einfach hervorragend lästern (wovon ich gleich auch ordentlich Gebrauch machen werde), und dennoch ist er weitaus besser als sein Image, kein Meisterwerk aber immerhin eine plumpe, launige Teenie-Komödie, die über 90 Minuten durchaus sehr viel Spaß machen kann… Ach was solls, Teenwolf gehört einfach zu meinen guilty pleasures, den peinlichen 80’s-Favoriten, und warum das so ist, werde ich im Folgenden mit euch teilen.

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Die besten Filme 2018: Border von Ali Abbasi

Fast 100.000 Kontrollen von Menschen und Gütern führt die schwedische Zollbehörde Tullverket jährlich durch. Sie kassiert Zollabgaben und vereitelt den Schmuggel von Drogen und anderen illegalen Waren. Tina (Eva Melander) arbeitet als Zollbeamtin an einem Fährenübergang zwischen Dänemark und Schweden und gehört ohne Zweifel zu den besten ihres Berufes. Das liegt an ihrer außergewöhnlichen Gabe, Gefühle wie Scham, Schuld, Angst und Wut im wahrsten Sinne des Wortes riechen zu können. Tina indes würde ihre Gabe nie als solche betrachten, sondern viel mehr als Fluch: „Ich dachte als Kind, ich wäre etwas besonderes. Als ich erwachsen wurde, habe ich dann begriffen, dass ich nur ein hässlicher Mensch bin“, sagt sie, und bezieht sich damit auf ihr ungewöhnliches Äußeres: Mit ihrer hervorstehenden Nasen- und Augenpartie, mit ihrem markanten Kiefer und ihren aufgequollenen Lippen scheint ihre Physiognomie archaisch, fast urzeitlich. Ali Abbasis Film Border (2018) folgt dieser besonderen Frau auf ihrer Suche nach sich selbst und einem Platz im Leben. Er beobachtet sie nicht nur, er versteht sie auch, umgarnt sie. Aber er konfrontiert sie auch; mit all dem Schrecklichen, zu dem Menschen fähig sind, mit ihrer eigenen dunklen Vergangenheit und schließlich einer Parallelwelt, in der sie sich selbst findet und dazu gezwungen ist, sich zu entscheiden, wer sie sein will. Mit diesem über Genregrenzen hinausgehenden Porträt gelingt Ali Abbasi nicht nur einer der besten Filme des Jahres, sondern auch ein atemberaubender Hybrid aus Drama, Märchen, Mysterythriller und düsterem Horrorgemälde.

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Netflix-Filmempfehlung: Der Mann ohne Gravitation (2019)

Es gibt ein Subgenre im Bereich der romantischen Komödie oder des romantischen Dramas, das sich nicht erst seit Twilight großer Beliebtheit erfreut. Die Rede ist vom Liebesfilm mit fantastischem Twist. Und so formal das Romcom-Genre generell ist, so formal ist auch seine fantastische Unternische. Filme wie Die Frau des Zeitreisenden (2009), Der seltsame Fall des Benjamin Button (2008) oder Winter’s Tale (2014) folgen alle mehr oder weniger dem gleichen Muster: Kind mit irgendeiner übernatürlichen Eigenschaft zwischen Gabe und Fluch (praktisch immer männlich) verliebt sich in normales Kind (praktisch immer weiblich); sie verbringen wundervolle Kindheitstage miteinander, aber irgendwann trennen sich ihre Wege, bis sie sich im Erwachsenenalter wieder treffen. Dabei wird der Mann als der fantastische/begabte Part der Konstellation stets überhöht, die Frau wird mehr oder weniger zur Statistin im Leben des zentralen Protagonisten, der nicht nur lernt, mit seiner Außergewöhnlichkeit umzugehen, sondern in ihr auch die wahre Liebe findet. Ein nicht zu unterschätzendes Moment dieser Formalität ist, dass diese Filme – obwohl sie sich selbst eher an ein weibliches Zielpublikum adressieren – konsequent aus der männlichen Perspektive erzählt sind, selbst wenn sie in ihrem Titel mit einer weiblichen Perspektive werben oder ihre literarische Vorlage beide Perspektiven gleichberechtigt behandelt (beides ist bei der Frau des Zeitreisenden der Fall). Auch das italienische Netflix-Release Der Mann ohne Gravitation (2019) fällt in das Genre des Liebesfilms mit fantastischem Twist (Oder Fantasyfilms mit romantischem Fokus), und doch gelingt es diesem magisch realistischen Märchen sich in vielen Punkten von seinen amerikanischen Geschwistern abzuheben… im wahrsten Sinne des Wortes.

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Die besten Epen und Historienfilme der 80er Jahre III

Einen über Episches und Historisches aus den 80ern habe ich noch, auch dieses mal mit gewisser Schubladen- und Kategorien-Unschärfe. Natürlich ist Highlander dann doch auch ziemlich viel Fantasy-, Action- und Blockbuster-Kino. Natürlich ist Fitzcarraldo auch irgendwie Abenteuerfilm und Drama. Natürlich kann man über die Historizität von Am Anfang war das Feuer streiten. Und natürlich ist Au revoir, les enfants in erster Linie eine Tragödie historischen Ausmaßes gespiegelt in einem sehr persönlichen Kindheitsporträt. Zumindest auf das epische Moment von Die Bounty können wir uns einigen, oder? Auch wenn sich da natürlich wiederum eine Diskussion über die Qualität von Roger Donaldsons Historienepos anbietet. Well, ohne Streit wäre es ja auch ziemlich langweilig.

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