Horrorfilme

Post-Horror gehört ohne jeden Zweifel zu den spannendsten Genreentwicklungen der letzten Jahre. Auch auf dieser Seite wurde schon viel über
Ich schreibe wirklich gerne positive Dinge über gute Filme. Und da es mir mit der Zeit immer schwerer fällt, negativ
Es gibt einfach Filme, die komplett aus der Reihe tanzen. Sie lassen sich nicht richtig einem Genre zuordnen, sie scheinen
Zwölf Horrorbestenlisten der 70er Jahre haben wir jetzt hinter uns, Zeit noch einmal kurz zusammenzufassen, was das unheimliche Kino der
Was soll ich sagen...? Die 70er Jahre waren wirklich eine großartige Dekade für den Horrorfilm, vor allem für all jene
Zwei Horrorfilm-Bestenlisten hätte ich noch, bevor wir zu anderen Genres weitergehen können. In dieser hier geht es nun wirklich bunt
Ach ja, die lieben Kleinen. Sie sind es, die im Mittelpunkt unserer zehnten 70er Jahre Horror-Bestenliste stehen. Es gab nicht
Horrorfilme sind immer auch ein Spiegel ihrer Zeit. Von der Auseinandersetzung der Deutschen mit dem erstarkenden Faschismus im Cabinet des
Bei einem groben Blick auf die besten Horrorfilme der 70er Jahre könnte einen der Verdacht erschleichen, dass in dieser Dekade
Das schöne an meiner Arbeit an denn 1970er Filmretrospektiven ist, dass ich einiges an Filmen nachholen kann, die ich aus
Und weiter geht es mit den besten Horrorfilmen der 70er Jahre, im Gegensatz zu den vorangegangenen Bestenlisten dieses Mal nun
Ich weiß, ich weiß. So wirklich konsistent bin ich bei der Durchnummerierung meiner Bestenlisten nicht. Aber ich gebe mir Mühe.
Dass der Giallo in den späten 70er Jahren seinem Ende entgegenging, ist bezeichnend für die generelle Entwicklung des Horror-Nischenkinos der
Wenn man von unheimlichen Genrekino der 70er Jahre sprechen will, muss man auch vom Giallo sprechen. Das bringt mich persönlich
Und weiter geht es mit den besten Vampirfilmen der 70er Jahre. Auch dieses Mal mit eher traditionellen Variationen des Dracula-Stoffes,
Na denn... ich habe mir fest vorgenommen bei den 70er Jahre Bestenlisten kleinteiliger vorzugehen als bei den vorherigen Jahrzehnten. Und
Nachdem in der ersten 70er Jahre Horror-Retrospektive die Wissenschaft und Technik im Fokus standen, ganz konkret im Genre des SciFi-Horrors,
In der letzten Science Fiction Bestenliste der 70er Jahre habe ich noch darüber lamentiert, dass ich nicht weiß wo ich
Unternehmen wir eine kleine filmische Zeitreise: Nachdem das Horrorgenre in den 90ern ziemlich orientierungslos vor sich hin vegetierte, kam es
Achja, bei einer Filmrezension verhält es sich gar nicht so viel anders als bei einem Roman, einer Novelle, einem Gedicht
Poststrukturalismus, Postmoderne, Postrock, Postwestern, Post Post something... die Zeit der Poststationen sollte doch eigentlich mal so langsam vorbei sein und
Tja... wollen wir so etwas überhaupt gerade sehen? Gute Frage. Ich denke durchaus. Wenn man schon zu Hause eingeschlossen ist,
Wir leben in goldenen Zeiten für Horrorfilmliebhaber. Seit schon längerer Zeit kommen praktisch jedes Jahr mindestens ein oder zwei Filme
Should pale death, with treble dread, make the ocean caves our bed, God who hears the surges roll, deign to
Ja, okay... so ein bisschen irreführend und clickbaity ist der Titel dieser Rezension ja schon. Passt damit aber auch hervorragend
Das Kind (James Quinn Markey) sitzt da und schaufelt einfach nur Spaghetti in sich hinein. Schlürfend, gierig aufziehend, so wie
Ach ja, es hätte so schön werden können... Wenn es einen Roman gibt, der eine zweite Verfilmung verdient hat, ja
Wenn etwas nachts kommt, dann ist es vor allem die Dunkelheit. Vielleicht auch die Einsamkeit, die quälende Beschäftigung mit sich
Es ist nicht so, dass wir Mitteleuropäer Genrekino nicht könnten, wir tuen es einfach zu selten. Es gibt eine gewisse
Gehen wir mal kurz davon aus - und es spricht einiges dafür - dass die Kategorie Post Horror wirklich eine
Okay... ähnlich wie bei den Fantasyfilmen der 80er Jahre fühle ich mich geradezu dazu verpflichtet, diesen Artikel nachzuschieben, allein um
Neben Michael Myers und Freddy Krueger dürfte Jason Voorhees zweifellos zu den größten Ikonen des Slasher-Genres und des 80er Jahre
Die besten Horrorfilme der 80er Jahre... Klappe die Sechste und Letzte. Wir verabschieden das Jahrzehnt mit einer ganz hochkarätigen Riege
Bald sind wir durch mit den Horrorfilmen der 80er Jahre... und ich habe wieder festgestellt, dass gerade dieses Genre in
In Teil vier darf es wieder etwas bissiger, gehässiger und auch blutiger zugehen... Für eine ganze Ladung Innereien und blutiger
Wir pendeln weiter zwischen Hollywood-Grusel und Independent-Horror. In der dritten 80er Horror-Retrospektive wird es zumindest kurzfristig wieder "etwas" braver, berechenbarer
Nachdem bei der letzten Horror-Retrospektive primär brav gruseliges bis episches Horrorkino dran war, drehen die nun auftauchenden Horrorfilme deutlich an
Während es bei den Fantasyfilmen der 80er Jahre die schräge Albernheit ist, die die Filme von damals aus heutiger Sicht
"Doppelgänger", ein Wort, das aus dem Deutschen stammt und es in zahllose andere Sprachen geschafft hat. Von den Gebrüdern Grimm
Dass ich zu Paperhouse (1988) jetzt doch noch ein paar Worte über die Kurzrezension der ersten 80er Retrospektive hinaus verlieren
So wirklich leicht hat es Darren Aronofsky einem nie gemacht, ihn einfach zu mögen. Dafür hat er sich seit jeher
Der ungewöhnliche, gegen den Strich gebürstete Horrorfilm boomt derzeit gewaltig. Nein, an dieser Stelle werde ich mich nicht schon wieder
Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit einem guten Freund, in dem dieser mich daran erinnerte, dass ich wohl einst
Dem Mainstream-Erfolg der Conjuring-Reihe und der Verliebtheit des Feuilletons in den so genannten Post Horror sei Dank: Das Genre boomt
Genau! Was ist eigentlich mit den ganzen Schlitzern und Stechern, den maskierten Mördern, den masskarierten Teenagern und traditionellen Regeln? Immerhin
In der Dialektik der Aufklärung (1944) nutzen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno den Begriff der Kulturindustrie um die Entwicklung
Jepp, wir leben in Zeiten der Mashup-Kultur, des Zusammenpralls der Weltbilder und Ideen. Und was gibt es schöneres, als diesen
Nachdem der Horrorfilm in der Frühzeit des Kinos - und ein gutes Stück darüber hinaus - ein sehr beliebtes Genre
Netflix-Filme... und man weiß immer noch nicht so ganz, woran man ist. So ein klassisches Hit or Miss eben. Eine
Anstatt dich über Altersgrenzen  Gedanken zu machen, sollten die FSK und MPAA  mal lieber über wirklich sinnvolle Ratings nachdenken. Wie
Verdammt noch eins! Ich war mir sicher, ich würde diesen Film lieben oder hassen. Ich war mir sicher ein Mittelding
Im Jahr 2017 spielte die Verfilmung von Stephen Kings epischem Horrorroman ES eine große Rolle bei der Beantwortung der Frage,
Wir machen weiter mit unserer 90er Horrorretrospektive und erwähnen gleich zweimal den King of Horror, Stephen King. Darüber hinaus allerlei
Im Vergleich zum 00er Horrorjahrzehnt stinken die 90er schon gewaltig ab... Während es im neuen Jahrtausend ein großartiges Zombie-Revival, eine
Selten in den Jahren zuvor waren sich Horrorfilmfreunde und Kritiker derart einig: Noch bevor das Kinojahr zu Ende geht, eigentlich
Nach den besten Fantasyfilmen des Jahrzehnts bleiben wir noch kurz im phantastischen Bereich. Grusel- und horrortechnisch ist so manches passiert
Es gibt Filme, über die man im Vorfeld nicht zu viele Worte verlieren sollte. Jede genaue Inhaltsangabe, jede inhaltliche Auseinandersetzung
Ein polnischer Regisseur dreht mit internationalen Darstellern einen englischsprachigen Film im geteilten Berlin der frühen 80er Jahre. Was in der
Es gibt eine sehr bezeichnende Stelle in Happy Deathday (2017), praktisch gegen Ende des Films: Dort wird nämlich von einer
2016 war ein gutes Jahr für die Verknüpfung von Horror und Young Adult Drama. Unter anderem mit dem folkloristischen Antimärchen
Das mythologische Erbe des Christentums hat dem Horrorfilm einen großen Fundus an Motiven und Schreckensbildern hinterlassen, durchaus auch problematische. Denn
Es ist ja so, egal wie man es dreht und wendet: Die Hauptaufgabe eines Horrorfilms besteht darin, sein Publikum zu
Genau so schwer wie seine Protagonisten ist das Genre des Zombiefilms totzukriegen. Nach dem großen Revival der 2000er Jahre und
Verdammt nochmal, ich liebe diese Serie! Ich liebe, liebe, liebe sie! American Horror Story gehört für mich zu den großen
Also dann... Auf zum Walking Dead Rant! Beim zweiten Artikel dieser Art ist es vielleicht ein bisschen verfrüht von einem
Es ist schon eine Crux mit den lange Zeit nach den Originalen nachgeschobenen Fortsetzungen... Und gerade in den letzten Kinojahren
Scream war angeblich von Anfang an als Trilogie angelegt. Ob diese Behauptung Wes Cravens und seines Stabes der Wahrheit entspricht,
Wes Craven muss schon ganz schön dicke Eier haben oder ein hoffnungslos naiver Optimist sein, dass er es sich tatsächlich
Das große Horrorrevival des letzten Jahrzehnts war neben der Kommerzialisierung des Torture Porns durch Remakes wie "The Hills have Eyes"

Kritik zu Relic – Dunkles Vermächtnis (2020): Wann wird Post-Horror zum Schema?

Post-Horror gehört ohne jeden Zweifel zu den spannendsten Genreentwicklungen der letzten Jahre. Auch auf dieser Seite wurde schon viel über das Subgenre geschrieben und über diverse Filme, die sich diesem mal mehr mal weniger gut zuordnen lassen. Aber wie bei jeder spannenden Genreentwicklung, wie bei jedem kurzfristigen Genretrend, ergibt sich irgendwann die Frage: Wann führt der Versuch dazuzugehören zum Formelhaften? Ab wann wirken Filme des gerade noch frischen Genres plötzlich schematisch? Wann hört die Originalität auf und wann beginnt das Klischee? Diese Fragen können einem unweigerlich im Kopf herumspuken (Pun intended), wenn man sich Relic – Dunkles Vermächtnis (2020) widmet. Denn dieser macht eigentlich alles, was zum Genre dazugehört: Horror als parabolische Auseinandersetzung mit dem emotionalen und psychischen Verfall. Dazu noch in einer kleinen, dysfunktionalen Familie. Garniert mit ein wenig Surrealismus; irgendwo zwischen Psychothriller und übernatürlichem Horror, langsam erzählt und mit radikaler Eskalation im Finale. Also alles so weit so gut. Bleibt die erwähnte Frage: Reicht es auch dieses Mal für gediegenen Horror, oder geht es doch eine Spur zu weit zur Konvention?

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Kurzrezensionen: Framing Britney Spears, Army of the Dead, Oxygen, We summon the Darkness

Ich schreibe wirklich gerne positive Dinge über gute Filme. Und da es mir mit der Zeit immer schwerer fällt, negativ oder mit einer gewissen „meehh“-Grundhaltung über schlechte, durchschnittliche oder gerade mal okaye Filme zu schreiben, könnte man zumindest hier im Blog dem Irrtum erliegen, ich würde diese gar nicht mehr zu Gesicht bekommen. Aber tatsächlich sehe ich ne Menge davon, oft mehr als mir lieb ist. Und um dem vielen Überschwang und Lob, die ich hier wöchentlich verteile, ein bisschen Negativität entgegenzustellen, kommt hier mal ne kleine Sammlung von Kurzrezensionen zu ein wenig „Ausschussware“, die ich in den letzten Wochen gesehen habe. Zumindest bei einem Film in dieser Reihe ist der Begriff „Ausschussware“ dann doch ziemlich ungerecht, da für ihn durchaus eine Sehempfehlung ausgesprochen werden kann. Und bei einem zweiten Film reicht es allemal für ein „Kann man machen!“. Ansonsten ist das hier rezensierte Material aber ziemlich unterwältigend. Nichts, was wirklich schlecht wäre, aber auch nichts, was das Publikum umhauen könnte. Aber um wenigstens einmal kurz – zumindest für einen Artikel – im Jahr 2021 wirklich über aktuelle Filme zu schreiben… hier ein paar 2021er Werke, kurz rezensiert, kurz abgefertigt und der Vollständigkeit halber… Viel Spaß.

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Die besten Filme der 70er Jahre: Was mache ich denn jetzt mit dir, Hausu?

