Schlagwort: Actionkomödie

Die besten Actionfilme der 70er Jahre II

Nachdem in der letzten Actionretrospektive vor allem die Exploitationseite und auch so manche düstere Ausgeburt des spektakulären Kinos die Liste dominierte, wird es dieses Mal deutlich leichtfüßiger und auch leichtherziger. Die Vertreter in dieser Liste könnten (teilweise fast, teilweise gut und gerne) auch dem Subgenre der Actionkomödie zugeordnet werden. Ihre Actionszenen werden ergänzt von einem gewitzten Augenzwinkern und einer ordentlichen Portion Humor, der jedoch nie zu böse oder gehässig daherkommt. Gerade Burt Reynolds war damals für so manchen spaßigen, albernen Actioneer gut und ist in dieser Liste gleich zweimal vertreten: Als Autonarr Bandit in dem prototypischen Car-Chase-Movie Ein ausgekochtes Schlitzohr und als grimmiger Stuntman Hooper in Um Kopf und Kragen. Aber auch Clint Eastwood – eigentlich alles andere als bekannt für seine humoristische Seite – darf in Der Mann, der niemals aufgibt beweisen, dass er durchaus Spaß verstehen kann, auch wenn dieser Film dann doch zu mitreißend ist, um als bloße Action/Comedy durchzugehen. Und in Convoy offenbart Countrysänger Kris Kristofferson nicht nur seine komödiantische sondern auch seine melodramatische Seite, und darf dabei sogar ein bisschen politisch werden.

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Die besten Heist-Filme der 70er Jahre

Da wären wir also… bei einem von zwei Nachschlägen für das Crime und Thrillergenre. Bei den folgenden beiden Bestenlisten sträubt sich in mir alles so ein wenig, von Thrillern zu reden, da die besten Filme daraus nicht so wirklich in die Thrillerschublade passen. Die deutsche Sprache böte als Oberkategorie „Krimi“ an (worin wiederum die meisten Thriller fallen dürften), aber das klingt so sehr nach Tatort, dass ich auch diesen Begriff so weit es geht vermeiden möchte. Anyway, Gott sei Dank müssen wir uns in beiden Fällen nicht um die Hauptkategorie kümmern und können stattdessen mit der Subkategorie operieren: Die heißt in diesem Fall Heist Movies. Also, was macht einen guten Heist Film aus? Wie der Name schon sagt – „Heist“ kommt aus dem amerikanischen Raum und lässt sich mit Raubüberfall übersetzen – stehen große Überfälle im Zentrum dieser Filme. „Heh!“ mag jetzt so mancher zurecht einwenden: „Geht es bei Hundstage nicht auch um einen Raubüberfall? Den hast du einfach zum generischen Thrillergenre gepackt! Und was ist mit The Getaway? Auch bei den Thrillern gelandet!“ Ja, dieser Einwand ist vollkommen berechtigt; und ich kann nur nochmal wiederholen: Fragt nicht zu sehr nach Konsistenz. Aber um trotzdem für die Aufnahme von jenem Film und das Übergehen von einem anderen Film zu argumentieren: Ein wirklich gelungener Heist Movie stellt vor allem die Vorbereitung und perfekte Ausführung des Verbrechens in den Mittelpunkt. Seine Kriminellen sind Künstler, Virtuosen, denen das Publikum bei ihrer amoralischen Arbeit gebannt zuschaut. Sie sind meistens Sympathieträger und oft genug wünschen wir uns, dass der ganze Plan aufgeht, unabhängig davon wie moralisch falsch er ist. Und als Sahne obendrauf bieten gute Heist-Movies im besten Fall auch noch ne Menge Humor, Augenzwinkern und kommen soweit es geht ohne Gewalt aus. Perfekte Musterbeispiele für diese Genrejuwelen sind Der Clou, Das große Dings bei Brinks oder Der Millionenraub. Das Heist-Movies aber auch etwas brutaler sein können beweisen die französischen Genre-Speerspitzen Der Coup sowie das düstere Gangsterepos Vier im roten Kreis. Und wenn das Genre einmal komplett auseinander genommen werden soll, ist The Silent Partner, der als spannender Bastard aus Thriller, Heist und zynischer Gesellschaftskritik ebenso bei den guten Hitchcock-Filmen stehen könnte…

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Alle James-Bond-Filme der 70er Jahre – Wie sehenswert sind sie?

