Filmabend: Walt Disney vs. Zombies from Outer Space

Jepp, wir leben in Zeiten der Mashup-Kultur, des Zusammenpralls der Weltbilder und Ideen. Und was gibt es schöneres, als diesen Zusammenprall bei einem deftigen Filmabend zu forcieren und zu zelebrieren? Richtig: Heute wird alterniert. Disney – Zombies – Disney – Zombies… dazu ein knackiger Vorfilm, der Walt Disney auf kongeniale Weise mit den dunklen Seiten des Kinos konfrontiert… und jede Menge würziger, süßer, klebriger Speisen. Uns steht ein launiger, nerdiger und gut durchgeschüttelter Filmabend bevor. Viel Spaß!

Vorfilm:

Bambi meets Godzilla [Marv Newland]

(USA 1969)

Um gleich deutlich zu machen, wo die Reise hinführt, beginnen wir den Abend mit diesem äußerst kurzen, äußerst vergnüglichen Zusammenprall von Disneys Vorzeigereh Bambi mit der japanischen Horrorikone Godzilla. Nur zwei Minuten braucht es und die Fronten sind geklärt. There will be Blood Baby, wenn niedlicher Zeichentrick mit destruktiven Infernalen konfrontiert wird. Mit diesem dreisten Mashup, haben wir bereits den Rest des Abends eingetütet. Und das die Hauptfilmschlacht von Disneys größtem Kitsch-Meisterwerk eingeläutet wird, werden uns unsere Mitzuschauer auch schon irgendwie verzeihen. Immerhin ist klar: In der Harmonie sollte man es sich nie allzu gemütlich machen.

Wer nach diesem wirklich kurzen Intro noch nicht ganz befriedigt ist, dem kann zu einem – das Alternieren des Abends vorweggreifenden – Mashup aus einem schön kitschigen Silly Symphonies Film  (Empfehlung: Three little Pigs) und dem wunderbaren What to do in a Zombie Attack geraten werden.

Hauptfilme:

Arielle, die Meerjungfrau [John Musker, Ron Clements]

(USA 1989)

Und los gehts mit dem Hauptprogramm… Der gute alte Disney-Kitsch darf den Filmreigen eröffnen. Und wenn sich schon große, familiengerechte und bunte Trickfilmkunst mit Zombies duellieren muss, dann muss diese auch von allem mehr haben: Mehr Lebensgeilheit, mehr Romantik, mehr große Emotionen… Groß ist das Zauberwort, und von Größe hat die kleine Meerjungfrau mehr als genug. Da wird im Pathos des aquarinen Mondlichts die Sehnsucht vom Menschsein angestimmt,  da werden beim Gassenhauer „Unter dem Meer“ diverse Meeresfrüchte als Instrumente missbraucht, da wird eine Stimme und schließlich fast die Seele geraubt. Und das ist alles so bunt, kitschig, übersteuert und big as it gets, dass es die Untoten im Folgenden ganz schön schwer haben werden, ihren Schrecken zu verbreiten. Arielle ist Zelluloid-Emotion par Excellence. Gute Laune und rührendes Märchen auf Film gebannt. Ein gigantisches Trickmusical mit Humor, Liebe, einer äußerst attraktiven Protagonistin und viel viel Märchencharme. Disney hat vorgelegt, jetzt müssen die Kannibalen nachziehen…

Dawn of the Dead [George A. Romero]

(USA 1978)

Ja, ja… es ist schon ein wenig einfallslos an einem gepflegten Zombiefilmabend ausgerechnet diesen bekannten Klassiker herbei zu zitieren. Aber, verdammt nochmal, ohne Romero geht es nicht. Und wenn Arielle in kleine Fischfetzen zerlegt werden muss, dann schon richtig: Mit der vollen Schlagseite Gore, Satire, Splatter und einem ganzen Haufen Untoter, die entweder Jagd auf ihre Opfer machen oder eben von diesen durch ein riesiges Einkaufszentrum gejagt werden. Dazu noch eine suspekte Motorradgang, viele cheesy Soundeinlagen und Schockeffekte und natürlich – so wie es sein muss – langsam wandelnde und torkelnde, mitunter einfach nur schreiend komisch aussehende Untote. Dawn of the Dead ist eben nicht nur ein Klassiker sondern auch perfekte Horrorunterhaltung, mit meinetwegen oberflächlichen satirischen Spitzen, aber einfach ein grimmiger kleiner Wüstling von B-Movie-Bastard. Das Essen ist verdaut, der Kitsch überstanden? Dann schnell das Bier rausholen und ordentlich auf diesen wüsten Filmdämonen abfeiern.

