Schlagwort: Verschwörungsthriller

Under the Silver Lake (2018) – Morde, Puzzles und Verschwörungstheorien

Ich habe gerade, kurz bevor ich mit diesem Text begonnen habe, nach Under the Silver Lake gegoogelt. Einfach weil ich immer gerne IMDB-Eintrag und Wikipedia-Artikel eines Films während des Schreibens geöffnet habe, um schnell Namen und Daten nachschlagen zu können. Viel interessanter als jene ist in diesem Fall aber das, was Google als Fragen offeriert, die andere User im Zusammenhang mit diesem Suchbegriff gestellt haben. An erster Stelle ist diesbezüglich beim Suchmaschinenriesen zu lesen: What was the point of under the Silver Lake? Und das wiederum ist David Robert Mitchells Film in a nutshell. Mit Under the Silver Lake (2018) präsentiert der Regisseur des Post-Horror-Kultfilms It follows (2014) einen durch und durch verworrenen, konfusen Mysterythriller, der immer auf der Suche nach seinem Punkt, seinem eigenen Inhalt zu sein scheint, und am Ende entweder zum Achselzucken oder zum verzweifelten Googeln einlädt. Was zur Hölle will uns dieser Film sagen? Und wenn das so unklar ist, lohnt es sich überhaupt, ihn zu sehen?

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Die extremen, polarisierenden und kontroversen Filme der 90er Jahre II

Hier kommt sie, die zweite Ladung der provozierenden und extremen Filme der 90er Jahre. Düstere Destruktionen der amerikanischen Gesellschaft in Gummo, eine verstörende Mischung von Sex und Gewalt in David Cronenbergs Crash, politischer Aktivismus im verschwörungstheoretischen Gewand von Oliver Stone in JFK – Tatort Dallas, bewusster Dilettantismus und die Reduktion des Filmischen auf das Notwendige bis hin zur vollkommenen inszenatorischen Nacktheit bei Lars von Triers Idioten und schließlich Perdita Durango, der Mitreiter auf der Welle des Tarantinoesken Kinos, der mit seiner zugespitzten, ungebrochenen Sympathie für die gewalttätigen Protagonisten aus dem Gangsterkino der 90er heraussticht.

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Inherent Vice (2014) – Wenn Paul Thomas Anderson auf Thomas Pynchon trifft…

Ja mei, das ist schon ein bisschen so etwas wie eine US-Traumhochzeit: Thomas Pynchon, großer amerikanischer Autor und großes amerikanisches Mysterium der Postmoderne trifft auf Paul Thomas Anderson, einen der begabtesten amerikanischen Filmemacher der Jahrtausendwende und darüber hinaus. Dabei scheint das Zusammentreffen der beiden Künstler keineswegs ein selbstverständliches zu sein. Denn wenn wir ehrlich sind, haben die beiden eigentlich nicht viel gemein. Pynchon steht mit seinen obskuren, diversifizierten Romanen wie die Enden der Parabel oder Mason & Dixon für eine verspielte Verbindung von Pulp und Kunst, von Fantasy und großer Erzählung, von Mysterium, Spiritualität und ironischer Brechung. Paul Thomas Anderson auf der anderen Seite hat zwar auch seine verspielte Seite, ist aber eigentlich ein sehr strenger Regisseur, ein großer traditioneller Erzähler, der auf ausufernde Epen setzt, auf perfekt choreographierte Ensemblefilme, auf große Geschichten, die sich langsam zusammenfügen und mit viel Pathos zu einem wesentlichen Punkt kommen. Während Thomas Pynchon in seinen Werken ganz bewusst verloren geht – und das Publikum in diese Verlorenheit mit hinein zieht – will Anderson immer zum wesentlichen vordringen und scheint dabei mehr von der Literatur der Moderne inspiriert zu sein, als von dem, was Pynchon mit deren Erzähltechniken anstellt. Aber hier sind wir nun, Inherent Vice (2014), der große Filmerzähler setzt den großen literarischen Dekonstrukteur auf die Leinwand um. Und dann auch noch ausgerechnet das Werk von Pynchon, das laid-back ist wie kaum ein anderes seiner Werke. Traumhochzeit, ja, aber doch eine von der skurrilen, unerwarteten Sorte und mit offenem Ausgang…

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