Sein Name ist Bond, James Bond. Eigentlich sollte an dieser Stelle eine Top-Liste der besten Agentenfilme und Spionagethriller der 70er Jahre folgen. Diese sei noch einmal kurz hinten angestellt, weil ich bei der entsprechenden Recherche festgestellt habe, dass ich die James Bond Filme des Jahrzehnts überhaupt nicht mehr sortiert und qualitativ zugeordnet kriege. Was macht man in so einem Fall und Lockdown-geschädigt also? Natürlich Binge Watching. Ich habe mir nochmal alle Verfilmungen der Agentensaga von Ian Fleming angeschaut, dabei festgestellt, dass ich einige Bond-Movies der 70er Jahre noch gar nicht kannte, und versuche nun im Folgenden diese einzuordnen. Dabei stehen die Fragen im Raum: Worum geht es im jeweiligen Film? Wie ist er? Und für wen ist er sehenswert beziehungsweise nicht sehenswert? Insgesamt fünf 007-Filme (hauptsächlich mit Roger Moore in der Rolle des Geheimagenten) gibt es auf diese Fragen abzuklopfen. Und da diese ohnehin ihr eigenes Genre bilden (Nicht so wirklich Thriller, nicht so wirklich Action, nicht so wirklich Spionagefilm) wollen wir keine weitere Sekunde verschwenden und uns gleich ins Agentengetümmel stürzen.

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Funktioniert immer noch ganz gut: Jumanji 2 – The Next Level (2019)

Zu den größten Überraschungen des Remake-, Reboot-, und Sequelwahns des letzten Jahrzehnts gehört ohne Zweifel die Quasi-Fortsetzung und Neuinterpretation des 90er Jahre Fantasyklassikers Jumanji (1995), die unter dem adrenalingeladenen Titel Jumanji: Welcome to the Jungle (2017) im Kino lief. Eigentlich besitzt der Film alles, was nach einem kompletten Desaster schreit: Die Nostalgie des Vorläufers komplett über Bord geworfen, aus dem Brettspiel ein Videospiel gemacht, kreischende Action und kreischende Comedy, gegen die das Original fast schon subtil wirkt, und Wrestler Dwayne „The Fucking Rock“ Johnson in einer Lead Role. Umso überraschender, wie spaßig, unterhaltsam und auch selbstironisch dieser Fantasyflick zwischen Blockbusteraction und alberner Komödie geworden ist. Dank eines augenzwinkernden The Rock Auftritts, Dank eines unvergesslichen Jack Black im Genderswap, Dank zahlloser Referenzen und dekonstruktiver Momente ist Welcome to the Jungle deutlich spaßiger und mitreißender, als zu erwarten war. Und da der Film Dank eines Box Offices von über 950 Millionen Dollar verflucht erfolgreich war, ist es nur logisch, dass er mit einer Fortsetzung bedacht wird. Und da ist sie auch schon, nur zwei Jahre später unter dem verheißungsvollen Titel Jumanji: The Next Level (2019). Und wieder denkt man sich nicht nur klammheimlich: Dieses Mal müssen sie es aber verkacken. Die Fortsetzung eines Quasi-Reboots mit noch lauterem Titel? Noch mehr Edgyness? Noch mehr Action? Noch mehr The Rock? Das kann doch nur schief gehen.

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Cobra Kai und der amerikanische Traum