Es gibt einfach Filme, die komplett aus der Reihe tanzen. Sie lassen sich nicht richtig einem Genre zuordnen, sie scheinen selbst nicht zu wissen, ob sie nun experimentell sind, poppig oder trashig, ob sie unterhalten oder zum Nachdenken anregen wollen. Manchmal weiß man selbst nicht so genau, ob man es mit einem ausgeklügelten sinnstiftenden Werk, einem Fiebertraum oder gar einer künstlerischen Trollerei zu tun hat. Die 70er Jahre sind voll von diesen Filmen, und doch sticht einer dabei ganz besonders heraus. Hausu (1977) von Nobuhiko Obayashi: Kitschig bunter, unschuldiger Schulmädchenreigen, skurriler Fantasytrip, dazwischen immer mal wieder Experimentalfilm, der mit dem Surrealismus flirtet, oft genug alberner Trash und als Überbau eine bizarre Spukhausgeschichte mit herumfliegenden Köpfen und Zeichentrick-Gespenstern. Ich hatte diesen Film die ganze Zeit auf dem Schirm beim Zusammenstellen der 70er Jahre Bestenlisten, und bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, in welche Liste ich packen könnte. Irgendwie passt er ehrlich gesagt in keine Liste so richtig, vielleicht am ehesten in die Liste der besten Filme mit dem Titel Hausu (was wiederum eine ziemlich kurze Liste wäre). Also bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als diesem bizarren Gruselgemälde einen eigenen Artikel zu widmen. Und ohne zu viel zu spoilern: Es gibt mehr als genug zu schreiben über diesen Film, egal ob man ihn nun mag oder nicht.

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Horrorfilme der 70er Jahre: Ein Überblick

Zwölf Horrorbestenlisten der 70er Jahre haben wir jetzt hinter uns, Zeit noch einmal kurz zusammenzufassen, was das unheimliche Kino der Dekade auszeichnet. Natürlich wohnt der Kategorisierung eines Kinojahrzehnts immer ein wenig Willkür inne. Filmische Trends haben sich nie beim Wechsel von einer Dekade zur nächsten einfach so geändert. Und auch wenn bestimmte Kunstzeiträume bestimmte Charakteristika aufweisen, so gibt es doch ebenso viele Charakteristika, die diesen entgegenstehen, ihnen widersprechen oder sie herausfordern. Die Filmgeschichte steckt wie die Kunstgeschichte allgemein voller Ambivalenzen, holprigen Entwicklungen und sich widersprechenden Trends. Gerade im Horrorkino der 70er Jahre wird dies offensichtlich. Das unheimliche Filmjahrzehnt ist ein Jahrzehnt der ästhetischen, dramaturgischen und narrativen Umbrüche, aber auch ein Jahrzehnt der Traditionspflege. Selbst wenn sich damals dezidiert neue filmische Phänomene entwickelten, so findet man doch zu jeder vermeintlichen Revolutionierung des Genres mindestens zehn andere Filme, die äußerst konservativ daherkommen, zu jedem neuen Topos findet man mindestens fünf ganz klassische Topoi. Wir wollen trotzdem versuchen, so gut es geht herauszuarbeiten, was die damalige Dekade auszeichnet, was die Themen, Motive und Stilmittel des 70er Jahre Horrorfilms waren.

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre XII

Was soll ich sagen…? Die 70er Jahre waren wirklich eine großartige Dekade für den Horrorfilm, vor allem für all jene Zuschauer, die auf schräge, trashige und absonderliche Horrorkost stehen. Aber eben nicht nur. Neben all den blutigen, dreckigen, Low Budget Exploitation- und Gorefesten, bei denen man nicht immer weiß, wie ernst man sie nehmen soll oder wie ernst sie sich selbst nehmen, gab es so manchen nachdenklichen, intelligenten, subtilen, dramaturgisch ausgefeilten Genrefilm. In diesem Artikel kommen diese noch einmal exponiert zur Geltung: Da wäre das ausgetüftelte, makabere Sektendrama The Wicker Man, da wäre die Verquickung von realer Mordserie mit vampirischen Motiven in der Zärtlichkeit der Wölfe, da wäre die Aufarbeitung von Verlust und Tod innerhalb der Kernfamilie in Wenn die Gondeln Trauer tragen und da wäre der Aufschrei gegen politische Unterdrückung im wütend anarchischen Anti-Zombie-Zombiefilm The Crazies. Immerhin ein wüster Hybrid aus Gaga-Exploitation, infantilem Abenteuer und hysterischem Horrorschinken hat sich dann doch noch in die letzte Retrospektive verirrt. Phantasm aka Das Böse nimmt sich irgendwie ernst und irgendwie auch wieder nicht und markiert die Geburt eines der markantesten Monster in der jüngeren Horrorfilmgeschichte.

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre XI

Zwei Horrorfilm-Bestenlisten hätte ich noch, bevor wir zu anderen Genres weitergehen können. In dieser hier geht es nun wirklich bunt und durcheinander zu, sowohl was Subgenres als auch Stil und Atmosphäre betrifft. Symptoms pendelt irgendwo zwischen Psychothriller, Giallo und Geisterhorror, ob Rabid nun ein Vampirfilm, SciFi-Horror oder Bodyhorror ist, lässt sich ebenfalls nicht so einfach beantworten. Equinox dagegen scheint auf den ersten und auch den zweiten Blick Trash zu sein, antizipiert aber eine Menge wilder Horroraction, wie wir ihr deutlich später in den 80ern wiederbegegnen werden. Die Wiege des Bösen dagegen ist deutlich weniger trashig als sein Titel und das groteske Filmmonster, das in seinem Zentrum steht, erahnen lassen. Bei so viel Wildheit tut es dann doch ganz gut, am Schluss noch eine straighte Geistergeschichte vorgesetzt zu bekommen: The Amityville Horror mag nicht ganz so originell wie die anderen hier vertretenen Filme sein, dafür liefert er aber grundsoliden Grusel ab und transferiert das traditionelle Spukhausthema sehr gekonnt in ein modernes Setting.

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre X

Ach ja, die lieben Kleinen. Sie sind es, die im Mittelpunkt unserer zehnten 70er Jahre Horror-Bestenliste stehen. Es gab nicht wenige von ihnen im unheimlichen Kino der Dekade, und das auch in allen Altersstufen und allen Schattierungen: Von mordlustigen Kinderbanden (Ein Kind zu töten…) über degenerierte kleine Monster (Die Brut) bis zu unsicheren Teenagern, die in ihrer Pubertät mehr entdecken als sexuelles Verlangen und Akne (Carrie). Dabei schälen sich gerade in dieser Zeit zwei sehr spezifische Varianten des infantilen Schreckens heraus. Zum einen der Blick auf Kinder als das pure Böse, so zum Beispiel im satanischen Klassiker Das Omen, zum anderen Kinder und Jugendliche als Opfer äußerer Einflüsse, die ihnen die Unschuld rauben und sie zu Monstern machen, am prominentesten vertreten durch den Besessenheitsklassiker Der Exorzist. In Variante Nummer Eins sind es die Erwachsenen, die ihre Haut gegen den blutrünstigen Nachwuchs verteidigen müssen, in der zweiten Variante ist der Nachwuchs sowohl Opfer als auch Täter und befindet sich schließlich im Kampf gegen seine Umwelt und sich selbst. Auf die ein oder andere Weise, die lieben Kleinen konnten uns im Horrorkino der 70er Jahre eine verfluchte Angst einjagen.

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His House (2020) auf Netflix – Horror als Flucht- und Asyl-Parabel

Horrorfilme sind immer auch ein Spiegel ihrer Zeit. Von der Auseinandersetzung der Deutschen mit dem erstarkenden Faschismus im Cabinet des Dr. Caligari über die Verarbeitung des japanischen Traumas der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki in den Godzilla-Filmen bis hin zur Widerspiegelung des Konservatismus der Reagan-Ära im amerikanischen Slasherfilm der 80er Jahre waren Horrorfilme immer politisch: Egal ob progressiv, konservativ oder regressiv, das unheimliche Kino eignet sich einfach bestens dafür, ohnehin schon vorhandene Ängste zu multiplizieren oder in fantastischen Schrecken zu transferieren. Auch wenn in den letzten Jahren durch den Post-Horror öfter von einer Politisierung oder zumindest Repolitisierung des Genres die Rede war, so finden sich in der Geschichte des Horrorfilms doch durch alle Epochen politische Motive, teils im Subtext, oft genug aber auch ganz direkt in der Motivik einzelner Filme. Umso erstaunlicher ist es, dass die Flucht- und Migrationsbewegungen in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre bis dato im gruseligen Film kaum verarbeitet wurden. Der Netflix-Film His House (2020) von Newcomer Remi Weekes ist ein Gruselschocker, der genau dies tut. Er rückt die Geflüchteten in das Zentrum seiner Handlung und erzählt ihre Traumata aus ihrer Perspektive; als düstere Spukgeschichte, irgendwo zwischen Horrormär und beängstigender Parabel.

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre IX

Bei einem groben Blick auf die besten Horrorfilme der 70er Jahre könnte einen der Verdacht erschleichen, dass in dieser Dekade alles Genrerevolution, Genreevolution und Genresubversion war. Das ist natürlich nicht der Fall: Auch wenn damals mit dem Slasherfilm, dem Terrorkino, den spirituellen übernatürlichen Gruslern und den Zombieendzeitfilmen viele neue Subgenres das Licht der Welt erblickten, auch wenn viele traditionelle Horrortropes so langsam Filmgeschichte wurden, so gab es in den 70er Jahren doch einige Traditionslinien die fortgeführt wurden. Viele der daraus entstandenen Horrorfilme sind einfach zu schnarchig, zu sehr Schema F, um einen Platz in den Bestenlisten zu finden, aber ein paar der alten Säcke sind doch überraschend stark ausgefallen. Diesen soll in der aktuellen Retrospektive ein kleines Denkmal gesetzt werden. Zu den filmischen Traditionalisten gehören natürlich ohne Frage die Hammerstudios, die mit Dr. Jekyll und Sister Hyde ein unerwartetes Highlight abliefern. Ebenfalls sehr klassisch fällt Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes aus, der Gothic Horror und Killerfabel zu wunderbar altmodischem Murder Mystery Grusel verbindet. Geschichten aus der Gruft wiederum greift weit zurück auf die gleichnamigen EC Comics der 50er Jahre. Und Landhaus der toten Seelen schließlich erzählt mit einer Spukhausgeschichte einen Topos, der damals auch eher zum alten Eisen zu gehören schien. Alle zusammen beweisen, dass der Zeitgeist nicht immer überholt werden muss, um große Kunst zu schaffen…

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Horrorfilme der 70er Jahre: Gore Gore Girls – …What the Hell, Herschell Gordon Lewis?

Das schöne an meiner Arbeit an denn 1970er Filmretrospektiven ist, dass ich einiges an Filmen nachholen kann, die ich aus welchen Gründen auch immer bis dato nicht gesehen habe. Es hat etwas zutiefst befriedigendes in das Œuvre einzelner Regisseure und Genres einzutauchen und diese einmal „durchzuspielen“. Tja, und dann stehe ich jetzt hier mit dem wohl am meisten gelobten Film von Herschell Gordon Lewis, The Gore Gore Girls (1972), und ich weiß beim besten Willen nicht, was ich dazu schreiben soll. Um ehrlich zu sein, noch bevor ich den Film gesehen habe, habe ich ihn bereits in die Liste der potentiellen Top-Kandidaten gepackt, bin fest davon ausgegangen, dass er es verdient bei den besten genannt zu werden, hat doch dort immerhin auch Lewis‘ Wizard of Gore (1970) einen festen Platz und gehört in der Tat zu meinen liebsten Splatterfilmen überhaupt. Also kann doch ein Film vom gleichen Regisseur zwei Jahre später nicht verkehrt sein… Oder? Oder? Sorry, egal was ich gerade schreiben will, mir fällt nur eine Frage ein: What the Hell? The Gore Gore Girls gehört wahrscheinlich zu jenen Filmen, die man entweder liebt oder hasst. Und ich kann nur sagen: Ich hasse ihn. So richtig, aus tiefstem Herzen. Dabei kaufe ich Herschell Gordon Lewis sogar ab, dass er sich mit dem Film einen Spaß erlauben wollte, dass er einfach mal schauen wollte, was im Splatter noch möglich ist. Aber Jesus Christ! Muss das auf diese Art geschehen? Es hilft ja alles nicht, jetzt habe ich ihn schon gesehen, diese 90 Minuten gibt mir keiner wieder, und wenn ich das schon durchgestanden habe, kann ich mir wenigstens den Frust von der Seele schreiben.

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre VIII

Und weiter geht es mit den besten Horrorfilmen der 70er Jahre, im Gegensatz zu den vorangegangenen Bestenlisten dieses Mal nun wirklich mit einer Zusammenstellung, der kein klares Subgenre zugewiesen werden kann. Also dann, einfach nur vier Horrorfilme aus der Dekade, die – aus unterschiedlichen Gründen – durch und durch sehenswert sind. Mit The Wizard of Gore und dem wahrscheinlich besten Film der Splatterlegende Herschell Gordon Lewis. Mit Dawn of the Dead und dem ziemlich sicher besten Zombiefilm der Dekade und einem der besten Filme von Zombielegende George A. Romero. Mit The Hills have Eyes und dem womöglich besten Terrorfilm der 70er Jahre und einem der besten Filme von Horror-Legende Wes Craven. Und last but not least mit Deathdream alias Dead of Night und dem wahrscheinlich besten vergessenen Horrorfilm der Ära und zudem dem besten Film vom kanadischen Regietausendsassa Bob Clark (der von Black Christmas bis Porky’s so ziemlich jedes Genre bedient hat, dass das Kino der 70er und 80er Jahre kennt). Blutbäder, ausgeweidete Körper, Untote und mörderische Hillbillies… Eigentlich alles, was man vom Horrorkino der 1970er erwarten kann…

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Die besten Horrorfilme der 70er Jahre VII

Ich weiß, ich weiß. So wirklich konsistent bin ich bei der Durchnummerierung meiner Bestenlisten nicht. Aber ich gebe mir Mühe. Wenn ich den Giallo jetzt mal pauschal zum Horrorgenre zähle (wo er nur partiell reingehört), und die vier Nischenlisten, die ich bereits gemacht habe, mitzähle, wäre das dann die siebte Liste mit den besten Horrorfilmen der Dekade. Um das nochmal kurz zusammenzufassen: 1.) SciFi-Horror2.) Tier- und Naturhorror3.) Vampirfilme I4.) Vampirfilme II5.) Giallo-Filme I6.) Giallo-Filme II … und jetzt eben Liste Nummer Sieben, die nicht so konsequent einem Subgenre verpflichtet ist wie ihre Vorgänger. Das liegt in dem Fall daran, dass das Subgenre, das hier beleuchtet werden soll, in den 70er Jahren einfach noch nicht wirklich existierte. Gemeint ist der Slasher-Film, der erst in den 80er Jahren zu voller Blüte gelangen sollte. Aber immerhin finden wir mit Jessy – Die Treppe in den Tod und Halloween – Die Nacht des Grauens schon zwei eindeutige Prototypen des Genres in der 1970er Dekade. Und auch daneben waren die 70er Jahre nicht arm an obskuren, mysteriösen und schlicht erschreckenden Killern. Einer der berühmtesten dürfte wohl Leatherface vom. Blutgericht in Texas aka The Texas Chain Saw Massacre sein. Wes Craven wiederum kombiniert Torture-Terror, Mord-Tragödie und Revengethriller im einzigartigen The Last House on the Left und Abel Ferrara lässt mit The Driller Killer den wohl dreckigsten und räudigsten Mörder der 70er Jahre auf das Horrorfilmpublikum los.