Ein Königreich für ein Lama [Mark Dindal]

(USA 2000)

Und wenn die etwas gediegenere, dreckige, spröde 78er Low Budget Inszenierung müde zu machen droht, muss eben ein kurzer, knackiger, bunter und lauter Slapsticktrickfilm hinterher geschoben werden. Ein Königreich für ein Lama ist alles andere als ein simpler Disney-Spaß für die gesamte Familie. Die Verwandlung eines arroganten Prinzen in ein Lama, die Läuterung zum besseren Menschen und die skurrile Freundschaft zu einem einfachen Bauern ist eine Achterbahnfahrt der Extraklasse, die sich kaum Ruhepausen gönnt: Rasant, komisch, disneyuntypisch teilweise ziemlich erwachsen, auch mal munter über ein paar Metaebenen hüpfend. Danach dürften wir wieder wach sein und uns auf das Nachtprogramm einstellen…

Nach(t)programm:

Plan 9 from Outer Space [Ed Wood]

(USA 1959)

…und dieses besteht aus Trash. Aus der Urform des Trash sozusagen. Nachdem Walt Disney und die wandelnden Toten abgedeckt sind, fehlt eben nur noch die Gefahr aus dem Weltall. Und diese spendiert uns niemand geringeres als das verkannte Genie Ed Wood: Ufos an Schnüren, grotesk wechselnde Tageszeiten, zusammengebastelte Szenen, die überhaupt keinen Sinn ergeben und Untote, die von intergalaktischen Strahlen angetrieben werden. Der Prolog spendiert uns bereits eine ordentliche Vorwarnung, aber keinesfalls eine ausreichende Vorbereitung auf den folgenden grotesken B-Movie-Trip. Die Weicheier dürfen zu den zahllosen Filmfehlern, Ungereimtheiten und albernen Dialogen sanft entschlummern, während die wahren Cineasten dieses Freudenfest der Schlechtigkeit genießen, sich wie in einem großen Puzzle auf die Suche nach Anzeichen filmschafferischen Wahns und Dilettantismus machen. Wie auch immer: Plan 9 from outer Space lässt den Abend gediegen mit der nötigen Portion Absurdität ausklingen.

Kulinarisches:


Minipizzen

Schnell soll es dieses Mal gehen, immerhin haben wir ein ganz schön langes Filmprogramm vor uns. Schmecken soll es trotzdem… und selbstgemacht ist für einen ordentlichen Filmabend auch irgendwie Pflicht. Also backen wir uns Minipizzen, die im besten Fall den ganzen Abend vorreichen. Basics sind natürlich die minimalistischen Tomaten, Mozzarella, Oregano Pizzen, wie sie zum Beispiel bei der Hüttenhilfe im Rezeptbuch stehen. Wer es etwas gediegener mag, der wird hier fündig: Lachs und Kaviar auf einer Pizza?… Ja auch das geht in Fast-Fingerfood-Form. Ansonsten sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Mit Schmand, Birnen, Gorgonzola und optional Walnüssen kann man einen sehr leckeren, deftig süßen Flammkuchen zaubern. Ansonten funktionieren auch die klassischen Zutaten immer: Oliven, Parmesan, Parmaschinken, Salami, Pepperoni und so weiter. Ganz nach Gusto. Empfohlen wird jedenfalls der richtige Mix. Wenn sich zwischen die deftigen Pizzen ein paar süße Variationen schmuggeln, ist das perfekt, um vom Zombiealptraum zum bunten Disney-Genuss überzuwechseln.

Süßkram

Klar, zu Disney und Zombies gehört Süßkram. Werbung soll hier zwar nicht gemacht; aber es gibt nichts besseres als eklig, klebriges Picco Balla von Haribo. Gummibärchen und ähnlicher Kram sind bei diesem Programm auch an der richtigen Stelle. Für die notwendige deftige Auflockerung sorgt gesalzenes Popcorn, oder wenn es etwas exotischer sein soll Spicy Popcorn, Gewürzvariationen sind auch hier keine nur geschmackliche Grenzen gesetzt

Getränke

Es wurde schon mehr als einmal angemerkt: Die Kombination klebrig süß und herzhaft deftig regiert den Abend: Herbes Bier, aufgelockert mit diversen süßen Erfrischungsgetränken… Klingt eklig? Ist es auch, passt aber perfekt zu einem Disney/Zombie-Mashup. Bier + Cola + Energy + whatever… wem das zu eklig ist, der darf auch zum klassischen Hefegetränk greifen. Dann aber von der würzigen Sorte: Kilkenny zum Beispiel. Für die Antialkoholiker gibt es Club Mate und diverse andere Aufwecker… der Abend wird immerhin lange dauern.

Atmosphäre:

Da braucht es eigentlich wenig: Zur musikalischen Einstimmung gibt es die passende Mischung aus Metalhammer und großem Pathos. Alternative Metal Klassiker von System of a Down empfehlen sich hier ebenso, wie die etwas exotischeren – noch wahnsinnigeren – Sleepytime Gorilla Museum oder die etwas vergessenen Crossover-Spinner Dog Fashion Disco.  Auch zu Serj Tankians Soloalben wie zum Beispiel Imperfect Harmonies kann bedenkenlos gegriffen werden.

Eckdaten:

Filmabend: Walt Disney vs. Zombies from Outer Space

Geeignete Mitgenießer: Gute Kumpels. Irgendwie ist das schon so ein Abend für kleine Jungs, inklusive gemeinsamem Schwärmen für Arielle und Erfreuen an blutigen Zombieattacken. Wem das zu wenig ist, der kann zusätzlich seine Freunde von der Filmhochschule einladen und mit diesen über Sinn und Unsinn des alternierenden Programms, sowie Schnittpunkte zwischen Disney- und Zombiefilmen (oh ja, die gibt es!) diskutieren.

Programm: 1 Kurzkurzfilm, 4 Langfilme + Essen während der Vorführung

Dauer: ~7 Stunden

Empfohlener Beginn: 20 Uhr

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Erstveröffentlichung: 2011