Zu den eher älteren, berühmt gewordenen, Youtube-Videos gehört ein nicht ganz fünfminütiges Video-Essay mit dem Titel The Karate Kid: Daniel is the REAL Bully. In diesem knöpft sich J. Matthew Turner den Teenager-Kampfsportklassiker Karate Kid (1984) vor und dreht dessen Handlung einmal von innen nach außen. Karate Kid ist eigentlich die Geschichte des fünfzehnjährigen Daniel LaRusso, der mit seiner Mutter nach Los Angeles zieht und dort Opfer des brutalen Bullys und Karatekämpfers Johnny Lawrence wird. Im Laufe des Films lernt Daniel den Sensei Mr. Miyagi kämpfen und es gelingt ihm mit dessen Hilfe, seine Karatefähigkeiten zu verbessern, neues Selbstvertrauen zu gewinnen und schließlich in einem Karateturnier seinen Widersacher zu besiegen. In Turners Analyse liest sich die Geschichte anders: Daniel ist ein Angeber, der trotz seiner physischen Unterlegenheit Johnny immer wieder provoziert, Mr. Miyagi verprügelt Jugendliche und nur mit unfairer dämonischer Magie können sie schließlich das Turnier gewinnen. Über zehn Millionen Klicks hat das Video seit seiner Veröffentlichung 2015 gesammelt und mit der Hilfe der Serie Cobra Kai (2018) dürften nicht wenige dazugekommen sein. Cobra Kai setzt in unserer Zeit an, gut 45 Jahre nach den Geschehnissen des Films, erzählt jedoch aus einer neuen Perspektive. Protagonist ist dieses Mal Johnny, der Antagonist folgerichtig Daniel. Mit diesem einfachen Kniff wird die Youtube-Serie, die mittlerweile von Netflix übernommen wurde und die dritte Staffel hinter sich gebracht hat, zu einer großartigen Auseinandersetzung mit Nostalgie, Kampfsport und dem amerikanischen Traum.

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First Love (2019) von Takashi Miike – Zwischen Yakuzathriller und tarantinoesker Actionkomödie

Die Filme von Takashi Miike sind immer ein Hit or Miss. Und das wird wohl auf immer so bleiben. Gut hundert Filme umfasst mittlerweile die Vita des anscheinend nie müde werdenden japanischen Regisseurs. Die meisten davon sind so spitz auf ein (asiatisches) Nischenpublikum zugeschnitten, dass sie in der westlichen Hemisphäre kaum wahrgenommen wurden und werden. Und obwohl Miike immer wieder zu seinen Liebelingsgenres, dem Samuraifilm und dem Yakuzathriller, zurückkehrt, so wildert er doch daneben in allen Genres, die ihm vor die Füße fallen: Horror, Fantasy, Musical, Experimentalfilm, Superheldenkomödie, Splatter… es scheint nichts zu geben, was vor den Händen des ebenso talentierten wie speziellen Regisseurs sicher ist. Umso erfreulicher, wenn dann doch hin und wieder ein Film von ihm das Licht der Welt erblickt, der auch unseren Sehgewohnheiten entgegenkommt und mehr traditioneller Filmkunst denn experimentellem Wahn entspricht. So ist es nun auch in seinem jüngsten Werk dem Yakuzathriller First Love (2019) der Fall. Aber gewöhnlich bedeutet in Miikes Œuvre immer noch alles andere als gewöhnlich. So lässt sich First Love zwar angenehm schauen und ist nicht all over the place, man sollte sich aber dennoch auf deutlich mehr als gewöhnliche Actionthriller-Kost einstellen.

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Ein Experimentalist als Actionregisseur – Free Fire (2016) von Ben Wheatley

Ben Wheatley ist ein Biest. Und er ist dafür bekannt, alles andere als mainstreamtauglich zu sein. Das liegt vor allem daran, dass er sich für gewöhnlich Genres und Sujets greift, die eigentlich viel zu groß für sein übliches Budget sind, und diese auf ganz eigensinnige Art und Weise erzählt. So zertrümmert er das Historienepos mit seinem klaustrophobischem Irrritt A Field in England (2013), verwebt einen Auftragskillerfilm mit Elementen des Post Horror in Kill List (2011) oder macht aus der Science Fiction Dystopie High-Rise (2015) ein bizarres Sittengemälde, in dem eine klinische Sterilität peu à peu apokalyptischem Wahnsinn weicht. Letzterer spielt wie die Romanvorlage in den 70ern und dieses Jahrzehnt scheint es dem Regisseur angetan zu haben. Denn auch sein jüngster Streich Free Fire (2016) spielt in der Dekade nach dem Sommer der Liebe. Dieses Mal hat sich Ben Wheatley ausgerechnet das Action- und Ganovenkino als Plateau für seine Spielereien ausgesucht, ein Genre, das nicht unbedingt dazu prädestiniert scheint, durch den experimentellen Wheatley-Fleischwolf gedreht zu werden. Aber für Überraschungen war das Biest Wheatley schon immer gut…

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Die besten TV-Serien der 80er Jahre III