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Die besten Giallo-Filme der 70er Jahre II

Dass der Giallo in den späten 70er Jahren seinem Ende entgegenging, ist bezeichnend für die generelle Entwicklung des Horror-Nischenkinos der damaligen Zeit. Hatten sich die Gialli in ihrer Anfangszeit in den frühen 60er Jahren vor allem als klassische Murder Mystery Variante made in Italy präsentiert, entwickelten sie sich im Laufe der Zeit mehr und mehr zu einem Genrevehikel für Sex und Gewalt jenseits des Mainstreams, dem diesbezüglich damals noch enge Grenzen gesetzt waren. Genau jene Grenzen begannen sich in den 70er Jahren jedoch aufzulösen: Dank New Hollywood und einiger sehr erfolgreicher Terrorfilme amerikanischer Machart, fand die Gewalt im Kino heraus aus der Nische. Und plötzlich schien es die heimliche Gewalt-Nummernrevue nicht mehr zu brauchen (ein ähnliches Schicksal erfuhren auch die Vampirfilme Hammer’scher Prägung). Die Giallo-Filme sind im Grunde genommen an ihrem eigenen Erfolg untergegangen, inspirierten sie doch das aufkommende Slasher-Genre, Gore- und Splatterblockbuster, die Mord und Todschlag endgültig im Mainstreamkino verwurzelten und direkt zu dessen Horroreskapaden in den 80er Jahren führten. Der wichtigste Film in dieser Entwicklung ist wohl Im Blutrausch des Satans, der vollkommen zurecht als Slasher-Prototyp gilt. Im Kampf gegen die eigene Beduetungslosigkeit – und dem Genre immanente Redundanz – versuchten viele Giallo-Ikonen neue Wege einzuschlagen und produzierten dabei die faszinierendsten Filme des Subgenres: Suspiria als dämonische Hexenversion der Giallo-Topoi wurde bereits in der vorherigen Bestenliste erwähnt, Die sieben schwarzen Noten und Il profumo della signora in nero versuchten es dagegen mit spirituellen, übernatürlichen und geisterhaften Topoi. Und dann gibt es noch Pensione paura, der irgendwie komplett aus der Reihe tanzt und aus dem Giallo heraus eine dystopische fast schon feministische Parabel kreiert… alles andere als gewöhnlich für ein Genre, das sonst – leider oft zurecht – für seine Misogynie und seine derbe Exploitation angeprangert wird.

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Die besten Giallo-Filme der 70er Jahre I

Wenn man von unheimlichen Genrekino der 70er Jahre sprechen will, muss man auch vom Giallo sprechen. Das bringt mich persönlich in eine äußerst unangenehme Lage. Die Traurige Wahrheit ist nämlich, dass ich alles andere als ein großer Fan des italienischen Thriller- und Horrorkinos der 70er Jahre bin. Mein Weg zum Giallo führte, wahrscheinlich ähnlich wie bei vielen anderen nach 1970 geborenen, über Dario Argentos Suspiria. Und dieser Film ist, man kann es nicht anders sagen, ein verfluchtes Meisterwerk des damaligen Horrorkinos. Umgehauen von diesem Hexenhorrortrip erfuhr ich, wahrscheinlich ähnlich wie viele andere vor mir, voller Begeisterung, dass es ein ganzes Genre für diese Art von Film gibt. Wahrscheinlich ähnlich wie viele andere vor mir habe ich mir dann den erstbesten Giallo-Film geschnappt, um wahrscheinlich ähnlich wie viele andere vor mir äußerst enttäuscht vor einem halbgaren Murder Mystery Thriller, irgendwo zwischen Edgar Wallace und Alfred Hitchcock für Arme zu sitzen. Ja, das Giallo-Genre ist breit und facettenreich, dominiert wird es aber ohne Frage von sehr klassischen Whodunnit-Thrillern, die sich primär durch ihren verstärkten Einsatz von Blut und grenzwertiger Exploitation von den Genregeschwistern abheben. So zum Beispiel Dario Argentos Prototyp des 70er Jahre Giallo Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe. Und sorry, so leid es mir tut, diese Art von Film langweilt mich einfach. Insofern ist diese Liste – und die Folgende – mit einem großen Disclaimer versehen: Ich bin kein Giallo-Fan! Wenn ich Giallo-Filme mag, dann, weil sie vom Genre abweichen, oder in dem Genre etwas neues versuchen, was die Tradition unterwandert. In der ersten Giallo-Liste sind dies neben dem bereits erwähnten Suspiria vor allem Profondo Rosso, der schräger und artifizieller daher kommt als die traditionellen Giallos, und The Child – Die Stadt wird zum Alptraum, der den entgegengesetzten Weg geht, und anstatt beim Horror bei einer introspektiven Tragödie ankommt.

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Die besten Vampirfilme der 70er Jahre II

Und weiter geht es mit den besten Vampirfilmen der 70er Jahre. Auch dieses Mal mit eher traditionellen Variationen des Dracula-Stoffes, vertreten durch den sehr klassischen Universal-Monster-Film Dracula und Werner Herzogs Hommage an den Murnau-Klassiker Nosferatu – Phantom der Nacht. Auch dieses Mal wieder mit schwülstigen Gruselmärchen an der Schwelle zwischen Horror und Erotik, vertreten durch den heißblütigen Erotik-Horrorfilm Vampyres und den Softcore Mysterystreifen Lèvres de Sang, sowie den deutschspanischen Fiebertraum Vampyros Lesbos. Und last but not least auch dieses Mal mit einer eiskalten Dekonstruktion des Genres, vertreten durch Martin vom Zombiefilm-Virtuosen George A. Romero.

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Die besten Vampirfilme der 70er Jahre I

Na denn… ich habe mir fest vorgenommen bei den 70er Jahre Bestenlisten kleinteiliger vorzugehen als bei den vorherigen Jahrzehnten. Und so wird es im Bereich des Horrorfilms noch die ein oder andere Nische und Subkategorie geben. Der Versuchung, eine Extraliste für die besten Lesbenvampirhorrorfilme zu machen, konnte ich gerade noch widerstehen (Yes, It’s a thing), und so werden es immerhin zwei allgemeine Listen, die Dracula und seiner teuflischen Vampir-Brut gewidmet sind. Aber auch in diese haben sich die erotischen Abenteuer weiblicher Blutsauger verirrt, hier vertreten durch die Hammer-Produktion The Vampire Lovers, die ein bisschen Schund, ein bisschen nackte Haut, ein bisschen Gewalt, vor allem aber viel Gothic Horror Hammer’scher Prägung bietet, sowie das mutigere – partiell fast feministische – belgische Horrormärchen Blut an den Lippen. Deutlich traditioneller als diese Neuinterpretationen des Genres ist die Bram Stoker Verfilmung Nachts, wenn Dracula erwacht, die sich eng an die Vorlage anlehnt und mit Christopher Lee als Dracula zu den klassischsten Vampirstreifen überhaupt gehört. Ansonsten waren die Vampire der 70er Jahre ganz schön wild: Circus der Vampire (ebenfalls von Hammer) vermischt Gothic Horror mit surrealen, traumartigen Ästhetizismen. Und noch experimenteller ist dann Ganja & Hess, der den Vampirmythos mit Blaxploitation-Storytelling und einer Menge verwobener Bildsprache anreichert…

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Die besten Natur- und Tierhorrorfilme der 70er Jahre

Nachdem in der ersten 70er Jahre Horror-Retrospektive die Wissenschaft und Technik im Fokus standen, ganz konkret im Genre des SciFi-Horrors, kommen wir nun zu dessen radikalem Gegenstück, dem Horror, der in der Natur beheimatet ist. Natürliches und Kreatürliches, unabhängig vom sowie gefährlich für den Menschen; oft älter und stärker als unsere Spezies: Es geht um mordende Haie, blutdurstige Fische, schreckliche Insekten und Wurmplagen, und zumindest in einer Inkarnation auch um die Verbindung von Mensch und Tier. Jaws gehört ohne Zweifel zu den Klassikern des Genres, aber auch sein trashiger Gegenentwurf Piranha ist deutlich besser, als man von einem Low Budget Plagiat erwarten dürfte. In Phase IV bedrohen Ameisen die Menschheit und in Squirm sind es fleischfressende Regenwürmer. Die Wild Card dieser Liste kommt in Gestalt des Werwolf-Mystery-Schinkens The Beast must die. Und die Honorable Mention eines alles andere als guten – dafür aber umso unterhaltsameren – Films kann ich mir in dieser Bestenliste auch nicht verkneifen. In Night of the Lepus sind es nämlich Killerkaninchen, die das Schicksal der Menschheit bedrohen. Und allein das ist schon eine Erwähnung dieses naiven Trash-Überfliegers wert. Viel Spaß beim manchmal unheimlichen, manchmal mysteriösen, manchmal albernen Angriff der Natur auf den Menschen.

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Die besten SciFi-Horrorfilme der 70er Jahre

In der letzten Science Fiction Bestenliste der 70er Jahre habe ich noch darüber lamentiert, dass ich nicht weiß wo ich Alien einsortieren soll. Science Fiction? Horror? Slasher? Dabei ist die Antwort so simpel: In allen drei Genres. Und Ridley Scotts Horrorfilm im Weltraum ist keineswegs der einzige Genreüberflieger der Dekade. Wie sich herausstellt gibt es genug Hybriden aus Science Fiction und Horror, um damit eine eigene Liste zu füllen. Neben Weltraummonstern, die selbst auf Opferjagd gehen, gibt es auch noch die Aliens, die sich eine menschliche Fassade suchen, um ihren Blutdurst zu stillen: Dazu gehören vor allem die Bodysnatcher aus Die Körperfresser kommen. Die unheimliche transzendentale Psychose in God Told Me To dagegen lässt den Menschen selbst zum Killer im außerirdischen Auftrag werden. Ansonsten ist vor allem die medizinische Forschung, ist der medizinische Fortschritt eine Ursache für visionären Schrecken. In Embryo – Brut des Bösen entstehen durch medizinische Experimente unheimliche Wesen, und in Shivers – Parasiten-Mörder wird der Mensch, heimgesucht von gezüchteten Parasiten, selbst zum Monster. Düstere zukünftige Aussichten…

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Old French Extremity – Der 2018er Horrorfilm Ghostland von Pascal Laugier

Unternehmen wir eine kleine filmische Zeitreise: Nachdem das Horrorgenre in den 90ern ziemlich orientierungslos vor sich hin vegetierte, kam es in den frühen 2000ern umso beeindruckender zurück. Neben dem Revival des Zombiefilms waren dafür vor allem die Horrorfilme der New French Extremity verantwortlich, die mit düsteren, dystopischen Geschichten, einem Mehr an Gewalt und ihrer brutalen Unerbittlichkeit gegenüber dem Publikum dem Genre die damals so notwendige Vitalisierung verpassten. Einer der großen Filme dieser Gattung war Martyrs (2008), der nicht nur zu den besten Horrorfilmen des Jahrzehnts sondern zu den besten Horrorfilmen überhaupt gezählt werden kann. Regisseur Pascal Laugier profitierte jedoch wenig von der Anerkennung, die sein Meisterwerk von Publikum und Kritik erhielt. Seine Beauftragung für ein Hellraiser-Remake scheiterte daran, dass Laugier seine eigenes Ding durchziehen, sich nicht den amerikanischen Horrorkonventionen beugen wollte, und abgesehen von dem Direct-to-DVD-Produkt The Tall Man (2012) verschwand der damals so vielversprechende Regisseur in der Versenkung. Ganze zehn Jahre mussten nach Martyrs vergehen, bis Laugier wieder mit einem Horrorfilm von sich reden machen durfte: Ghostland (2018) wurde vor allem von den Genrefans wohlwollend aufgenommen und durfte sogar auf dem Festival international du film fantastique de Gérardmer ordentlich abräumen, bei dem ein Jahr zuvor das Genrebiest Raw (2016) für Aufmerksamkeit gesorgt hatte: Und das als kanadisch-französische Koproduktion, die allerdings viele Kompromisse für den amerikanischen Genremarkt eingeht. Weiß Laugier dennoch auch heute noch, in Zeiten von Post- und Slow Burning Horror zu begeistern?

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Ready or not – Auf die Plätze, fertig, tot (2019)

Achja, bei einer Filmrezension verhält es sich gar nicht so viel anders als bei einem Roman, einer Novelle, einem Gedicht oder Drama oder sonst irgendeiner Textsorte. Der Einstieg scheint immer am schwersten. Das ist in den seltensten Fällen die Schuld des Films sondern viel mehr die des Rezensenten. Irgendwann hat man eben das Gefühl jeden erdenklichen Start gewählt zu haben (auch wenn das nie stimmt), irgendwann hat man doch das Gefühl, sich nur noch zu wiederholen. In diesem Fall versucht man dann Abwechslung in den Text zu bringen, indem man darüber schreibt, wie schwer es doch ist zu schreiben (was auch ziemlich Käse ist, aber Harald Martenstein in seiner Phase zwischen „Netter Kolumen-Papa“ und „Heh, ab sofort bin ich Wutbürger“ ganz gut über die Runden gebracht hat). Oder man macht das, was ich in diesem Fall – nach diesem absolut überflüssigen Intro – tuen werde: Man gibt dem Film selbst die Schuld an der Schreibblockade. Im Fall von Ready or not (2019) fällt dies alles andere als schwer, denn diese kleine Horrorkomödie gibt nicht viel Raum etwas über sie zu erzählen. Dafür ist sie einfach zu generisch, zu überraschungsarm, zu straight forward. Das ist in dem Fall gar nicht mal böse gemeint. Mit seinem netten Plot, mit seinen skurrilen Figuren und seiner sauberen Inszenierung klettert Ready or Not irgendwie schon über den Durchschnitt, aber er bleibt doch arm an Tiefe und Originalität.