Und weiter geht es mit den besten Fernsehserien der 80er Jahre. In die dritte Retrospektive haben sich mit der deutschen Comedyserie Kir Royal und der pulpigen Detektivgeschichte Magnum gleich zwei Guilty Pleasures eingeschlichen. Auch bei der Nominierung der Kultserie MacGyver spielt Nostalgie eine nicht zu unterschätzende Rolle. Deutlich extravaganter, origineller und hochwertiger, als beim Blick auf die bloße Prämisse vermutet werden kann, ist dagegen Das Model und der Schnüffler. Und mit Die nackte Pistole gibt es dann auch noch eine äußerst kurzlebige, damals kaum beachtete, retrospektiv betrachtet aber umso stärkere Spoofserie. Wie auch in den letzten Retrospektiven gilt: Zeitgemäßes, Zeitloses, kaum Gealtertes und stark Gealtertes liegen hier dicht beisammen. Viel Spaß!

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Die besten Kinderserien der 80er Jahre III

Einen haben wir noch: In der letzten Kinderserien-Retrospektive begegnen wir mainstreamtauglichem ebenso wie Schrägem und sogar Surrealem. Aus Deutschland überrennt uns eine auf Kinderaugen perfekt zugeschnittene Bizarrerie mit Hals über Kopf, anschließend lassen wir uns von eigentlich so gar nicht ins Kinderprogramm passendem Symbolismus im Anderland verzaubern. Etwas traditioneller und bunter geht es bei den Amerikanern mit Inspector Gadget und den Muppet Babies zu. Und irgendwo dazwischen (und zugleich komplett ab vom Schuss) bewegt sich das herrlich naive Fantasypanorama Doctor Snuggles. Und wenn wir damit durch sind, können wir uns endlich der erwachsenen TV-Unterhaltung der 80er Jahre widmen. Und diese ist ebenfalls – wie das Kinderprogramm – deutlich abwechslungsreicher und qualitativ hochwertiger als gemeinhin erinnert wird.

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Die besten Filme der 80er Jahre für Musikliebhaber

Ich glaube, ich habe schon in einem der letzten Artikel mit Musikliebhaberfilmen erwähnt, dass Musicals so überhaupt nicht mein Genre sind. Dementsprechend sind sie auch in dieser Retrospektive nicht besonders präsent. Müssen sie auch gar nicht: Wer Musik und gleichzeitig Filme mag, ist keineswegs auf das naheliegendste und damit auch irgendwie ödeste Genre-Crossover angewiesen: Warum nicht stattdessen großartige Slapstick-Action mit viel Coolness, viel Humor und vor allem viel Rock N Roll (Blues Brothers)? Oder überlange surreale Musikvideos (The Amazing Mr. Bickford, The Wall), gerne auch dramatisch, pathetisch und voll mit Attitüde (Purple Rain). Oder warum nicht eine der besten Mockumentarys aller Zeiten (This is Spinal Tap)? Und wenns dann doch musicaleske Unterhaltung sein soll, kann ich zumindest Forbidden Zone anbieten… das wiederum ist aber auch ein Musical wie kein Zweites und passt somit perfekt in diese Reihe schriller, verquerer und ungewöhnlicher Filme.

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Die besten Western der 80er Jahre?

Für gewöhnlich erhalten die Titel meiner Bestenlisten kein Fragezeichen. Was Western in den 80er Jahren betrifft, muss ich allerdings eine Ausnahme machen. Um das gleich als Disclaimer voraus zu schicken: Ich bin nicht der größte Westernfan. In der Zeit, in der ich groß wurde, den mittleren bis späten 80er Jahren, waren Western immer irgendwie Papa-Filme. Meistens in Schwarzweiß, praktisch immer mehrere Dekaden alt, Filme von Regisseuren und Schauspielern, die ihre beste Zeit lange hinter sich hatten. Western war in diesem Jahrzehnt immer ein historisches kein aktuelles Genre. Die Renaissance der Wildwest-Geschichten im Neo Western lag noch einige Jahre entfernt in der Zukunft und die großen Klassiker hatten ihr Zenit längst überschritten. Und dann gab es ja auch noch, ausgerechnet zum Beginn des Jahrzehnts das größte Genredisaster, das man sich vorstellen kann: Das Epos Heaven’s Gate (1980) hat nicht nur den Ruf, ein Studio fast in den Ruin getrieben und die Karriere seines Regisseurs zerstört zu haben. Darüber hinaus gilt er auch als der Todesstoß für das Genre… zumindest für eine gewisse Zeit. Was E.T. für die Videospielwelt in Atari-Zeiten, das ist Heaven’s Gate für das Westerngenre: Ein Werk so desaströs, das es – zumindest der Legende nach – das Potential hatte, eine ganze Kultur unter sich zu begraben.

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Ready or not – Auf die Plätze, fertig, tot (2019)

Achja, bei einer Filmrezension verhält es sich gar nicht so viel anders als bei einem Roman, einer Novelle, einem Gedicht oder Drama oder sonst irgendeiner Textsorte. Der Einstieg scheint immer am schwersten. Das ist in den seltensten Fällen die Schuld des Films sondern viel mehr die des Rezensenten. Irgendwann hat man eben das Gefühl jeden erdenklichen Start gewählt zu haben (auch wenn das nie stimmt), irgendwann hat man doch das Gefühl, sich nur noch zu wiederholen. In diesem Fall versucht man dann Abwechslung in den Text zu bringen, indem man darüber schreibt, wie schwer es doch ist zu schreiben (was auch ziemlich Käse ist, aber Harald Martenstein in seiner Phase zwischen „Netter Kolumen-Papa“ und „Heh, ab sofort bin ich Wutbürger“ ganz gut über die Runden gebracht hat). Oder man macht das, was ich in diesem Fall – nach diesem absolut überflüssigen Intro – tuen werde: Man gibt dem Film selbst die Schuld an der Schreibblockade. Im Fall von Ready or not (2019) fällt dies alles andere als schwer, denn diese kleine Horrorkomödie gibt nicht viel Raum etwas über sie zu erzählen. Dafür ist sie einfach zu generisch, zu überraschungsarm, zu straight forward. Das ist in dem Fall gar nicht mal böse gemeint. Mit seinem netten Plot, mit seinen skurrilen Figuren und seiner sauberen Inszenierung klettert Ready or Not irgendwie schon über den Durchschnitt, aber er bleibt doch arm an Tiefe und Originalität.

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Die besten Filme 2017: Dave Made a Maze (Splatter/Horror/Fantasy/Comedy-Hybrid)

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mir Gedanken über die Folgen des Videothekensterbens für die „Direct to DVD“ oder „Best Performance on DVD“- oder noch allgemeiner Indie-Filmkategorie mache. Und es wird mit Sicherheit nicht das letzte Mal sein. Ich glaube auch nach wie vor, dass die langfristigen Folgen dieses Prozesses noch nicht vollkommen zu überblicken sind, und dass ebenso noch nicht ausgemacht ist, ob es sich um positive oder negative Folgen (oder von beidem ein bisschen was) für diese Nische der Filmwelt handelt. Streaming ist die neue Realität, mit der sich alle „Direct to DVD“-Produzenten und darüber hinaus alle Filmproduzenten überhaupt auseinandersetzen müssen. Insbesondere, weil durch den Wegfall der Videotheken nicht einfach ein Verbreitungskanal wegfällt, sondern vor allem einer, der ganz bestimmten Gesetzen zu gehorchen schien, von denen viele Filme profitieren konnten. Manche, zum Beispiel die deren Hauptvermarktungsstrategie der „Fehlgriff“ im Videothekenregal zu sein schien (* Hust Asylum), etwas mehr, andere etwas weniger. Leid tun kann es einem vor allem um jene engagierten unabhängigen Werke, die – selbst wenn sie einen Kinorelease hatten – schon immer davon lebten, im Videothekenregal (wieder-)entdeckt zu werden und dort durch Mund-zu-Mund-Propaganda von der unbekannten Indie-Perle zum Kultfilm aufzusteigen: Filme wie Evil Dead oder Donnie Darko (wahrscheinlich einer der letzten dieser Art), die offene Videothekenbesucher brauchen, die auch mal neben die üblichen Verdächtigen greifen. Und genau ein solcher Film, dem ein Videothekenrelease mit Sicherheit extrem gut getan hätte, der nun aber in einer Streamingwelt um die Aufmerksamkeit des Publikums kämpfen muss, ist Dave made a maze (2017), der gut zwei Jahre brauchte, um überhaupt in Deutschland anzukommen.