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Und was zur Hölle sind jetzt eigentlich Post-Horror-Filme?

Poststrukturalismus, Postmoderne, Postrock, Postwestern, Post Post something… die Zeit der Poststationen sollte doch eigentlich mal so langsam vorbei sein und in den Geschichtsbüchern landen: Als künstlerische Epoche, die irgendwann nach 1945 begonnen hat und deren Markenkern es vor allem war, an alle ästhetischen und thematischen Konzepte der Moderne ein „Post“ anzuhängen. Eine Zeit lang war das ja alles ganz spaßig und auch irgendwie verführerisch, konnte man mit dem Post-Präfix doch Traditionen vergangener kultureller Errungenschaften weiter pflegen und sich zugleich kritisch von ihnen distanzieren. So wie die Dekonstruktion, wenn man gehässig sein will, als fauler Kompromiss zwischen Destruktion und Konstruktion betrachtet werden kann, kann alles was Post-Irgendwas ist, als fauler Kompromiss zwischen Traditionalität und Aufbruch definiert werden. Vielleicht nicht einmal faul, sondern viel mehr feige, so ein bisschen der kleinste gemeinsame Nenner aus Konservatismus und Subversion. Und wenn man so richtig gemein ist, stellt man einfach fest, dass es sich bei den ganzen „Posts“ in erster Linie um Kreationen ideenloser Kunst-, Musik- und Filmkritiker handelt, die einfach irgendeine Schublade brauchen, um eine Menge X künstlerischer Werke in diese packen zu können. Sollte das stimmen, dann ist das Präfix wohl nie totzukriegen. Irgendein „Post“ findet man immer; so wie neuerdings immer öfter im cineastischen Diskurs den Post-Horror. Also dann, hier schreibt ein ideenloser Filmkritiker und versucht eine überzeugende Begründung zu finden, warum eine Schublade Post Horror gebraucht wird. Zehn Thesen zur neuesten Sau, die durchs filmfeuilletonistische Dorf getrieben wird. Zehn Thesen zum Post Horror…

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Aus aktuellem Anlass: Sehenswerte Pandemiefilme

Tja… wollen wir so etwas überhaupt gerade sehen? Gute Frage. Ich denke durchaus. Wenn man schon zu Hause eingeschlossen ist, sei es eine echte Quarantäne wegen einer tatsächlichen Corona-Infektion, sei es wegen der derzeit völlig angebrachten Reduzierung sämtlicher sozialen Kontakte, dann kann man die Zeit auch nutzen, ein wenig in der Filmgeschichte zu stöbern, um aus dieser etwas für die eigene aktuelle Situation zu extrahieren. Denn auch wenn Covid-19 in vielfacher Hinsicht ein absolutes Novum in der Geschichte der viralen Pandemien darstellt, so gibt es Seuchen und den Kampf gegen diese doch so lange es die Menschheit gibt. Und folgerichtig haben sich schon zahllose Kunstschaffende mit dem Thema auseinandergesetzt. Hier also eine kleine, ziemlich subjektive, ziemlich unvollständige Liste an Filmen, die dabei helfen die Zeit ohne Kino zu überbrücken. Beileibe nicht die besten Pandemiefilme aller Zeiten, aber doch eine Kollektion sehenswerter Filme. Eine Kollektion, die taugt, um Panik zu schüren, Panik abzubauen oder einfach ein bisschen tiefer in das Thema „Die Menschen und das Virus“ einzutauchen.

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Die besten Horrorfilme 2019: Midsommar – Wie viel Horror steckt in Ari Asters neuestem Geniestreich?

Wir leben in goldenen Zeiten für Horrorfilmliebhaber. Seit schon längerer Zeit kommen praktisch jedes Jahr mindestens ein oder zwei Filme heraus, die das Genre nicht einfach nur bedienen, sondern erweitern, ergänzen und seine Grenzen sprengen. Post-Horror ist in diesem Fall das Zauberwort. Und egal, ob man diesen Begriff für einen großen Spuk der Kritikerschar hält oder für eine legitime neue Subgenre-Schublade, man muss zweifellos anerkennen, dass der Horror der ungewöhnlichen Art gerade blüht und gedeiht. Eine der größten Hoffnungen dürfte dabei Ari Aster sein, wurde sein letztjähriger Genrebeitrag Hereditary (2018) nicht einfach nur gefeiert, sondern vom Feuilleton gleich zum besten Horrorfilm der Dekade gekürt. Und irgendwie ist es ja auch nachvollziehbar: Hereditary war eine verflucht mitreißende, verflucht angsteinflößende Mischung aus Familiendrama, Tragödie und brutalem Okkulthorror: Schmerzhaft, kompromisslos und der Beweis, dass Horror auch im 21. Jahrhundert noch verdammt gut zu erschrecken weiß. Entsprechend neugierig war die Zuschauerschaft auf Asters Nachfolgewerk, Midsommar (2019), genau ein Jahr nach Hereditary, ebenfalls im Horrorgenre beheimatet und ebenfalls mit dem Potential, Genregrenzen neu zu definieren. In der Tat weiß der Sektenthriller ebenfalls – nicht nur aber auch Freunde seiner Vorgängerin – zu überraschen; nur eben wiederum auf ganz andere Weise.

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Die besten Filme 2019: The Lighthouse

Should pale death, with treble dread, make the ocean caves our bed, God who hears the surges roll, deign to save the suppliant soul. Mit diesem Trinkspruch versucht der alte Seebär Thomas (Willem Dafoe) seinen neuen jungen Gehilfen (Robert Pattinson) allabendlich zum gemeinsamen Anstoßen und Trinken zu animieren. Doch dieser lehnt immer aufs neue ab. Vier Wochen sollen die beiden gemeinsam auf einem abgelegenen Eiland an der Küste Nova Scotias verbringen. Als Leuchtturmwärter sollen der Alte Haudegen und der Jungspund gemeinsam den Turm intakt halten, dafür sorgen, dass das Licht jede Nacht leuchtet und so die nahenden Schiffe davor bewahrt, Opfer der Klippen und der stürmischen See zu werden. Robert Eggers‘ neuer Film Der Leuchtturm (2019) ist wie bereits sein Vorgänger The VVitch (2016) erst in zweiter Linie ein Horrorfilm. In erster Linie ist er ein düsteres Zeitstück, das Mythen und Legenden des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu einem betörenden wie verstörenden folkloristischen Muster verwebt. Eggers ist damit nicht weniger als einer der aufregendsten und besten Filme des Jahres geglückt.

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Raw (2016) – Die böse Twilight-Zwillingsschwester

Ja, okay… so ein bisschen irreführend und clickbaity ist der Titel dieser Rezension ja schon. Passt damit aber auch hervorragend zum besprochenen Film. Raw (2016) machte nämlich keine halben Sachen, als es um seine Vermarktung ging. Da war von einem der schockierendsten Horrorfilme der letzten Jahre die Rede, da wurde von Menschen erzählt, die reihenweise das Kino verließen, weil sie mit dem Gezeigten nicht klarkamen, und es wurde sogar von Zuschauern berichtet, die während des Toronto Filmfestivals 2016 medizinisch behandelt werden mussten, da ihnen die expliziten Szenen zu heftig waren. Mit diesem Vorwissen in der Hand kommt man gar nicht drumherum, Julia Ducournaus Kinodebüt mit einer gewissen Portion Skepsis zu begegnen, zumal die Zeit der New French Extremity mittlerweile fast zehn Jahre zurückliegt und eine ihrer größten Ikonen – Gaspar Noé – in seinen letzten Filmen durchaus eine Abwendung vom Extremen um jeden Preis und eine Zuwendung zu metaphysischen und panoramischen Themen erkennen ließ. In der Tat lässt sich Raw in vielen Bereichen der New French Extremity oder Nouvelle Vague des französischen Horrors zuordnen. Zugleich ist er aber alles andere als eine extreme, kontroverse Gewaltorgie, wie es die derbsten Filme dieser Zunft waren. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er eine Menge aktuellerer Einflüsse mit an Bord hat, namentlich Mechanismen aus dem – Achtung, Buzzword! – derzeit so viel zitierten Post Horror, ganz konkret dem Slow Burning Horror amerikanischer Bauart. Und da das im Titel dieser Rezension zitierte Märchen auch schon über zehn Jahre alt ist, darf beruhigend hinzugefügt werden: Mit den Teenie/Fantasy/Romanzen der späten 2000er und frühen 2010er Jahre hat Raw ebenfalls wenig gemein, auch wenn ihm die Verquickung von Coming-of-Age und Fantastischem sichtlich am Herzen liegt.

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Rezension zu The Hole in the Ground (2019)

Das Kind (James Quinn Markey) sitzt da und schaufelt einfach nur Spaghetti in sich hinein. Schlürfend, gierig aufziehend, so wie ein Achtjähriger eben Spaghetti isst. Aber seine Mutter (Seàna Kerslake) beobachtet ihn misstrauisch. Ist das überhaupt noch ihr Sohn? Hat sich ihr Sohn jemals so verhalten? Warum kann er sich nicht an Geschehnisse aus ihrer Vergangenheit erinnern? Und wenn es nicht ihr Sohn ist, wer oder was ist er dann? Wechselbälger sind seit jeher ein Alptraum für Eltern. Die Angst, dass das Kind plötzlich nicht mehr das eigene ist: Ausgetauscht, untergeschoben von bösartigen Waldgeistern, um die Eltern in den Wahnsinn zu treiben. Dahinter stehen nicht nur Sagen und Legenden sondern auch ein durch und durch reales Krankheitsbild, das Capgras-Syndrom, das bei Betroffenen dazu führt, dass sie ihnen nahestehende Personen plötzlich für Doppelgänger halten. Gerne auch ihre eigenen Kinder oder eigenen Eltern. Und damit wären wir auch schon bei der Crux des irischen Horrorfilms The Hole in the Ground (2019):

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It Chapter One (2017) – oder, wie leicht es manchmal ist, bei den besten Horrorfilmen des Jahres zu landen

Ach ja, es hätte so schön werden können… Wenn es einen Roman gibt, der eine zweite Verfilmung verdient hat, ja sogar eine zweite Verfilmung benötigte, dann ist es Stephen Kings bizarres Meisterwerk It (1986). Wenn es eine Horrorminiserie gibt, die dringend ein Remake brauchte, dann dessen gleichnamige Verfilmung aus dem Jahr 1990. Vieles ist damals schief gelaufen, viel Potential wurde damals an die Konventionen des sauberen, allzu sauberen TV-Marktes verschenkt. Dabei besitzt Es so viele Ingredienzen, die den Stoff geradezu prädestinieren, zu einem düsteren Post-Horrorfilm unserer Zeit zu werden: Die Verquickung von Coming-of-Age-Drama mit absurdem Horror, die großartigen Bilder, die damals vom King of Horror literarisch entworfen wurden, und die so schienen, als bräuchte es verdammt viel Mut und Größenwahn, sie adäquat für die Leinwand umzusetzen. Die Tatsache, das King-Stoffe gerade einen zweiten Frühling erleben und endlich in gelungenen Filmen umgesetzt wurden… Es hätte so schön werden können. Und dann hat sich das ganze Projekt selbst in die Nesseln gesetzt. Daran ändern auch die vielen positiven Kritikerstimmen und das äußerst erfolgreiche Box Office Ergebnis nicht. Was tatsächlich Potential hatte, eines der spannendsten Horrorprojekte der letzten Jahre zu werden ist zu einer mittelschweren Enttäuschung geworden; kein Desaster, aber knapp daran vorbei; viel zu knapp für all das Potential, das in diesem Bastard geschlummert hat.

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Die besten Horrorfilme 2017 – It Comes at Night

Wenn etwas nachts kommt, dann ist es vor allem die Dunkelheit. Vielleicht auch die Einsamkeit, die quälende Beschäftigung mit sich selbst, den eigenen Fehlern, den eigenen Entscheidungen mit all ihren fatalen Konsequenzen. Die Nacht ist der Blick in den Spiegel ohne den Spiegel, nicht der Blick in das eigene Antlitz, sondern der Blick in den schwarzen Abgrund, der sich dahinter verbirgt. Paul (Joel Edgerton) kennt diese Nächte, aber er fürchtet nicht das, was jede Nacht kommt, sondern das, was darüber hinaus kommen könnte. Denn dieses Etwas hat anscheinend den Großteil der Menschheit ausgerottet. Aber gerade weil er diesen äußeren Horror so sehr fürchtet, hat er vergessen, sich vor dem zu fürchten, was alltäglich / allnächtlich ist und vielleicht mindestens genau so destruktiv sein kann wie die unbekannte, ungenannte Seuche, die da draußen wartet.