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Die besten Filme der 80er Jahre: Die Reise ins Ich

Beim Wühlen durch mein Text-Archiv bin ich auf eine kleine Rezension gestoßen, die noch aus Popcultures-Zeiten stammt, die sich als Abschluss der 80er Action-Retrospektive aber auf jeden Fall gut eignet. Es geht um einen meiner liebsten 80er Jahre Filme, Die Reise ins Ich, den ich tatsächlich als Kind schon geliebt habe und der mir mit der Zeit erst peu à peu offenbart hat, wie viele Skurrilitäten und makabere Anspielungen in ihm stecken. Nur logisch, dass ich ihn vor einigen Jahren ordentlich textuell abgefeiert habe. Und auch wenn die folgende Rezension keine tiefgreifende Analyse, keinen besonderen Interpretationstwist und keine kritischen Gedanken bereithält, ist sie doch ein ganz schönes Dokument dafür, wie sehr ich die klassischen Blockbuster liebe, einfach, weil sie weitaus mehr Herz, Verstand und vor allem Mut besitzen als so mancher aktueller Hollywood-Schinken: Es folgt der Text von vor ungefähr fünf Jahren, nur leicht korrigiert, ich stehe aber nach wie vor 100% hinter jedem Begeisterungsschwall, der in ihm wohnt:

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Die besten Actionfilme der 80er Jahre II

Nachdem der erste Artikel doch ziemlich von den skurrilen, fantastischen Genre-Hybriden dominiert war, folgen nun die Cop-Actioneers, Männerfreundschaften und vor allem Actionkomödien.  Mit Nur 48 Stunden entsteht zu Beginn der Dekade das seitdem äußerst beliebte Genre des Buddy Movie, dessen Formeln auch kurz darauf auf Lethal Weapon und seine Fortsetzungen angewandt werden. Mit Beverly Hills Cop landen Motive des Blaxploitation im großen Blockbuster-Kino: Das ist dann zwar mitunter stereotyp, voller Klischees und überzeichnet bis zum Proto-Rassismus, macht aber dennoch verdammt viel Spaß. Das asiatische Kino stellt mit dem Hongkong Martial Arts Feuerwerk Police Story unter Beweis, dass unterhaltsame Popcorn-Action nicht zwangsläufig aus den USA kommen muss. Und oh Wunder, selbst der very britische Klassiker James Bond hat im 80er Actionkino noch was zu melden, gerade durch die dreckige Runderneuerung in Die Lizenz zum Töten.

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Die besten Actionfilme der 80er Jahre I

Okay… genug mit den weniger schönen Seiten des US-Actionkinos der 80er Jahre auseinandergesetzt. Jetzt geht es an die Highlights. Und die kommen zwar auch hauptsächlich – aber nicht ausschließlich – aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Mit dem asiatischen Genre-Vertreter A Better Tomorrow revolutioniert John Whoo das Hongkong-Kino und kreiert mal eben noch auf eigene Faust ein autonomes Subgenre, den Heroic Bloodshed Movie. Mit Klischees des Asiatischen Lifestyles und einer ordentlichen Eastern-Hommage erschafft John Carpenter in Big Trouble in Little China einen schrillen Fantasy/Action-Hybriden, während er in Die Klapperschlange unter Beweis stellt, dass auch dystopische, düstere, morbide Töne durchaus in das Genre passen können. Ebenfalls fantastisch geht es im furiosen Die Reise ins Ich zu, während uns Auf dem Highway ist die Hölle los uramerikanische, nostalgische Action-Unterhaltung präsentiert, die noch tief in den 70er Jahren verwurzelt ist.

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Die besten Abenteuerfilme der 80er Jahre II

Weiter geht es mit den besten Abenteuerfilmen der 80er Jahre, dem letzten Jahrzehnt, in dem dieses Genre tatsächlich noch eine gewisse Relevanz sowohl für Arthaus- und Independent- als auch das große Blockbuster-Kino hatte. Wer weiß, vielleicht erleben wir ja demnächst doch noch einmal ein etwas größeres Revival abseits von lahmen Piratenfilm-Ablegern. Bis dahin denken wir wehmütig an die gute alte Zeit zurück, als Indiana Jones und der letzte Kreuzzug sowie die Jugendversion des Abenteuer-Popcorn-Kinos Die Goonies Fantasy, Epik und Action perfekt unter einen Hut brachten, als Mosquito Coast, Greystoke und Wenn die Wölfe heulen sich in Zivilisationskritik und Überhöhung des natürlichen, kreatürlichen Leben übten, und die Zeit in der Im Rausch der Tiefe die Standards für ein beeindruckende Naturaufnahmen und herausragende Kameraführung neu definierte. So viel Nostalgie muss sein…

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Die besten Abenteuerfilme der 80er Jahre I

Neben all den großen und kleinen Genre-Irrungen und Wirrungen steht für die 80er Jahre eins fest: Sie waren die letzte Dekade der wirklich großen Abenteuerfilme des Blockbuster- und Independentkinos. Und was für ein tolles Jahrzehnt waren sie für dieses Subgenre! Schatzjagden, Erkundungen im Dschungel, in Wüsten und auf Meeren, spannende Familienunterhaltungen und düstere Reisen in die Herze der Finsternis. Es erfüllt schon mit Wehmut, dass dieses ausufernde Genre in den folgenden Jahrzehnten kaum noch Berücksichtigung geschweige denn Anerkennung fand. Abenteuerfilme, wie die hier genannten, bewegen sich immer an der Grenze zwischen Action, Spannung und Fantasy. Gerade der letzte Aspekt kann sich auf vielfache  Weise niederschlagen, sei es in mythologischen Bezügen wie im ersten Indiana Jones Jäger des verlorenen Schatzes, in tatsächlich fantastischen Szenarien wie im zweiten Teil der Reihe Der Tempel des Todes oder sei es in fantastischen Wirklichkeitsverklärungen wie in Crocodile Dundee oder Piraten. Näher an der Realität, weiter weg vom Fantastischen – aber alles andere als naturalistisch – sind da schon der vergnügte Comedy Clash of the Cultures Die Götter müssen verrückt sein sowie der spannende Ökothriller Der Smaragdwald. Für ein sehnsüchtiges in die Ferne schweifen, sind sie allesamt geeignet, und großartige Filme noch obendrein.

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Filme der 90er Jahre: Stay Tuned

Nur die besten Filme der 90er zu würdigen, wäre doch etwas wenig… Es folgen ab sofort immer mal wieder kleine Artikel zu Filmen, die mich in irgendeiner Form in den 90ern cineastisch beeinflusst haben: Filme, an die ich mich abwechselnd mit wohligem Schauer und blankem Entsetzen zurück erinnere. Filme, mit denen ich ne Menge Nostalgie verbinde, die zugleich aber in keine Kategorie der offiziellen Retrospektive so richtig reinpassen wollen. Stay Tuned (1992) ist ein solcher Fall: Bei weitem nicht gut genug, um bei den besten Komödien des Jahrzehnts gelistet zu werden, nicht trashy genug, um bei den Trash-Filmen ein Wörtchen mitzureden, aber auch eben nicht schlecht genug, um bei den schlechtesten Filmen aufzutauchen. Im Grunde genommen eine klassische, durchschnittliche 90er-Komödie made in USA. und doch verbinde ich mit dem Film schöne Erinnerungen. Und ja, er gehört auch irgendwie zu meiner cineastischen Sozialisation. Und ja, trotz seiner … naja … Durchschnittlichkeit ist der Film doch sehenswert: Einfach als perfekte Parodie auf den TV-Wahn und die kruden Fernseherzeugnisse des Jahrzehnts.

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Die besten Actionfilme 2017 – Baby Driver von Edgar Wright