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Ich seh Ich seh (2014) – Post Horror made in Austria

Es ist nicht so, dass wir Mitteleuropäer Genrekino nicht könnten, wir tuen es einfach zu selten. Es gibt eine gewisse Angst vor dem Genrefilm, insbesondere dem Horrorkino, die die deutsche und österreichische Filmlandschaft schon seit Jahrzehnten heimsucht. Dabei gibt es mit den expressionistischen Ikonen wie Wiene und Murnau eigentlich eine sehr ruhmreiche deutschsprachige Horrorfilmvergangenheit und auch Regisseure der Nachkriegszeit wie Werner Herzog haben bewiesen, dass wir Deutschen durchaus Horror auch in seiner fiktionalen Form können. In den letzten zwei, drei, wahrscheinlich eher vier Jahrzehnten begnügt sich der deutschsprachige Horrorfilm allerdings damit US-Vorbilder zu kopieren (z.B. der 2000er Slasher „Anatomie“) oder strebt mit bizarren Splatterorgien à la Jörg Buttgereit komplett vom großen Publikum weg. Dazwischen gibt es praktisch nichts. Entweder Indie-Trash, dem man sein fehlendes Budget in jeder Sekunde ansieht, oder platte Hollywoodkopien, die in jeder Sekunde „Love me, mainstream!“ zu schreien scheinen „Look, how I american I am!“. Irgendwie logisch, dass ein Gegenentwurf zu diesem trostlosen Genrebild aus einer anderen Ecke kommen muss, nicht von einem großen Studio mit ner Menge Budget in der Hinterhand, nicht aus einem kargen Hinterhof mit viel Kunstblut und einer „Leckt mich“-Attitüde. Und diese Erkenntnis ebnet dann den Weg für den Auftritt der österreichischen Filmemacherin Veronika Franz und ihrem Langfilm-Regiedebüt Ich seh Ich seh (2014), ein düsterer Horroralptraum vermählt mit Psychothriller, Familientragödie und bizarrem Arthaus-Tohuwabohu.

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Der Babadook (2014) – Post-Horror-Camouflage

Gehen wir mal kurz davon aus – und es spricht einiges dafür – dass die Kategorie Post Horror wirklich eine Berechtigung hat und nicht bloß Erfindung gelangweilter Filmkritiker ist. Dann ist eine seiner größten Stärken, dass er eigentlich klassische Dramenstoffe als Horrorfilm camoufliert erzählen kann. Praktisch die beste Möglichkeit, den ästhetischen Horizont cineastisch eingeschränkter Genre-Kinogänger um Geschichten zu erweitern, die diese sonst nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würden: Die Probleme einer alleinerziehenden Mutter? Eine dysfunktionale Mutter-Kind-Beziehung und der Kampf darum, diese zu retten? Klingt nicht gerade nach dem passenden Stoff für Conjuring- und Saw-Fans. Jennifer Kents Der Babadook (2014) erzählt genau diese Topoi und verkleidet sich dabei so schamlos als klassischer Jump Scare Horrorflick, dass er zum Releasezeitpunkt durchaus so manche Kinobesucher ratlos zurückgelassen haben dürfte. Menschen, die einen klassischen Spukfilm mit ner Menge Erschrecken und schön für alle dargelegter übernatürlicher Erklärung erwarten, haben hier eher das Nachsehen, wer allerdings eine – mitunter surreale – Kombination aus Tragödie und Horror zu schätzen weiß, darf hier einen der aufregendsten Horrortrips der 2010er Jahre erleben.

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Horrorfilme der 80er Jahre: Was sonst noch so geschah…

Okay… ähnlich wie bei den Fantasyfilmen der 80er Jahre fühle ich mich geradezu dazu verpflichtet, diesen Artikel nachzuschieben, allein um darauf aufmerksam zu machen, was im 80er Jahre Horrorkino tatsächlich geschah und was dabei alles schief gelaufen ist. Immerhin habe ich stolze sechs Artikel zu den besten Filmen des Genres zusammengestellt und dadurch könnte doch der Eindruck entstanden sein, dass die 80er ein glorreiches Jahrzehnt für cineastischen Schrecken waren. Nope. Die große Anzahl der Best-Of-Artikel rührt primär daher, dass ich einfach mal Genre-Fan bin, Horrorfilme seit jeher liebe und entsprechend in großem Maße konsumiere. Und rein quantitativ müssten die 80er dann auch folgerichtig vollkommen mein Jahrzehnt sein. In wohl keiner anderen Dekade erblickten so viele Schocker, das Licht der Welt, in keinem anderen Jahrzehnt wurde so viel gemordet, gemetztelt und Furcht eingejagt.

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Die besten Horrorfilme der 80er Jahre: Warum Freitag der 13. nicht dazu gehört…

Neben Michael Myers und Freddy Krueger dürfte Jason Voorhees zweifellos zu den größten Ikonen des Slasher-Genres und des 80er Jahre Horrorkinos ganz allgemein gehören. Auf stolze zehn Teile hat es die Franchise bis heute gebracht, zuzüglich eines Mashups mit A Nightmare on Elm Street und eines Reboots, das 2009 die Geschehnisse um Jason Vorhees neu erzählte. Nicht erst seit der Adelung als Zitat in Wes Cravens Scream (1996) gehören das Original sowie seine aus der Art schlagenden 11 Fortsetzungen zum Slasher-Kanon und Dank der missglückten (und tödlichen) Quiz-Antwort von Drew Barrymore dürfte mittlerweile auch jeder wissen, dass der Mörder im ersten Teil Freitag der 13. (1980) von Sean S. Cunningham eben nicht Jason selbst sondern seine Mutter ist. Aber was hat dieser Beginn der Reihe – und Quasi-Beginn des 80er Slasher-Kinos -, was ihn zum vermeintlich zeitlosen Klassiker macht? Und warum wurde die ganze Reihe derart populär?

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Die besten Horrorfilme der 80er Jahre VI

Die besten Horrorfilme der 80er Jahre… Klappe die Sechste und Letzte. Wir verabschieden das Jahrzehnt mit einer ganz hochkarätigen Riege an wirklich, wirklich, wirklich abgefuckten Filmen. So dürfen nun auch die Surrealisten vorbeischauen, so zum beispiel Alejandro Jodorowsky, der sich bei Santa Sangre munter bei Hitchcock, Giallo, sich selbst und wahrscheinlich unzähligen LSD-Fantasien bedient. Oder Bigas Luna, der in Angustia die vierte Wand und die selbstzufriedene Sicherheit der Zuschauer komplett einreißt. Für weitere WTFs ist auch Pfui Teufel – Daddy ist ein Kannibale gut, der sich nicht so ganz für ein Genre entscheiden kann und deswegen gleich ein Dutzend davon in einem satirischen Horrortrip für sich vereinnahmt. Ebenfalls diffus, nicht nur im Hinblick auf die Genrewahl, ist Već viđeno, der gemeinhin als Klassiker des serbischen Horrorfilms rezipiert wird (was auch durchaus Sinn macht, weswegen er hier ebenfalls auftaucht), dabei aber in seiner politischen Mischung aus Kafkaeskem Wahn, Satire, Psychodrama, Psychothriller und Gore-Alptraum weitaus mehr ist als bloßes Genrekino. Zu guter Letzt gibt es mit dem Horror-Alligator doch noch etwas bodenständigeren, nichtsdestotrotz grandiosen, Tierhorror zu sehen. Also noch einmal Atem anhalten, Klicken und demnächst wieder in die Videothek rennen. Nicht nur die besten, sondern auch die ungewöhnlichsten Horrorfilme der 80er Jahre folgen nach dem Break.

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Die besten Horrorfilme der 80er Jahre V

Bald sind wir durch mit den Horrorfilmen der 80er Jahre… und ich habe wieder festgestellt, dass gerade dieses Genre in diesem Jahrzehnt bestens dazu geeignet ist Lächerlichkeit und Genialität aufeinanderprallen zu lassen. So ganz ohne Albernheiten und Peinlichkeiten kommen auch die nun genannten Filme nicht aus… und bewegen sich dennoch auf hohem bis höchstem Niveau. In Die Hand lässt Oliver Stone den menschlichen Körper Amok laufen, während dieser in Das Tier und Katzenmenschen gleich vollständig zu seinem animalischen Spiegelbild mutiert. Animalische Geschöpfe bilden auch in Wolfen die Hauptbedrohung, wenn auch geschickt durch Mystery und Ökothriller-Momente aufgebrochen. Und in dem B-Movie-Flick From Beyond drehen sowieso alle komplett am Rad: Menschen, Tiere, Dämonen… und feiern ein makaberes, groteskes Festival des Grauens. There will be blood, baby…

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Die besten Horrorfilme der 80er Jahre IV

In Teil vier darf es wieder etwas bissiger, gehässiger und auch blutiger zugehen… Für eine ganze Ladung Innereien und blutiger Schockeffekte sorgen der Kultfilm-Zwillingsbastard The Evil Dead sowie seine Fortsetzung Evil Dead 2, die hierzulande wohl am ehesten unter dem Titel Tanz der Teufel bekannt sein dürften. Ebenfalls bizarr und mit ner Menge Blut arbeitet die Gothic Novel Adaption Docteur Jekyll et les femmes, die alles andere ist als bloß eine weitere Schauergeschichte der Düsterromantik. Etwas ruhiger und subtiler hingegen ist John Carpenters Geister-Märchen The Fog – Nebel des Grauens, während Gremlins – Kleine Monster den Horror vergnügt zum Mainstreampublikum führt. And last but not least, An American Werewolf in London, der der eigentlich abgegessenen Werwolf-Thematik nicht nur neue Seiten entlockt, sondern darüber hinaus auch als verflucht guter Horrorschocker zu unterhalten weiß.

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Die besten Horrorfilme der 80er Jahre III

Wir pendeln weiter zwischen Hollywood-Grusel und Independent-Horror. In der dritten 80er Horror-Retrospektive wird es zumindest kurzfristig wieder „etwas“ braver, berechenbarer und vor allem familiengerechter. Mit Poltergeist stellen Steven Spielberg und Tobe Hooper unter Beweis, dass es durchaus auch so etwas wie die Family-Version des klassischen Horrors geben kann. Stephen King ist auch wieder zu Gast, dieses Mal mit dem Meisterwerk Shining, das der Autor der Vorlage dem ausführenden Regisseur Stanley Kubrick wohl nie verziehen hat und das zugleich die beste King-Verfilmung überhaupt ist. Surreal, ungewöhnlich und extravagant wird es im psychedelischen Höllentrip und den beiden Spät-Giallos Opera und Tenebrae, in denen Dario Argento sowohl ästhetisch als auch inhaltlich vollkommen spinnert, ungeniert am Rad drehen darf. Und für den Trash-Faktor sorgt der ausgesprochen vergnügte, nichts desto trotz beängstigende Zombie-Thriller Re-Animator.

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Die besten Horrorfilme der 80er Jahre II

Nachdem bei der letzten Horror-Retrospektive primär brav gruseliges bis episches Horrorkino dran war, drehen die nun auftauchenden Horrorfilme deutlich an den Daumenschrauben. Gleich zwei Index-Kandidaten, die damals der BPjM zum Opfer fielen, stehen heute auf dem Programm: Die Mörderischen Träume in A Nightmare on Elm Street und die wandelnden Toten in Day of the Dead waren offensichtlich zu viel für die prüden Sittenwächter von einst. Unblutiger und Traditioneller geht es dagegen in dem Gothic-Horror-Schinken Die Braut zu, während Fright Night sich munter vergnügt in der 80er Trash- und Mainstream-Ecke ausbreitet. Und Body- sowie Monsterhorror war in den 80ern natürlich auch noch ein großes Thema, in diesem Rückblick vertreten durch die so verschiedenen – und doch gleichermaßen polarisierenden – Regisseure David Cronenberg und Chuck Russell, die mit Die Fliege und The Blob auf unterschiedliche Art das Monströse zum Widerspiegel des menschlichen Scheiterns werden lassen.

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Die besten Horrorfilme der 80er Jahre I

Während es bei den Fantasyfilmen der 80er Jahre die schräge Albernheit ist, die die Filme von damals aus heutiger Sicht mitunter sehr befremdlich und lächerlich wirken lässt, ist es beim Horror-Genre mitunter der plastische und überzeichnete Gewaltanteil. Brutalität hatte diese Nische zwar schon in den 70ern zu bieten, aber erst in den 80er Jahren kam es – zumindest im Independent-Bereich – zu einer wahren Welle an Gore- und Splatter-Flicks. Während die Gewalt des 70er Jahre Kinos vor allem durch den Terror dominiert war, der in Filmen wie Texas Chainsaw Massacre (1974) weniger visueller als viel mehr inhaltlicher Natur war, standen im folgenden Jahrzehnt vor allem die explizite Darstellung im Mittelpunkt. Dabei ist diese Dekade keineswegs brutaler als die vorhergehende, viel mehr wurde das dystopische Moment der Gewalt zurückgeschraubt, um dafür blutigen, organischen Visualisierungen – vom gnadenlosen Realismus bis hin zur comichaften Überzeichnung – Platz zu machen. Gerade Letztere wiederum wirkt aus der heutigen Sicht mitunter albern, unseriös und alles andere als gruselig. Neben den zahllosen dreckigen Independent-Flicks gab es aber auch den ein oder anderen subtilen, traditionellen Horrorfilm. Ein Recht auf Beachtung verdienen beide Auslegungen des Genres und so pendeln wir in den folgenden Retrospektiven munter zwischen intelligenten Schauergeschichten und blutrünstigen BPjM-Zensur-Kandidaten.

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Die besten Horrorfilme 2019: Us/Wir von Jordan Peele

„Doppelgänger“, ein Wort, das aus dem Deutschen stammt und es in zahllose andere Sprachen geschafft hat. Von den Gebrüdern Grimm als „der einem andern so ähnlich ist dasz er leicht mit ihm verwechselt wird.“ definiert und bereits dort mit dem Gefühl des Entsetzens verknüpft. Spätestens in der Romantik war das Doppelgängermotiv fest verwurzelt mit Horror, Angst und Schrecken. Von Hoffmanns Elixiere des Teufels (1815) über Dostojewskis Doppelgänger, die Archteypisierung des dunklen Schattens durch Carl Gustav Jung bis hin zur Westworld-Fortsetzung Futureworld (1976) bis hin zu Denis Villeneuves Enemy (2013). Doppelgänger machen Angst, sind Herausforderungen für die Anthropologie ebenso wie für Religion und Spiritualität. Kultur- und medienwissenschaftlich scheinen sie vor allem ein Thema für die Psychologie zu sein, dabei können sie ebenso soziale und sogar politische Fragestellungen aufwerfen. Jordan Peele, der mit Get Out (2017) einen der politischsten Horrorfilme der letzten Jahre inszeniert hat, wagt sich mit Us (2019) an genau jenes Setup: Der Schrecken des Doppelgängers nicht bloß als intrinsischer Schrecken und psychologische Studie, sondern als groteske Horrorparabel. Und wer glaubt, Jordan Peele hätte mit Get out sein Pulver verschossen, was groteske, symbolische Horrorfilme betrifft, der sieht sich hier eines besseren belehrt. Us gelingt es nämlich tatsächlich noch einmal eine ganze Ecke besser zu sein als sein vielgelobter Vorgänger.