Hand aufs Herz: Das US-Actionkino steckt schon ein bisschen in der Krise. Abgesehen von den konstant guten Marvel-Überfliegern (die wiederum zu viel von allem sind, um schlicht als Actionfilme abgetan zu werden) gibt es kaum noch Genrebeiträge, die wirklich Neues zu erzählen oder zumindest auf neue Art zu erzählen haben. Eine Ausnahme bilden die Filme von Edgar Wright (Hot Fuzz, Scott Pilgrim versus the world, Star Wars: The last Jedi), die es zwar nie darauf anlegen, Actionfilme zu sein, es aber meistens weitaus mehr krachen lassen als Michael Bay und Anhang. Edgar Wright weiß einfach, wie man einem Film ‚Wumms‘ gibt und vor allem, wie man gleich mehrere ‚Wümmse‘ in Folge inszeniert, ohne dabei den Zuschauer mit Redundanz zu langweilen. Am besten hat Wright dabei eigentlich immer genau dann funktioniert, wenn er sich und seine Action nicht im Geringsten ernst genommen hat (Man denke nur an die Cornetto-Trilogie). Dass es auch anders geht, beweist er nun mit der furiosen Actionthrillerkomödie Baby Driver, die ähnlich wie seine vorherigen Filme mit einem dicken Augenzwinkern beginnt, nach hinten hinaus aber erstaunlich ernst und spannend wird.

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Überraschend gut – Jumanji: Willkommen im Dschungel (2017)

In einer Liste von „Filmen, die nun wirklich kein Remake brauchen“ würde Jumanji (1995) vielleicht nicht ganz oben stehen, vorhanden wäre er aber ohne jeden Zweifel. Irgendwie scheint er dafür doch zu sehr Kind seiner Zeit zu sein, als tierreicher Fantasyflick, als klassisches 90er Jahre Post-Jurassic-Park CGI Effektgewitter, als brave familientaugliche Komödie mit nervigen – ziemlich nutzlosen – Kindern und natürlich als Vehikel für Robin Williams, der als Kind im Körper eines Erwachsenen albern lustige Akzente setzen darf. Außerdem gab es bereits mit Zathura (2005) einen ziemlich misslungenen Abklatsch als „Jumanji in Space“, Robin Williams ist mittlerweile verstorben und Remakes genießen heutzutage – Dank der letzten Filmjahre – alles andere als einen guten Ruf. Thema abgehakt, Danke, Nächster bitte… …

… Okay… nochmal auf Anfang. Jumanji: Welcome to the Jungle (2017) ist – hurra? – kein Remake, sondern versteht sich viel mehr als Fortsetzung; oder als Film, der im selben Universum wie Jumanji spielt; oder zumindest als Film, der Titel und Prämisse benutzt, um etwas neues zu erzählen. Ganz sicher ist sich Regisseur Jake Kasdan da wohl selbst nicht so. Ist aber auch nicht so wichtig. Denn trotz Remake-Attitüde und „fehlende Originalität“-Stigma gehört Jumanji zu den überraschendsten guten Blockbustern des Jahres und tatsächlich zu den besseren Remakes Reboots Whatever der letzten Zeit.

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The LEGO Movie (2014) – Viel besser, als er eigentlich sein sollte…

Nein, wirklich jetzt! Es gibt eine klare Regel, was Filme betrifft, die nur als Vehikel dienen, um ein Produkt zu verkaufen. Diese Regel lautet, die entsprechenden Filme haben schlecht zu sein. Von Masters of the Universe über The Wizard bis hin zum Playmobil Film. Im Grunde genommen sind sie ein eigenes Filmgenre: Product Placement Movies oder viel mehr Product Movies, bei denen von vornherein klar ist, was sie wollen und wozu sie dienen: Sie kurbeln die Verkäufe an, sorgen für Umsätze und Gewinne, und dementsprechend benötigen sie keinerlei Qualitäten, die darüber hinausgehen. Also, was erlaubt sich dieser verfluchte The LEGO Movie (2014)? Wie kann er es sich erlauben, gut zu sein? Nein schlimmer, wie kann er es sich erlauben mehr zu sein als ein Animationsfilm zum Verkauf von Lego-Spielzeugen? Er macht doch eigentlich alles richtig: Er nennt sich nach dem Produkt, dass er verkaufen will, er ist ein riesiges Showreel über Figuren, Bausets, Stücke; und er packt sogar einige lizenzierte Produkte mit hinzu, von Batman bis Star Wars. Wie kann er sich da nur erdreisten, auch noch verflucht viel Spaß zu machen, ja sogar intelligent, hintergründig, feinfühlig und bewegend zu sein? Es ist mir ein Rätsel, was durch den Kopf der Macher Phil Lord und Chris Miller gegangen sein muss, als sie aus dem Lego Product Movie einen echten Film gemacht haben. Ein Rätsel, dem man dann doch mal auf den Grund gehen sollte…

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