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Die besten Fantasyfilme und Märchen der 80er Jahre: Paperhouse – Alpträume werden wahr

Dass ich zu Paperhouse (1988) jetzt doch noch ein paar Worte über die Kurzrezension der ersten 80er Retrospektive hinaus verlieren muss, liegt daran, dass mich dieser Film als Kind entscheidend geprägt hat. Er war nicht der erste „Horrorfilm“, den ich gesehen habe, aber mit Sicherheit der, der mir auf längere Sicht die meiste Angst eingejagt, ja mich sogar bis in meine Träume verfolgt hat. David Cronenbergs Die Fliege (1986)? Pustekuchen. Die Miniserie Es (1990), die bei so vielen Horror-Zuschauern meiner Generation Ängste ausgelöst und Traumata verursacht hat? Lachhaft. Nein, mein persönliches Grusel-Trauma ist dieser Fantasy/Märchen/Psychoanalyse-Hybrid von 1988, und wenn ich meine Filmrezipienten-Vita durchstöbere, komme ich wohl sogar zu dem Fazit, dass kein Film – davor und danach – mir eine solche Angst eingejagt hat, wie diese Auseinandersetzung mit Traum, Alptraum und der beginnenden Pubertät.

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Die besten Horrorfilme 2017: mother! von Darren Aronofsky

So wirklich leicht hat es Darren Aronofsky einem nie gemacht, ihn einfach zu mögen. Dafür hat er sich seit jeher viel zu sehr dem großen Pathos, dem großen Symbolismus und der großen Erzählung verschrieben. So ganz ohne Welterklärung ging es nie bei ihm: Egal ob in seinem Low-Budget Mysterybastard Pi (1999) (die besten surrealen Filme der 90er Jahre), seinem epischen Sucht-Ensemblestück Requiem for a dream (2000) oder seinem opernhaften Balletthorror Black Swan (2010). Zuletzt schien er dann mit Noah (2014) vollends beim Religiösen und Spirituellen angelangt zu sein, dort wo er eigentlich von Anfang an hingehörte. Dabei offenbarte selbst dieses Bibelepos erstaunlich ansehnliche Seiten und war trotz allen Kitschs und aller unfreiwilliger Komik ein fantastischer Ritt durch den Weltuntergang. So wirklich leicht hat es Darren Aronofsky nämlich nie gemacht, ihn zu hassen. Der Mann versteht sein Handwerk, oszilliert gekonnt zwischen Mainstreamunterhaltung, Surrealismus und eben überambitioniertem Pathos und haut dabei dennoch immer wieder Filme heraus, die ebenso ärgerlich wie verführerisch sind. Und dann kommt jetzt dieser mother! (2017) daher, schon im Titel ein Schlag in die Fresse aller Aronofsky-Kritiker und zugleich wie eine Prophezeiung der Erfüllung aller schlimmsten Befürchtungen: Im Ansatz subtil kleingeschrieben, um dann gleich darauf mit einem Ausrufezeichen unerwartet zuzuschlagen. mother! ist groß, will groß sein, will wild, ungezügelt, over the top sein… mother! ist viel zu laut, viel zu groß, viel zu ambitioniert, unfreiwillig komisch, überdreht… und gerade in diesen Charakteristika eines der erfreulichsten Filmereignisse des Jahres 2017.

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Die besten Horrorfilme 2018: Das Suspiria-Remake von Luca Guadagnino

Der ungewöhnliche, gegen den Strich gebürstete Horrorfilm boomt derzeit gewaltig. Nein, an dieser Stelle werde ich mich nicht schon wieder in Gedanken über den so genannten Post Horror verlieren. Es sei nur festgehalten, es gibt im Kino-Mainstream eine Nachfrage nach Horrorfilmen, die von ihrer Art und Weise alles andere als publikums- oder blockbusteraffin scheinen. Und das haben die späten 2010er Jahre durchaus mit den 70er Jahren gemein. Auch damals wurden Filme zu großen Erfolgen, die sowohl herausfordernd als auch verstörend waren, die nicht einfach darauf abzielten, das Publikum mit angenehmen Gruseleinheiten zu sedieren, sondern die schocken, irritieren und auch verändern wollten: Man denke nur an Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973), Wes Cravens The Hills Have Eyes (1977) oder Romeros Dawn of the Dead (1978). Natürlich hatte auch diese Zeit so wie unsere ihre leicht zu konsumierenden Horror-Blockbuster wie Spielbergs Der weiße Hai (1975), aber damals wie heute gab es plötzlich eine Nachfrage nach groteskem, progressiven und bewusst gegen den Strich gebürsteten Genrekino. Und zu dessen Vertretern zählt natürlich auch Suspiria (1977) von Dario Argento: Der prototypische und zugleich über die Kategorie hinausweisende Giallo, im Grunde genommen der Film, der die gesamte Reputation des italienischen Horrorkinos der damaligen Zeit allein rettet (sorry, aber so viel sehenswertes gab es daneben nunmal einfach nicht). Und wenn schon der Mut des 70er Jahre Horrors auch den 2010er Horror beseelt, und wenn es schon in diesem Trend ein Spiel mit der Ästhetik der damaligen Zeit gibt (Man denke z.B. an Mandy), warum dann nicht gleich DEN Klassiker aus Italien mit einem Remake versehen?

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Die besten interessantesten Horrorfilme 2018: Mandy mit Nicolas Cage

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit einem guten Freund, in dem dieser mich daran erinnerte, dass ich wohl einst – vor über 15 Jahren – Nicolas Cage zu einem meiner Lieblingsschauspieler erklärt hätte. Ehrlich, ich kann mich daran wirklich nicht mehr erinnern, halte es aber, wenn ich an diese Zeit zurückdenke, für absolut plausibel, dass ich zumindest eine große Verteidigungsrede für den oft veralberten, oft nicht ernst genommenen Overacting-Bro gehalten habe. Immerhin waren das damals die frühen 2000er Jahre. Und auch wenn Nicolas Cage zu dieser Zeit schon mit bizarr überzeichneten, testosteronschwangeren Auftritten wie Con Air (1997) oder Gone in 60 seconds (2000) negativ aufgefallen war, war er doch noch ein Stück entfernt von späteren Nutball-Rollen wie The Wicker Man (2006) oder Ghost Rider (2007), geschweige denn den noch späteren noch groteskeren Actionrollen in zahllosen B-Movies. Außerdem war das auch die Zeit von Adaptation (2002) und The Weather Man (2005), wo er zeigen durfte, dass er auch mehr kann als manisch und hysterisch in die Kamera zu grinsen. Anyway, mittlerweile hat Nicolas Cage seinen Ruf als wahnsinniger Overacter weg; absolut zurecht ist er aktuell mehr Meme als Schauspieler, geliebt und gehasst wegen seiner furiosen, bizarren Auftritte, oft verspottet, selten wertgeschätzt. Und ohne wieder eine große Verteidigungsrede auspacken zu wollen: Der Mann kann was. Der Mann kann mehr und hat es sicher nicht verdient, in zahllosen billigen Revenge Thrillern verbraten zu werden. Panos Cosmatos‘ Mandy (2018) hat durchaus das Potential den Ruf von Nicolas Cage wiederherzustellen und auch mehr: Immerhin scheint er fast so was wie eine Verbrüderung zu sein von Cages letzten, platten Rachethrillern, seinem Hang zum Exzentrischen und seinen – zumindest früher – immer wieder überraschend künstlerischen Arbeiten. Denn Mandy ist ein B-Movie Revengethriller, verpackt in einem sehr artifiziellen, zäh fließenden Höllentrip; eine düstere Ode an das simple Action-, Barbaren- und Horrorkino der 80er Jahre, aber auch eine Verbeugung vor dem Surrealismus, dem Giallo und sogar den symbolistischen Werken eines Tarkowskij. Selten zuvor war es so aufregend, Nicolas Cage in Aktion zu sehen.

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Die besten Horrorfilme 2017: The Autopsy of Jane Doe

Dem Mainstream-Erfolg der Conjuring-Reihe und der Verliebtheit des Feuilletons in den so genannten Post Horror sei Dank: Das Genre boomt gewaltig, sorgt nicht nur für volle Kinosäle sondern auch immer wieder für neue Kritikerlieblinge (denen dann wiederum ironischerweise nachgesagt wird, ein Genre zu retten, das Rettung im Moment wirklich nicht nötig hat). Es gibt aber auch eine andere Seite der Medaille: Es hat sich in den letzten Jahren ein kaum zu übersehender Graben in der Welt des Horrorfilms aufgetan, ein Graben, der bis dato in dem Genre noch nicht existierte. Auf der einen Seite die Publikumslieblinge, die Saw-Franchise, die Conjurings und Paranormal Activities; von der Kritik oft verlacht und meistens missachtet. Auf der anderen Seite, die – meist vollkommen zurecht – von der Kritik gelobten Filme, deren Haupttrademark es allerdings ist eben nicht bloß Horror zu sein: Familientragödien wie Hereditary (2018), Horrorsatiren wie Get Out (2017) oder düstere Slow Burner wie It follows (2014). Ihnen allen gemein ist, dass sie das Genre nicht einfach bedienen sondern dekonstruieren, sprengen oder auch einfach nur erweitern, während die reinen, traditionellen Horrorfilme unserer Zeit tatsächlich oft ziemlich durchschnittliche, lahme Trope-Maschinen mit abgedroschenen Jump Scares und langweiligen Geschichten sind. Da fragt man sich doch als Freund des Genres: Muss ich ab sofort immer auf dessen Subversionen zurückgreifen? Kann es nicht einfach auch mal wieder einen klassischen, gerne auch etwas formelhaften, Beitrag zum Horrorgenre geben, der trotzdem verdammt gut ist? Nicht Post Horror, sondern Horror Horror… oder einfach nur Horror? Es kann. Auftritt Jane Doe, die wahrscheinlich unheimlichste Tote der letzten Jahre.

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Die besten Filme der 90er und 00er Jahre: Was ist eigentlich mit dem Slasher-Genre?

Genau! Was ist eigentlich mit den ganzen Schlitzern und Stechern, den maskierten Mördern, den masskarierten Teenagern und traditionellen Regeln? Immerhin hat es nach dem großen Erfolg von Scream und dessen beiden Fortsetzungen eine ganze Reihe von Slasher-Filmen gegeben, die mehr oder minder erfolgreich waren. Haben die nicht ihren Platz in einer vernünftigen 90er Horrorfilmretrospektive verdient? Auch wenn es nur ein Revival war? Schließlich sorgten auch das Torture-Porn und Zombie-Revival für einige Horror-Hochkaräter der 00er Jahre… Gerade angesichts des überraschenden vierten Teils der Scream-Franchise – quasi das versuchte Revival des Revivals – lohnt es sich doch noch einmal einen Blick auf die großen Teenslasher der 90er Jahre zu werfen und zu fragen, warum diese irgendwie nicht so recht in die Annalen der Horrorfilmgeschichte eingehen wollen.

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Netflix-Filmempfehlung: Velvet Buzzsaw – Die Kunst des toten Mannes (2019)

In der Dialektik der Aufklärung (1944) nutzen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno den Begriff der Kulturindustrie um die Entwicklung der Kunst zur Ware zu kritisieren: Kunst verlöre in der Moderne ihren ideellen Wert und würde zum bloßen kapitalistischen Spielball, zum Tauschobjekt auf Märkten, nicht mehr der Genuss der Kunstzähle, sondern das sich mit Kunst umgeben, Netzwerken und eben auch der Handel mit der Kunst. Das verlockende an einem Begriff wie Kulturindustrie – der im gesamten 20. und 21. Jahrhundert als Kampfbegriff der Linken gegen jede Art von Eskapismus und Popkultur benutzt wurde – ist, dass sich in ihm so eine wundervolle Dichotomie eröffnet: Auf der einen Seite Kunst und Kultur, die ideell, idealistisch, vermeintlich zu höherem berufen sind; und Industrie auf der anderen Seite: Kalt, berechnend, pragmatisch bis hin zum Opportunismus. Und radikal zu Ende gedacht führt diese Dichotomie zum Sodom und Gomorrha für die Kunst an und für sich: Die Kulturindustrie wird zum Ort, an dem die Kunst siecht, geopfert wird auf einem Altar der Eitelkeiten, der Habgier und Niedertracht, ein Ort, der wie das mythische Sodom und Gomorrha nur durch einen radikalen, apokalyptischen, mörderischen Sturm gereinigt werden kann. Genau einen solchen Sturm entfacht Regisseur Dan Gilroy (Nightcrawler) in seiner Horrorsatire Velvet Buzzsaw mit der Kunst eines toten Mannes.

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Filmabend: Walt Disney vs. Zombies from Outer Space

Jepp, wir leben in Zeiten der Mashup-Kultur, des Zusammenpralls der Weltbilder und Ideen. Und was gibt es schöneres, als diesen Zusammenprall bei einem deftigen Filmabend zu forcieren und zu zelebrieren? Richtig: Heute wird alterniert. Disney – Zombies – Disney – Zombies… dazu ein knackiger Vorfilm, der Walt Disney auf kongeniale Weise mit den dunklen Seiten des Kinos konfrontiert… und jede Menge würziger, süßer, klebriger Speisen. Uns steht ein launiger, nerdiger und gut durchgeschüttelter Filmabend bevor. Viel Spaß!

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Get Out und die Repolitisierung des Horrorgenres

Nachdem der Horrorfilm in der Frühzeit des Kinos – und ein gutes Stück darüber hinaus – ein sehr beliebtes Genre war, verlor er in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts enorm an Wirkkraft und Zuschauerzahlen. Charles Nonon, der im Theater einen ähnlichen Rückgang am Horrorinteresse feststellen musste, begründete dies mit dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges: „Wir konnten nie mit Buchenwald gleichziehen“, war sein ebenso erschreckender und plausibler Kommentar dazu. Und weiter: „Vor dem Krieg glaubte jeder, dass das Geschehen auf der Bühne unmöglich war. Nun wissen wir, dass diese und schrecklichere Dinge in der Realität möglich sind.“ Es dauerte eine ganze Weile, bis sich die Horrorunterhaltung aus dieser Schockstarre lösen konnte.

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Rezension zum Netflix-Horrorfilm Bird Box

Netflix-Filme… und man weiß immer noch nicht so ganz, woran man ist. So ein klassisches Hit or Miss eben. Eine Sache sollte sich mittlerweile aber ganz unabhängig von der individuellen Qualität eines jeden einzelnen Films und unabhängig von der Borniertheit von Big Ol‘ Hollywood in den Köpfen von Kritikern und Publikum durchgesetzt haben: Netflixfilme sind keineswegs das Online-Pendant zum Direct-to-DVD Markt des frühen 21. Jahrhunderts. Auch ein Netflixfilm kann großartige Bilder, hochklassige Schauspielleistung und verdammt effektive Special Effects bieten, kann einfach wie jeder andere abendfüllende Spielfilm auch absolut nach High Budget aussehen, mitunter sogar so gut sein, dass es geradezu eine Schande ist, dass er keine (größere) Kinoauswertung erhält. Besonders auffällig ist das, wenn Netflix Filme veröffentlicht, die anderen Filmen ähneln, die kurz davor, kurz danach oder sogar zeitgleich eine klassische Kinoauswertung erhalten. So auch im Fall des 2018er Horrorfilms Bird Box, der sowohl thematisch als auch ästhetisch derart nah dran ist am 2017er Indie-Horror „A quiet place“, dass man ohne zu übertreiben von einem Zwillingspaar sprechen könnte. Und das Überraschendste daran: Die Rollen scheinen vertauscht. Bird Box ist weitaus cineastischer, mainstreamtauglicher und – ja, leider auch – glatter als sein Kinopendant.

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Tucker & Dale vs. Evil – Oder: „Don’t fuck with nice Rednecks!“

Anstatt dich über Altersgrenzen  Gedanken zu machen, sollten die FSK und MPAA  mal lieber über wirklich sinnvolle Ratings nachdenken. Wie wärs zum Beispiel mal mit einer Klischeewarnung für Dutzende langweilige Backwoodhorror und Teenie-Slasher Streifen? Klischee1: Die folternden und mordenden Rednecks stinken, können sich nicht artikulieren und wohnen in gruseligen Hütten. Klischee2: Collegestudenten wollen nur saufen, ficken und nackt baden gehen. Klischee3: Ein kleiner Stolperer kann schneller zum Tod führen als jede Autokollision. Klischee4: Bei einem solchen Tod sprudeln nur so die Blutfontänen. Klischee5: Handys funktionieren nie… NIE! Klischee6: Mordlust ist genetisch bedingt. Klischee7: Dummheit auch…. „Tucker & Dale vs. Evil“ gelingt das Kunststück all diese Klischees in einem Film zu verbraten und er funkkioniert dennoch größtenteils hervorragend. Womit zumindest Klischee8 widerlegt wäre: Das Zusammenprallen von Rednecks und Teens/Studenten in einem düsteren Wald kann nur zu blutiger aber gähnender Langeweile führen…

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Ballettdrama/ Psychothriller/ Bodyhorror – „Black Swan“ von Darren Aronofsky

Verdammt noch eins! Ich war mir sicher, ich würde diesen Film lieben oder hassen. Ich war mir sicher ein Mittelding wäre nicht drin. Immerhin hat es Aronofsky schon immer geschafft mit seinen Filmen recht gut zu polarisieren. Da war „Requiem for a Dream“, für viele zu pathetisch, zu aufgesetzt in seinem düsteren Weltbild, für andere eine Offenbarung des Composite Film Genres. Da war „The Fountain“, für viele billiger, abgehobener Science Fiction Esoterik-Kitsch, für manche die postpostmoderne Antwort auf „2001 – Odyssee im Weltraum“ und ein Science Fiction Klassiker für das neue Jahrtausend. Okay… „The Wrestler“ hat allgemein positives Feedback erhalten, aber nach all den Ankündigungen, Trailern und Vorab-Kritiken musste eigentlich klar sein, dass Black Swan wieder so ein „Love it or hate it!“ Ding wird. Weit gefehlt. Ich bin voll in der „So la la“-Falle gelandet und stehe mit meiner Meinung auch offensichtlich nicht alleine da.

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Die besten Horrorfilme der 90er Jahre: Was ist mit Stephen Kings IT?

Im Jahr 2017 spielte die Verfilmung von Stephen Kings epischem Horrorroman ES eine große Rolle bei der Beantwortung der Frage, welcher denn nun der beste Horrorfilm des Jahres sei. Abgesehen davon, dass dies dem – allenfalls durchschnittlichen – Reboot viel zu viel der Ehre war (aber dazu an anderer Stelle vielleicht mehr), zeigt es doch ganz gut, dass die Stephen King Fangemeinde schon lange nach wirklich guten Verfilmungen ihres Meister dürstet. Ja, auch wenn es gelungene Ausnahmen gibt, die Kombination Stephen King und Film war schon immer und ist bis heute ziemlich holprig. Nicht ganz unschuldig daran ist der Meister selbst, der ausgerechnet die beste Verfilmung seiner Romane, Shining, rundheraus ablehnte und diesen Roman zu allem Überfluss auch noch mit einer etwas anderen Verfilmung – nach seinem (und wirklich nur nach seinem) Geschmack – beglückte. Anyway, den Tiefpunkt der Stephen King Verfilmungen stellen wohl die Miniserien dar, die in den 90ern über unsere Fernsehgeräte herfielen: The Stand, Langoliers, das schon erwähnte Shining Reboot… und ja, auch die Verfilmung von ES, die zwar unter diesen Verfilmungen die beste ist, aber doch unter den klassischen Schwächen einer King-Miniserie leidet.

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Die besten Horrorfilme der 90er Jahre II

Wir machen weiter mit unserer 90er Horrorretrospektive und erwähnen gleich zweimal den King of Horror, Stephen King. Darüber hinaus allerlei Vampiristisches – von der klassischen Gothic Novel Adaption bis hin zu postmodernen Varianten. Außerdem das faszinierende Regiedebüt von Guillermo Del Toro, eine kultige Freakshow von Clive Baker, italienische Zombies, amerikanische Kannibalen und asiatische Mord- und Folterorgien. Die besten Horrorfilme der 90er, Teil 2, direkt nach dem Klick.

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Die besten Horrorfilme der 90er Jahre I

Im Vergleich zum 00er Horrorjahrzehnt stinken die 90er schon gewaltig ab… Während es im neuen Jahrtausend ein großartiges Zombie-Revival, eine neue Torture-Welle und ausgezeichnete asiatische Spukgeschichten gab, bleiben die 90er Jahre diesbezüglich genretechnisch ziemlich diffus und heterogen. Ein paar Gothic-Horror-Schinken, ein kurzes Slasher-Revival gegen Ende des Jahrzehnts, und das wars auch schon. Ansonsten viel Mittelmäßiges, Uninteressantes, Vergessenswertes… Kein gutes Jahrzehnt für den Horrorfan. Und dennoch findet sich auch in den 90ern die ein oder andere Genreperle. Wir haben sie für euch ausgegraben und sogar so viel gefunden, dass wir das Ganze wider Erwarten in zwei Teilen veröffentlichen können. Das erste satte Horrorpaket steht schonmal hier. Teil 2 in Kürze…

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Eiskalter Mummenschanz – Rezension zum besten (?) Horrorfilm des Jahres: Hereditary

Selten in den Jahren zuvor waren sich Horrorfilmfreunde und Kritiker derart einig: Noch bevor das Kinojahr zu Ende geht, eigentlich schon bei seinem Erscheinen, wurde Ari Asters Debütfilm Hereditary zum Horrorereignis des Jahres erklärt und auch gleich in die Tradition des in den letzten Jahren vielbeschworenen Genres des Post-Horror eingeordnet: Ein Logenplatz direkt neben – doch so unterschiedlichen – Werken wie The Vvitch, Get out und It follows, das nächste Meisterwerk, das dem Genre die notwendigen Innovationen verleiht und Horror zu so viel mehr macht, als das Genre in den Jahren davor war. Um mal gleich so viel vorweg zu nehmen: Ja, irgendwie ist es schon okayisch bei all diesen Filmen von Post Horror zu sprechen… und ja, irgendwie gehört Hereditary da auch rein, insbesondere Dank seiner Ähnlichkeit zum 2015er Meisterwerk The Vvitch… Und ja, für einen Debütfilm ist dieser kleine Genrebastard auch wirklich beeindruckend. Zum absoluten Meisterwerk – geschweige denn zum besten Horrorfilm des Jahres – taugt er aber dann doch nicht. Allein schon, weil er ein gutes Stück vor seinem Ende vollends in sich zusammenfällt und einen Genrehopser macht, der so manchen Horrorfan ratlos zurücklassen dürfte.

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Die besten Horrorfilme der 2000er Jahre

Nach den besten Fantasyfilmen des Jahrzehnts bleiben wir noch kurz im phantastischen Bereich. Grusel- und horrortechnisch ist so manches passiert in der letzten Dekade. Es gab eine ausufernde Zombie-Widergeburt, einen unglaublichen Hype um das asiatische Gruselkino (das diesen Artikel auch wie eine Welle überfluten wird), eine strukturell interessante Horror Nouvelle Vague aus Frankreich und die Ankunft des Splatter, Gore und Midnightmovies im Mainstreamkino. Folgerichtig erlebte der Horrorfilm einen wahren Boom, ein Hoch an Zuschauerzahlen, das man seit der verebbenden Slasher-Welle nicht mehr für möglich gehalten hatte und eine ganze Riege an erstklassigen, zweitklassigen und leider auch drittklassigen Filmen. Unsere Highlights des Spuk- und Blutoverkills wollen wir euch an dieser Stelle nicht vorenthalten.

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Direct to DVD – Der Mystery Horrorthriller "Triangle – Die Angst kommt in Wellen"

Es gibt Filme, über die man im Vorfeld nicht zu viele Worte verlieren sollte. Jede genaue Inhaltsangabe, jede inhaltliche Auseinandersetzung zerstört allzu viel der überraschenden Twists, der unheilvollen diffusen Gesamtatmosphäre und spoilert den Leser und späteren Zuschauer geradezu in Richtung Langeweile. In diese Sparte fällt auch Christopher Smiths (Creep) neuster Horrorthriller Triangle, der als klassischer Spukslasher beginnt und sich sukzessive zu einem interessant konstruierten Mysterydrama entwickelt. In unserer Rezension wollen wir dennoch versuchen, den Film zu beurteilen, ohne wesentliche inszenatorische Coups vorwegzunehmen.

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Bergman, Cronenberg und Lynch in Berlin – Der surreale Horror-Kultfilm Possession

Ein polnischer Regisseur dreht mit internationalen Darstellern einen englischsprachigen Film im geteilten Berlin der frühen 80er Jahre. Was in der Beschreibung bereits ambitioniert klingt, ist im Endergebnis eine höchst absurde Tour de Force, ein wahnwitziger Horrorschocker über jegliche Klassen- und Genrezuschreibungen hinaus. Andrzej Zulawski pfeift auf gängige Konventionen und liefert mit Possession eine wüste Mischung aus Ehedrama, Kammerspiel, Psychogramm, Bodyhorror und metaphysischem Surrealen Mysterythriller, die dem Zuschauer ein ums andere Mal den Boden unter den Füßen wegzieht. Dem Verleih Bildstörung ist es zu verdanken, dass der rare Kultfilm seit 2009 auch in Deutschland ungekürzt auf DVD erhältlich ist.

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Rezension zu Happy Deathday (2017)

Es gibt eine sehr bezeichnende Stelle in Happy Deathday (2017), praktisch gegen Ende des Films: Dort wird nämlich von einer Figur innerhalb des Films darüber sinniert, dass das ganze Szenario doch sehr stark an Und täglich grüßt das Murmeltier (1993) erinnern würde, während ihr Gesprächspartner zugibt, von diesem Film noch nie gehört zu haben. Happy Deathday ist ein High Concept Film: Und täglich grüßt das Murmeltier trifft Slasher-Genre und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Dem Film, der sich seines so leicht in einer Phrase zusammenfassenden Hybridcharakters sehr bewusst ist, geht es nicht darum, aus seiner Prämisse mehr zu machen. Er möchte weder das eine noch das andere Genre dekonstruieren oder gar neu erfinden, und er möchte erst recht nicht aus der Prämisse irgendetwas Intelligentes, Ungewöhnliches zaubern. Und das ist dem Ergebnis auch durch und durch anzusehen, inklusive Formelhaftigkeit und Vorhersehbarkeit. Und was macht man als Zuschauer dann mit so etwas, das bereits nach zehn Minuten sämtliche Karten aufgedeckt hat? Naja, man versucht eben doch noch den maximalen Unterhaltungswert herauszuziehen…

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Die besten Filme 2016: I am not a serial killer – Und der ewige Kampf Böse gegen Böse

2016 war ein gutes Jahr für die Verknüpfung von Horror und Young Adult Drama. Unter anderem mit dem folkloristischen Antimärchen The Witch, Nicolas Winding Refns Neon Demon und dem Kannibalismus-Flick Raw gab es gleich mehrere Filme, die die Tragik junger Erwachsener (oder erwachsener Jugendlicher) mit klassischen Horrormotiven und absurden Mysterysettings kreuzten. So angesehen diese Filme bei der Kritik und dem Genrepublikum auch waren, abgesehen von The Vvitch, der ungefähr das zehnfache seines Budgets einspielte, war keiner dieser Filme an den Kinokassen sonderlich erfolgreich. Selbst in Zeiten des Stranger Things Erfolgs ist die Kombination Coming of Age und Horror eben doch eine riskante, insbesondere wenn sie sich im Gegensatz zum Netflix-Hit trotz junger Protagonistinnen kein junges Publikum zum Ziel gewählt hat, sondern mit extremer Gewaltdarstellung und düsteren Motiven bewusst ein Erwachsenes Publikum anspricht. In diese Nische fällt auch Billy O’Briens I Am Not a Serial Killer (2016), die Verfilmung des gleichnamigen Romans aus dem Jahr 2009, der selbst im Vergleich zu den anderen Werken nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hat. Dabei ist es vielleicht gerade er, dem die Erzählung des Alptraums Pubertät hinter einer gnadenlosen Horrorfassade am besten gelingt.

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Die besten Horrofilme 2016: The Witch – Horror als folkloristische Tragödie

Das mythologische Erbe des Christentums hat dem Horrorfilm einen großen Fundus an Motiven und Schreckensbildern hinterlassen, durchaus auch problematische. Denn während weibliche Magie in anderen Genres – insbesondere dem Fantasykino – in den verschiedensten Facetten und Farben dargestellt und ausgelebt wird, beruft sich der Horrorfilm meistens auf die fiktiven Schreckensgeschichten, die in der frühen Neuzeit für ganz realen Schrecken gesorgt haben: Von Häxan (1920) über Suspiria (1977) bis zum Blair Witch Project (1999); das was der moderne Horrofilm unter Hexenzauberei versteht, ist genau das, was bereits die Hexenprozesse darunter verstanden und womit sie Gewalt und Mord legitimierten. Ohne Zweifel hat das moderne Horrorkino damit eine ganze Menge Misogynie geerbt, gehegt und gepflegt, ohne deren düsteren Ursprünge zu reflektieren. Lars von Trier hat dies in seinem Antichrist (2009) versucht und war dabei ebenso erfolgreich, wie er krachend gescheitert ist. Es ist eben auch alles andere als einfach, Horror zu evozieren und zugleich die grausame Rolle der Angst vor dem Weiblichen in der neuzeitlichen Mythologie des Christentums zu reflektieren.

An diesem Punkt setzt The Witch (2016) an, indem er einen ganz und gar radikal traditionellen Weg einschlägt: Er inszeniert Aussagen der Hexenprozesse als realen Schrecken und kontrastiert diese mit dem Horror des ganz alltäglichen puritanischen Lebens der damaligen Zeit. Und so harmonieren und kämpfen in ihm historisch akkurates Porträt, Auseinandersetzung mit der frühneuzeitlichen Fantastik und Hexenhorror miteinander, um zu einem der wohl authentischsten historischen Horrorporträts der Filmgeschichte zu gelangen.

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Der Slow Burner „It follows“ – Horrorkino wie es öfter sein sollte

Es ist ja so, egal wie man es dreht und wendet: Die Hauptaufgabe eines Horrorfilms besteht darin, sein Publikum zu ängstigen. Klar, drumherum kann man eine Menge symbolischem Kunstschnickschnack veranstalten oder Tonnen an Kunstblut verschütten, um auch den Ekelfaktor in die Höhe zu treiben. Aber verdammt nochmal, horror bedeutet im Lateinischen Erstarren, Entsetzen und Grausen; nicht Nachdenken, Lachen oder sich Ekeln. Das Horrorkino der ausgehenden 2000er Jahre war lange ein Effektkino; das Erstarren oder Erschaudern wurde ersetzt durch das Erschrecken, durch den plötzlichen Schock, der auch im gleichen Moment eine – gerne mit Gelächter garnierte – Erleichterung mit sich bringt. Horrorfilme nach dem Slasherrevival waren vor allem im Mainstreamkino grauenhafte Komödien, Jump Scares waren ihre Pointen. Erst seit einigen Jahren beginnt sich das Blatt wieder langsam zu wenden. Auch wenn viele Filme – unter anderem die sehr erfolgreiche Conjuring-Reihe oder auch die Paranormal Activities Serie – nach wie vor auf Jump Scares in gehobener Zahl setzen, gibt es mittlerweile wieder eine Rückbesinnung auf den langsamen, schleichenden, das Publikum nicht erlösenden Schrecken. In diese Riege der neuen Horror Slow Burner fällt auch It Follows (2014; regulärer Kinostart 2015), der zwar gerne in Nostalgie badet, Horrorgeschichten der späten 70er und frühen 80er Jahre allerdings mit den Werkzeugen des Post Horror Films der 2010er Jahre erzählt. Und auch trotz seines ganzen Symbolismus-Schnickschnacks macht er primär das, was Horrorfilme primär tun sollten: Sein Publikum ängstigen.

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Zombiefilm-Kurzrezensionen: The Returned, Ben & Mickey vs. the Dead, Mutants, World War Z, White Zombie

Genau so schwer wie seine Protagonisten ist das Genre des Zombiefilms totzukriegen. Nach dem großen Revival der 2000er Jahre und einer wahren Blütezeit an Remakes/Fortsetzungen/Neuerfindungen ist der Zombiefilm auch im Jahr 2014 quickuntot. Und ich habe das Gefühl, gerade in den ersten beiden Quartalen mehr Filme rund um Zombies gesehen zu haben als im gesamten Jahr davor. Also ist es mal wieder an der Zeit einen klar fokussierten Filmabriss zu schreiben, unter den Tags: Zombies, Untote, Infizierte… Neben neuen Vertretern wie den klassischen Fantasyfilmfest-Flicks The Returned und Ben & Mickey vs. the Dead werfe ich einen kurzen Blick auf den schon etwas älteren französischen Horror Nouvelle Vague Mutants aus dem Jahr 2009 und den letztjährigen Hollywoodbeitrag zum Subgenre World War Z. Und da die Zeit gerade da ist, schadet es auch nichts, sich kurz mit dem Klassiker überhaupt auseinanderzusetzen. White Zombie aus dem Jahr 1932, der gemeinhin als der erste Zombiefilm überhaupt gehandelt wird.

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Why American Horror Story sucks… a little bit

Verdammt nochmal, ich liebe diese Serie! Ich liebe, liebe, liebe sie! American Horror Story gehört für mich zu den großen Serien-Überraschungen der letzten Jahre. Habe ich sie bei Ankündigung und Präsentation der ersten Teaser noch als Standard-Mystery-Schmu abgetan, habe ich mich erst zu Beginn dieses Jahres – aus Mangel an anderem Material – auf die Horror-Serie von Ryan Murphy eingelassen… und sie hat mich umgehauen. Innerhalb kürzester Zeit habe ich die drei Staffeln weggesuchtet und kann es jetzt schon kaum erwarten, den Freakshow der kommenden vierten Staffel zu bewundern.  Daher ist dieses „Why … sucks!“-Resümee dann auch in erster Linie ein Versuch, mit Nitpicking gegen schwelendes Fanboytum anzukämpfen, in zweiter Linie dann aber doch auch eine Auseinandersetzung mit den zahllosen großen und kleinen Fehlern, die diese Serie beherbergt. Denn so genial sie auch ist, geschieht doch eine Menge stranges, dummes und einfach nur fragwürdiges Zeug im Verlauf ihrer drei Staffeln. Ganz schön schwer darauf herumzureiten, weil American Horror Story einfach mal Gott ist, aber ich will es dennoch (in diesem Fall auch relativ spoilerfrei) versuchen: Why American Horror Story sucks… zumindest ein bisschen.

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Why The Walking Dead sucks… a little bit

Also dann… Auf zum Walking Dead Rant! Beim zweiten Artikel dieser Art ist es vielleicht ein bisschen verfrüht von einem Running Gag – oder einer sich etablierenden Tradition – zu sprechen, aber die Parallelen sind schon gegeben: Auch bei Game of Thrones hatte ich nach der dritten Staffel das Bedürfnis meine, teils negativ gefärbten, Gefühle zu der overhypten Serie niederzuschreiben, auch damals kam die Serie dabei alles andere als gut weg. Auch bei Game of Thrones war ich irgendwie genervt davon, dass diese Serie von so ziemlich jedem in allen nur erdenklichen Tönen gelobt wurde, auch bei Game of Thrones schien Nitpicking ein probates Mittel, um die Serie einfach mal auseinander zu nehmen… und auch bei Game of Thrones bin ich trotz zahlloser Kritikpunkte  dran geblieben, habe tapfer durchgehalten und sogar ne Menge Spaß gehabt. Ja, ich stehe nach wie vor dazu: Game of Thrones suckt… zumindest ein bisschen, und, naja, was soll ich sagen: The Walking Dead auch. Nach vier Staffeln, teils lahmer, teils konfuser, teils einfach nur dummer Zombie-Action, muss ich jetzt einfach mal meinen ähnlich schmeckenden Senf zu der derzeit erfolgreichsten US-Serie abgeben. Here we are, different TV-Show, same Shit, same Outcome: Irgendwie habe ich Spaß bei der TV-Umsetzung des (wirklich genialen) Comics The Walking Dead, irgendwie mag ich die Serie, und zugleich gibt es bei dieser Serie unfassbar viel, was mir gehörig auf die Nerven geht.  Achtung, Spoiler, inklusive Staffel 4, ahead: Why The Walking Dead sucks… zumindest ein bisschen.

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Meta-,- Meta-, Messerstecher – Rezension zu Scream 4

Es ist schon eine Crux mit den lange Zeit nach den Originalen nachgeschobenen Fortsetzungen… Und gerade in den letzten Kinojahren ging das selten gut aus: Indiana Jones 4? Katastrophe! Die Prequels der Star Wars Franchise? Nur noch ein Schatten der urspünglichen epischen Weltraumsaga. Und dann natürlich der Fortsetzungs- und Remakewahn im Horrorbereich (ganz zu schweigen von kruden Mashups wie Freddy vs. Jason). Nur selten gibt es Lichtblicke… Und wenn ausgerechnet eine Serie weitergeführt wird, die schon in den 90ern ein Revival darstellte – mit einem guten Film und zwei immer durchschnittlicher werdenden Fortsetzungen –  die zudem von Beginn an gerade mal als Trilogie angelegt war, ist erst Recht Obacht geboten. Insofern waren die Erwartungen an Scream 4 erst einmal niedrig, mehr als eine nette Nostalgieversanstaltung wurde nicht erhofft, und ein Blick auf die Mitkinogänger – Anfang 30, Horrorfilmfreunde, irgendwie noch in den 90ern beheimatet – ließ erahnen, dass es dem restlichen Publikum auch nicht viel anders ging.

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Scream-Retrospektive II: Die beiden Fortsetzungen

Scream war angeblich von Anfang an als Trilogie angelegt. Ob diese Behauptung Wes Cravens und seines Stabes der Wahrheit entspricht, ist allerdings tatsächlich nur zweitrangig. Bei dem überbordernden Erfolg der Slasher-Renaissance, war es selbstverständlich, dass eine Fortsetzung folgen musste… und ein dritter Teil war schon vor dieser klar eingetütet. Ist ja auch generell nichts verwerfliches. Wobei das Slasher-Genre wie schon im ersten Teil der Retrospektive festgestellt, vielleicht prädestiniert für Fortsetzungen ist, diese allerdings meistens ziemlich müllig daherkommen. Immerhin hatte Craven bis zur Weiterführung der Scream-Franchise die Regie-Finger von Nachfolgefilmen gelassen (abgesehen von einem ziemlich gelungenen, ebenfalls mit der eigenen Selbstreferenzialität spielenden Nightmare on Elmstreet Teil). Also schauen wir uns an, wie sich die beiden Scream-Fortsetzungen im Vergleich zum ersten Teil schlagen…

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Scream-Retrospektive zur Einstimmung auf Teil 4 der Slasher-Saga I: Das Original

Wes Craven muss schon ganz schön dicke Eier haben oder ein hoffnungslos naiver Optimist sein, dass er es sich tatsächlich traut einen vierten Teil der Scream-Franchise ins Kino zu bringen. Immerhin war Scream von Anfang an als Trilogie angelegt, was der Stoff an und für sich keinesfalls selbstverständlich hergibt. Dann die Tatsache, dass die Scream-Filme von Teil zu Teil dünner und unspannender wurden. Ganz zu schweigen von der miesen Erfahrung, die aus der Geschichte der Slasher-Fortsetzungen resultieren dürfte: Jason? Totgemetzelt. Freddy? Irgendwann nur noch ein Schatten seiner selbst. Mike Myers? … Sprechen wir nicht darüber. Und schließlich der letzte und wesentliche Punkt. Scream, damals schon das Revival eines totgesagten Genres, wirkt in Zeiten der Saws und Hostels gleich wie ein doppelter Anachronismus. Die darin gezeigte Gewalt, die im Mainstreamkino der 90er tatsächlich noch ungewöhnlich war, wurde für ein Massenpublikum mittlerweile derart pervertiert, inflationiert oder einfach detaillierter aufbereitet, dass Scream selbst in der uncut-Version scheinbar wie der brave Großvater heutiger Blutorgien wirkt. Sei es drum… Wes Craven beweist Mut (oder Dummheit); und so startet Scream 4 diese Woche in unseren Kinos. Und für alle, die sich auf ein nostalgisches Wiedersehen mit dem – in diesem Fall gleich doppelt nostalgischen – Slasherklassiker freuen (so wie ich), gibt es an dieser Stelle eine kleine kritische Würdigung der drei Vorläufer. Wir beginnen mit Scream 1, dem Klassiker von 1996. Die beiden Fortsetzungen folgen in einem seperaten Artikel.

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Stagnation of the Dead? – Grenzen und Möglichkeiten des aktuellen Zombiefilms

Das große Horrorrevival des letzten Jahrzehnts war neben der Kommerzialisierung des Torture Porns durch Remakes wie „The Hills have Eyes“ und Neuschöpfungen wie Hostel vor allem die Renaissance des Zombiefilms. Diese brachte einige sehr gute, einige gute und sehr viele schlechte Filme hervor. Gerade die unzähligen B-Movie-Massenprodukte lassen es mitunter so erscheinen, als sei das Genre erneut – wie schon in den 80ern – mittlerweile zu Tode getrampelt, beziehungsweise, wenn man den klassischen Zombiefans folgt, zu Tode gerannt. Aber gibt es nicht auch Lichtblicke? Ist tatsächlich der rennende Zombie an der Stagnation Schuld? Ist alles aus diesem Horrorbereich ausgeschlachtet? Das Subgenre zu Ende definiert? Und welche Filme beweisen ganz oder in Ansätzen das Gegenteil? Eine Bestandsaufnahme.

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